Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kunstgewerbes
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975669
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3955954
Deutsche Arbeiten nach der Völkerivanderung. 19 
Jahrhunderts, nnd lassen einen gewissen Fortschritt in der Vollendung erkennen, deren 
Höhe in das siebente Jahrhundert fällt. 
Wie aber konnte es sein, daß diese Völkerschasten, denen wir doch bisher, im 
GegenfaH zu Rom und Italien, die Kunstübung absprechen MUßkeU- dennoch den VII! 
den Römern erlernten Künsten ein neues Element hinzuzufügen, ja dieselben orna- 
mental umzuändern vermochten? Wenn ihnen auch die feineren Künste fehlten- se 
waren ihre Arbeiten, ihre Kleider, ihre Bauten,   
ihre Gefäße doch nicht jeder Verzierung bar.  
Nach Tacitus verstanden sich die germanischen ZEIT 
Frauen auf Verzierung der Kleider durch Stickerei    
und die nordischen Stämme sehten buntes Rauch-   
werk zusammen. "Weder das eine noch andere     
hatte freilich einen Einfluß auf die Gegenstände, El 
welche den fränkischen und alamannisihen Gräbern  . 
entnommen sind, wohl aber die Verzierungen der HiT""  
Bauten und des sonstigen Holzgerätes. Es ist -    
freilich davon aus so früher Zeit nichts auf     
uns gekommen, was direkt Existenz und Art se  "  
dieser Verzierungen bestätigte, aber schon der  
Giebels(-hmmk der angelsächsisc)en Häuser- der 3. Güttelschnalleaus merowingischer Zeit. 
,,gehörnten Halle", mit Hirsch- und Pserdeköpfen, 
wie er noch auf den Bildern der ältesten angelsächsischen Manuskripte erscheint, seht 
eineJgewisse und lange Übung in der Holz-schniherei voraus. 
Nun aber, und das ist die Hauptsache, zeigt die Art der Verzierung auf den 
Fundstücken der germanischen Gräber dieser Epoche, daß dieselbe vom geschnihten oder 
vielmehr geschnittenen Holze auf Metall übertragen sein muß  eine Erscheinung, 
die bisher wohl noch nicht hinlänglich in Mitrechnung gezogen worden. Die ver- 
tieften Ornamente auf den Fibeln und Spangen,   
den Gürtelschnallen und Beschlägen sehen nicht  
wie graviert aus, sondern wie mit dem Messer   
eingeschnitten. Es ist der sogenannte Kerb-   
schnitt, wie wir heute sagen, der noch vor  
nicht langer Zeit an der Nordsee, bei den  
Friesen, in Schleswig-Holstein, Dänemark 2c.   
zu Hause war und heute wieder als Handarbeit  
in den Volksschulen eingeführt werden soll.    
Zahlreiche Hausgeräte- groß Und klein, für 4.  aus Holz 
die Wohnung wie für die Küche, sind noch W  
vorhanden, bei denen die Ursprünglichkeit in Technik wie in der Zeichnung unver- 
kennbar ist. Wir können nicht einen Augenblick zweifeln, daß solche Kerbschnittoruamek1- 
tation durch jene deutschen Völkerschaften vom Holzgerät auf ihre MetalIqrbeiten 
übertragen worden. (Abb. 3.)  
Was von solchem Holzgerät mit Kerbschnittverzierung in den Grabstätten vor- 
handen gewesen sein mag, hat freilich die Zeit vernichtet, jedoch nicht gänzlich. Aus
        

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