Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kunstgewerbes
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975669
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3957155
Stickereien. Töpferei. 
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führte, einen anderen die goldgewirkten, mit Figuren verzierteu Stäbe, welche die 
geistlichen Gewänder vorne und rückwärts wie ein Kreuz zu schmücken hatten. 
Durchaus in der Mehrzahl war das alles wirkliche und richtige Flacharbeit, wie 
das dem Material und der Bestimmung angemessen ist. Allein die Stickerkunst, die 
ihre Kräfte fühlen lernte, ging weiter, und wie sie mit der Malerei wetteiferte, ver- 
suchte sie es nun auch mit der Plastik. Sie unterlegte Figuren wie Qrnamente mit 
verschiedenen Stoffen und hob sie so bis über das Mezzorelief heraus, selbst mit 
nnterschnittener Rundung. Das war nun bei Gegenständen, deren Bestimmung war, 
steif zu bleiben, wie zuweilen bei Wappen, wenn auch unnatürlich, doch kein Schade, 
anders aber bei den kirchlichen Gewändern, die nun wie ein in Holz geschnihtes 
Relief, steif und brettern, an dem Leibe des Priesters saßen. Manche solcher Meß- 
gewänder haben. sich noch in verschiedenen Kirchen erhalten, einige besonders inter- 
essante im Dame zu Brünn, davon eines mit Christus am Kreuz und knieenden 
Figuren die Jahreszahl 1487 trägt.   
Während die Stickerei für die Kirche in dieser Weise ihr Maß überschreitet und 
einer Entartung entgegen geht, beginnt die gleiche Kunst, freilich in mehr dilettantischer 
Weise, sich für das Haus neu zu entfalten und selbst zu neuen Richtungen, zu einem 
neuen Zweige der Kunstindustrie den Grund zu legen. Es ist damit die Spiheuindustrie 
gemeint, welche aus der Weifzstickerei hervorging, einer Art der Stickerei, welche, als 
Verzierung der Hausleinwand, auch vorzugsweise dem Hause gehört und schon im 
fünfzehnten Jahrhundert fleißig und kunstreieh mit allerlei Figuren und Ornamenten 
im Stil der Zeit geübt wurde. Diese Weißstickerei bildet auch den Vorläufer der 
Spitz,enindnstrie, nnd zwar in jener Art, welche Fäden über Kreuz auszieht oder aus- 
schneidet und die entstandenen Lückeu mit durchbrochener Näharbeit ausfüllt. Geburt 
und Entwicklung gehören aber der folgenden Epoche, wo dann des weiteren von ihnen 
die Rede sein wird. 
In derselben Lage befinden wir uns gegenüber zweien, freilich gänzlich anderen 
Jndustriezweigen, den Arbeiten in gebranntem Thon und den Glasgesäßen. Beide 
Zweige, fast die ältesten, die auf deutschem Boden geübt werden, gehen durch das 
ganze Mittelalter fort, aber es ist sehr wenig von ihnen die Rede. Sie erheben sich 
während des Mittelalters nicht zur Höhe einer eigentlichen Kunstindustrie und haben 
uns daher auch aus der ganzen Zeit wenig hinterlassen, von dem zu berichten Wäkes 
Sie arbeiteten für den gewöhnlichen Hausgebrauch, kaum für. die Kunst. Als Alls- 
nahme mag man etwa die unglafierten Thonsliesen mit vertieften Ornamenten be- 
trachten, welche im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert in Burgen und Schlössern 
den Fußboden bedeckten, keine Kunst von besonderer Bedeutung. Erst gegen den AUE- 
gang des Mittelalters erhebt sich die Töpferei zu einem wirklithM KUUikzWeigS Und 
liefert noch im gotischen Stile glasierte Ofen, von denen zu reden ist. Da diese 
Arbeiten aber scharf an der Grenze stehen, unmittelbar vor der Blütezeit, welche dem 
fechzehnte11 Jahrhundert angehört, so werden wir davon erst im folgenden Abschnitt 
im Zusammenhange berichten.  
Was die Glasgefäße betrifft, so fällt die Blütezeit ihrer Fabrikation noch später. 
Was das Mittelalter uns überliefert hat, sind einige Trinkgefäße von weißem oder grünem 
Glase, meist in einfacher Becherform mit angeschmolzenen BaHen oder Klumpen; von 
v. Falte, Kunngcwerbe- S
        

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