Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3950320
Holzschnittnnd Letterndruck. 71 
geschafften Typen auch den italienischen Jnitialenschmuck und die sonstigen Bestandteile 
der Bücherornamentik nach Deutschland brachte."-E) Die figürlichen Teile der Illustration 
rühren hingegen auch in seinen Drucken von Augsburger Zeichnern her. Sie lassen 
bereits das Herannahen der Burgkmairschen Epoche spüren. 
In dem reichen, handelsmächtigen Ulm tritt um dieselbe Zeit ein Aufschwung 
des Buchgewerbes ein, während dessen früheste dortige Vertreter, Lndwig Hohenwang 
und Johannes Zainer, sich noch mehrfach fremder Hilfsmittel bedienten und in engeren 
Grenzen sich bewegt hatten: Leonard Holl drnckt 1482 in der ,,Cosmographia" des 
Clandius Ptolomäus das erste Buch mit in Holz geschnittenen Landkarten; in künst- 
lerischer Hinsicht sind besonders die Druckwerke Conrad Dinkmuths beachtenswert; 
vortreffliche schwäbische Meister, die den Einfluß M. Schongauers deutlich erkennen 
lassen, müssen für den Ulmer Buchdruck thätig gewesen sein; in der von Dinkmuth 
besorgten Ausgabe von Thomas Birers ,,Schwäbischer Chronik" (1486) und in der 
demselben Jahre angehörenden deutschen Übersehung des ,,Eunuchus" von Terenz aus 
der nämlichen Offizin treten zum erstenmal die Landschaft nnd das Arihitekturbild, 
namentlich der Straßenprospekt, in den Holzschnitten bedeutsam hervor. 
Unter den rhei11ischen Städten spielte neben Mainz, Straßburg,  Speier, Basel u. a. 
vornehmlich Köln eine große Rolle als Druckort künstlerisch ausgestatteter Bücher. 
Die Hauptleistung der dort in erster Linie stehenden Druckerei von Heinrich Quentel 
und eines der berühmtesten Prachtwerke der deutschen Holzschnittillustration des 15. Jahr- 
hunderts überhaupt ist die große, um 1480 in zwei Blinden gedruckte Bibel, deren 
Holzschnitte 1483 von Koburger in Nürnberg für seinen Bibeldruck wieder verwendet 
worden sind und auch sonsthin den nachhaltigsten Einfluß auf das deutsche Jllustrations- 
wesen der Epoche ausgeübt haben. Verglichen mit den JlIustrationen der älteren 
Augsburger und Nürnberger Bibelausgaben, welche entweder in der primitiven Karten- 
manier gehalten oder in die Anfangsbuchstaben eingezwängt sind, stellen sich die 
Holzschnitte der Kölnischen Bibel zum erstenmal als wirkliche Bilder dar, welche die 
Vorgänge nicht bloß andeuten, sondern wirklich schildern. Der offenbar der nieder- 
rheinischen Schule angehörige Meister betont im Vorworte diesen Bildcharakter, in- 
dem er seiue Jllustrationen als Nachahmungen der Tafelgemälde bezeichnet, ,,wie sie 
von alters her in den Kirchen und Klöstern gemalt stehen" (,,soe sy van 01des 
0uck en(ie capittu1en km-ken endet cl0este1-en g-emae1t staen"). Die Holzschnitte 
sind in technischer Hinsicht nngleichartig; ohne Zweifel rühren sie von verschiedenen 
Händen her; am besten geschnitten erweisen sich oft die mit kecker Laune gezeichneten 
Randleisten. 
Von den norddeutschen Druckorten ist Lübeck in der illnstrierten Buchlitteratur 
des fünfzehnten Jahrhunderts durch ein typographisches Prachtwerk vertreten, dessen 
Holzschnitte durch ganz besondere Feinheit der Ausführung das Auge fesseln. Es 
ist das 1475 erschienene, von Lucas Brandis gedruckte ,,R11(1imentum N0vjci0rnm", 
ein Kompendium der Universalhistorie, welches nach der hergebrachten Art von der 
Erschaffnng der Welt bis zu der neuesten Spezialgeschichte der Stadt Lübeck herab- 
 Fr. Lippmann, Jahrb. d. kgl. preuß. Kunstsammlungen V, 10 ff.; über den von Ratdolt 
zuerst angeführten T-ypendruck mit Gold vergl. Paffavant in Naumauns Archiv VII, 74.
        

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