Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3950284
Klöfterlicher und bürgerlicher Betrieb. 
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der ersten Hälfte des Jahrhunderts datieren Fr. Bartsch (a. a. O. S. 263) und 
Wangen (Kunstdenkmäl. in Wien U, 307), ein mit dem Namen ,,jkksg I5qzzpkI He 
"Bibisnth" bezeichnetes Blatt der Wiener Hofbibliothek mit Christus am Kreuz und 
dem heiligen Bernhard, welches das Wappen der Abtei Ebrach trägt, die eine Zeit 
lang Bibrach nnterstand. Gleichfalls durch Beis(hriften auf einzelnen Blättern kennen 
wir die Namen mehrerer Ulmer Formschneider, des Hans Schläffer, des Michel Schorpp, 
ebenso des Nürnberger Formschneiders Wolfgangk Hamer n. a. (Bucher, a. a. O. 
S. 371  Als Kartenmaler und zugleich Briefdrucker oder Formschneider ist Hans 
Paar aufzufassen, von dem zwei Blätter in der Bibliothek zu Stuttgart und im 
Kupferstichkabinett zu München herrühren, das letztere mit der interessanten Darstellung 
des zur Ehe nötigen Hansrats.i) 
Um die Frage zu entscheiden, ob es vorwiegend weltliche oder klösterliche 
Künstler gewesen sind, welche die ältesten Holzschnitte in Deutschland angefertigt haben, 
muß man sich den allgemeinen Stand der Kunst zu jener Zeit und die Stellung 
derselben zu den verschiedenen Gesellschaftsklassen gegenwärtig halten. Wie die Poesie, 
so war auch die Kunst gegen den Schluß des Mittelalters den Händen der Geistlichkeit 
und des Adels entglitten und in die Machtsphäre des Bürgertums übergegangen. 
Alles was deutsch und volkstümlich war, fand hier seine kräftige Pflege, in den 
Städten seinen Schuh nnd seine Regelung. War auch der Zweck der ältesten Holz- 
schnittbilder ein vorwiegend erbaulicher und lehrhafter- im kirchlichen Sinne, blieb auch 
ihr Stosskreis immer noch im wesentlichen religiöser Natur, so fanden sich doch die 
ausführenden Kräfte für den massenhaften Kunstbetrieb auch auf diesem Gebiete sicher 
nur in den Kreisen der bürgerlichen Meister. Die Klöster nahmen wohl ebenfalls 
noch an der Herstellung der Formschnitte teil; einzelne Mönche mögen darin eine 
hohe Geschicklichkeit bethätigt haben. Die aus Mondsee datierten  beiläufig bemerkt, 
nach Kupferstichen kopierten  Blätter in der Wiener Hofbibliothek bezeugen einen 
solchen klösterlichen Betrieb beispielsweise noch für die ersten Dezennien des 16. Jahr- 
hunderts. Aber das sind Ausnahmen von der Regel. Im allgemeinen hat man die 
Klöster zu jener Zeit nur als die Aufbewahrungs-orte, als die Stapel- und Verkaufs- 
plätze der Holzschnitte zu betrachten, die Entstehung der leHteren dagegen in den 
Städten und bei ihren zünftigen Meistern zu suchen. Die bürgerlichen Briefdrucker 
und Formschneider übten den Holzschnitt in fabrikmäßiger Weise aus und ihre Er- 
zeugnisse unterstanden in erster Jnstanz den bürgerlichen Behörden und GeseHen. 
Für Nürnberg ist es durch Urkunden bezeugt, daß wie der Buchdrucker, so auch der 
Formschneider durch eidliche Angelobuug verpflichtet war, ohne besondere Bewilligung 
des Stadtrates keine Formen oder Figuren zu schneiden oder im Druck herauszugeben. 
Das gleiche Verhältnis wird in den übrigen füddeutschen und rheinischen Städten 
obgewaltet haben, welche für die Entwickelung des deutschen Holzschnittes in erster Linie 
wichtig sind. In ihnen allen bestand die Formschneidekunst, gleich der Malerei, der 
BildschniHerei und Kupferstecherei, als ein bürgerlich geregeltes, zunftmäßig be- 
triebenes Gewerbe. 
 Fk. Lippmk-im, Repektok. f. Kuustwiss. I, 237; W. Schmidt- Devkm- d- HDIz- Und 
MetalIschnittes, Nr. 48. 
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