Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3949843
32 Erster Abschnitt. 
2. Der Knpferstich des fünfzehnten Jahrhunderts. 
zwingender Grund vor, so wenig wie bei zwei anderen Stichen, welche sich durch ihren 
Stil als derselben Frühzeit angehörig erweisen. Es sind dies der ,,Schmerzensmann 
zwischen Maria nnd Johannes" (B. 69) und die ,,Madonna mit dem Papagei" (B. 29). 
Auf den ersten Blick unterscheiden sich die genannten Blätter von den späteren Stichen 
des Meisters durch die Eigentümlichkeit ihrer technischen Behandlung. ,,Gewäuder 
wie Fleischteile," bemerkt W. v. Seidlitz über die beiden ersteren Stiche treffeud, ,,sind 
in durchaus gleichmäßiger Technik mittels kurzer, nicht zu feiner und nicht zu dichter 
Strichelchen, welche bei den Halblichtern in Häkchen übergehen, modelIiert; in den 
tiefsten Schatten sind diese Arbeiten nicht wesentlich verstärkt, dagegen werden sie bis 
dicht an die höchsten Lichter herangeführt. Die Umrisse sind noch verhältnismäßig 
wenig betont." Auch das dritte Blatt zeigt die nämliche, vorwiegend zeichnerische und 
lockere Behandlung. Aber dazu kommt hier schon der gelungene Versuch, die Stoffe 
(der Gewandung und namentlich des Kissens) zu charakterisieren, was diesem Stich 
einen eigentümlichen Reiz verleiht. Man erkennt darin den Einfluß des Meisters 
E. S., den wir oben bereits als das eigentliche Vorbild Schongauers im Kupferstich 
bezeichnet haben nnd dessen schönste Blätter gerade in den Jugendjahren Martins 
(1466-67) ans Licht traten. Nähe Berührung des heimatlichen Wirkungskreises, 
Verwandtschaft des Stammes, der Sinnesart und der Technik verbinden die beiden 
Künstler aufs innigste.  Was den flandrischen Bestandteil in den Jugendwerken 
Schongauers anbetrifft, so erstreckt sich dieser in erster Linie auf die Tt)pen und den 
Ausdruck der Köpfe. Namentlich die Maria nnd der Johannes neben dem Schmerzens- 
mann mit ihren ältlichen, vom tiefsten Gram erfüllten Zügen erinnern schlagend an 
Rogiersche Gestalten. Anklänge verwandter Art machen sich auch später noch geltend. 
Jn der Gesamtauffassung und besonders in der Landschaft verspürt man ebenfalls den 
flandrischen Einfluß.  Von den drei genannten Jugendwerken zeigen der Schmerzens- 
mann nnd die Madonna aus der Mondsichel noch die beachtenswerte Eigentümlichkeit, 
daß sie mehr bildnerisch als malerisch gedacht und daher in Halbfigureu von auffallend 
großen, breiten Formen dargestellt sind. Vornehmlich die Dreisigurengruppe mit dem 
Schmerzensmann tritt aus der spihbogig überwölbten Fensterösfnung, in welche sie 
hinein komponiert ist, in plastischer Rundung hervor.  Die beiden let;,terwähnten 
Blätter (B. 31 und 69) haben auch die konventionelle Zeichnung der Wolken miteinander 
gemein, die wie Wellengekräusel oder Falbelbesaß aussehen. Übrigens blieb die Wolken- 
bildung auch später eine schwache Seite von Schongauers Grabstichelkunst. Einen 
Versuch naturalistischer Behandlung zeigt die große Kreuztragung (B. 21). 
Verfolgt man Schongauers Entwickelung nun in technischer und formaler Hinsicht 
weiter, so stößt das Auge zunächst auf eine Anzahl von Blättern, welche den frühesten 
Jugendwerken in der Behandlung sehr nahe stehen, den Künstler dagegen stilistisch 
stecher, ebendas. S. 169 ff. und unter den verschiedenen, früher citierten Abhandlungen von 
Lehrs besonders dessen Verzeichnis der Sammlung auf Schloß Wolsegg, Repertorium Xl, 
S. 54 ff.  Gute Reproduktionen einiger Hauptblätter von Schongauers Stecherwerk mit Text 
von Janitscl) und Lichts-oark bietet die Publikation: Stiche und Radierungen von SchougaUk-,-, 
Dürer, Rembrandt, in heliographischer Nachbildung nach Originalen des k. Kupserstichkabinetts 
zu Berlin, Berlin 1885 ff. Vergl. auch: 0e11vre de Martin Sch0ngauer, reproc1uit et public- 
pa1- Amanr1-Dur-and. Texte par G. Dnp1essis. Paris 188:l. X
        

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