Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3953405
Stichradierung. 
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Faches wirkt, in erster Linie nnd mit selbständiger Kraft der treffliche W. Woernle, 
ferner Ludwig Hans Fischer, Theod. Alphons, J. Groh und K. von 
Siegl; an Raub in München dessen Tochter Doris Raub, ferner W. Kraus- 
kopf, E. Ra11scher, C. Th. Meyer-Basel, J. M. Holzapfel u. v. a.  Die 
meisten dieser Künstler waren und sind namentlich für die umfassenden Publikationen 
der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst (die Galeriewerke von Schwerin und Olden- 
bnrg, die ,,Graphischen Künste"  sowie für das Berliner Galeriewerk thätig, das 
neben der ÄHknnst auch dem Stich, dem Holzschnitt nnd den photomechanischen Ver- 
vielfältigungsarten Raum gewährt. Als Radierer von eigener Art hat sich bei den leh- 
teren Werken auch W. Hecht mit beteiligt. Von ihm besiHen wir ferner eine Anzahl 
meisterhafter, nach Lenbach n. a. radierter großer Bildnisse. Nicht minder selbständig 
innerhalb der geschilderten Künstlergruppen treten Peter Halm in -München, 
Hermine Laukota in Prag nnd Albert Krüger in Berlin hervor, sowohl 
durch freie Originalradiernngen, als auch durch treffliche Blätter na(h alten Meistern, 
wie sie letzterer z. B. nach Re1nbrandt, Amberger, Dürer u. a. uulängst geliefert 
hat.  Ein neuer Mittelpunkt für alle diese Bestrebungen bildet sich in Berlin 
seit der Berufung K. Koeppings (geb. in Dresden 1848) als Lehrer der ÄHkunst 
an die dortige Akademie. Der virtnose Radierer der ,,Staalmeesters" von Ren1brandt, 
des Mnnkacsy"schen ,,Christns auf Golgatha", des reizenden ,,Fron-Frou" nach Clairiu 
nnd der zarten, feingetönten Landschäftcheu nach van Beers, Corot und Jettel bietet 
in der Beweglichkeit seines bedeutenden Talents alle Bürgschafteu für die Entwickelung 
einer ins volle moderne Knnstlebeu eingreifendeu Schule. Seine Anfänge als Maler, 
seine Ausbildung durch Waltner in Paris nnd seine ganze Art, die Meister zu 
interpretieren, lassen ihn besonders geeignet erscheinen für die Begründung eines freien, 
auf Erweiterung der Technik abzielenden Knnstbetriebes.  Eine Spezialität als 
Radierer großer, historisch-romantisch kostümierter Landschaften nnd Städtebilder (wie 
Heidelberg, Meißen, Breslan u. s. w.) ist Bernhard Man11feld. 
Die jüngste Erscheinung auf dem Gebiete des Kupferstichs und der Radiernng 
ist der ZnsammenHuß der beiden früher zeitweilig getrennten Knnstarten zu dem 
eigentümlichen Doppelwesen der Stichradierung. Die Künstler, welche diese modernste 
Technik hervorgebracht haben, sind ihrer Natur nach strenge Zeichner, Grabstichelarbeiter; 
sie bedienen sich aber nicht des alten Li11ienstichs, sondern einer sreieren und zugleich 
verfeinerten Stichelführnng, und bringen auf diese Weise eine Wirkung hervor, welche 
die Reize des Stichs nnd der Radiernng miteinander verbindet. Sie gehen denselben 
Weg wie die Meister des Tonstichels unter den modernen Xylographen. Der in Berlin 
gebildete ,,Verein zur Förderung der Kupferstechkunst" hat vornehmlich diese Richtung im 
Auge.  Als das bedeutendste Talent der geschilderten Künstlergrnppe ist der jüngst 
verstorbene Karl Stanffer-Berti (1857-1891) zu bezeichnen. Er war anfangs 
Maler und als solcher Schüler von Lös"fH und W. Diez an der Münchener Akademie, 
ward später durch P. Halm in die Radierknnst eingeführt und erzielte mit derselben rasch 
bedeutende Erfolge. Nachdem er die ersten größeren,Blätter, darunter das Bildnis 
A. Menzels, mit der Nadel gearbeitet, griff er dann zum Stichel nnd führte mit 
diesem Instrument zunächst den fein dnrchgebildeten Porträtkopf seiner Mutter ans, 
dadurch den Weg zu der freien malerischen Behandlung der Grabsticheltechnik weisend, 
C. is.  .m-ei.-ks1.  H.-1;ssi.  20
        

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