Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3953318
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Z. Kupferstich und Radierung. 
Vierter Abschnitt. 
den malerischen Tendenzen der Zeit nnd kam dadurch allerdings auch wieder in die 
engste Beziehung zu den großen Stecherschnlen des Anstandes, vornehmlich zu der 
französischen. Dies gilt z. B. von den Nürnbergern K. L. Schuler und A. Chr. Reindel 
(1784-1853), dem Stecher von Dürers ,,Vier Aposteln", dann von dem Schweizer 
Friedrich Weber (1813-1882), der seine durch Amsler empfangene Bildung in 
Paris bei Forster vollendete, vor allem aber von den bedeutendsten Düsseldorfern nnd 
Berlinern. Dort stand Joseph Keller (l811-1873), hier Eduard Mandel 
(1810-1882) lange Jahre hindurch an der Spige der Schule, Keller als der geist- 
verwandte Stecher jener sanften, zartsinnigen Schöpfungen der deutschen nnd französischen 
Romantiker, eines Deger, Steinle, Ary Scheffer, und der ins Moderne, Zarte nnd 
Weiche übersehten ,,Disputa" Rafaels, Mandel als die gesundere, realistischere Natur, 
ausgestattet mit gleich feinem Sinn für die farbige Schönheit des Tizian und den Adel 
des van Dhck wie für den seelischen Reiz der Rafaelischen Madonnen. Der Unterschied 
der beiden führenden Meister ist auch in den Künstlergruppen, die sich um sie scharen, 
deutlich zu erkennen. In den älteren Düsseldorfern wiegt das christlich-germanische 
Element vor; A. Fr. Pflugfelder (geb. 18()9) und Fr. Aug. Lndy (geb.1823) 
lieferten eminente Stiche nach Overbeck und Führich, Franz Paul Mas san (geb. 
1818) schuf eine schöne Reproduktion des Kölner Dombildes; die Berliner dagegen 
hielten sich mit Vorliebe auf der modernen Bahn, suchten zu vermitteln zwischen strengem 
Stil und gefälIiger Eleganz; so Friedr. Aug. Andorsf (geb. 1819), ein Schüler 
Buchhorns, der Stecher von Drake7s Relies am Denkmal Friedrich Wilheln1s lll. 
im Tiergarten und des Lessingschen ,,Huß vor dem Scheiterhanfen"; ebenso der aus 
derselben Schule stammende Fr. Ed. Eichens (1804-1877), der dann in Paris 
unter Forster und Richomme, später in Parma unter Toschi seine Studien sortseHte, 
und ein gleich geschickter Nachbildner Kaulbachs wie der alten Jtaliener war; die 
drei hervorragendsten Schüler Mandels, Robert Trossin (geb. 1820), Louis 
Jacoby (geb. 1828) und Gustav Eilers (geb. 1834) dürfen auch ihr Haupt- 
verdienst in der glücklichen Vereinigung von Eigenschaften suchen, welche sie für die 
verständnisvolIe Wiedergabe alter wie neuer, stilistischer wie realiftischer Kunst gleich 
befähigt machen. Bezeichnend ist, daß gerade der juste-mi1ieu des Kaulbach,schen 
Jdealismus mit seinem stark modernen Beigeschmack in diesem Kreise seine berufenen 
Jnterpreten fand. 
"Neben dem französischen hat auch der italienische Knpferstich wiederholt auf das 
moderne Deutschland fördernd eingewirkt. Vornehmlich danken wir der Schule des 
gefeierten Ginseppe Longhi (1766-1831), des klassifchen Stechers von Rafaels Sposalizio, 
mehrere der tüchtigsten deutschen Vertreter des Fachs: in erster Linie den trefflichen 
Jakob Felsing (1802-1883), den Meister einer ebenso farbigen wie streng 
gediegenen Grabstichelführung, ferner den verdienstvollen Rafaelstecher Josef C-as par 
(1799-1880) und Ludwig Grnner (1801-1882), den Herausgeber mehrerer 
großer kolorierter Prachtwerke über die Kunst der italienischen Renaissance. Auch Mor iz 
Steinla (eigentlich M. Müller ans Steinla bei Hildesheim, 1791-1858), der 
berühmte Stecher des Dresdener Holbeinbildes, hat sich vornehmlich nach Longhi"s und 
Rafael Morghens Mnstern berangebildet. Ein Schüler von P. Anderloni war der 
Braunschweiger Friedrich Knolle (18()7-1877).
        

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