Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3953014
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5. Daniel Chodowiecki und die übrigen Radierer 2c. 
Dritter Abschnitt. 
Philisterhaftes. Mecha n, Kleu gel, Scheu an nnd andere sächsische Maler jener Zeit 
haben ebenfalls radiert, der erstere meistens italienische, der letztere französische Land- 
schaften, Früchte seines Pariser Auseuthaltes.-I-) Szenen des dreißigjährigen Krieges 
radierte der Meißener Christian Friedrich Kühnel (c. 1720-1792). Aber der 
frnchtbarste Dresdener ÄHkünstler der Epoche war der auch als Maler sehr produktive, 
vielgewandte Christian Wilhelm Ernst Dietrich oder Dietcricy (l712-1774), 
der Lehrer Klengels."") Er kam aus seiner Vaterstadt Weimar früh nach Dresden zu dem 
Landschastsmaler Joh. Alex. Thiele, fand schnell Anerkennung und lohnende Beschäf- 
tigung unter den Regierungen Angusts II. und III. und entwickelte als Günstliug des 
allmächtigen Ministers Brühl in der Malerei wie in der ÄZknnst eine bis ins Greifen- 
alter sortgeseHte rührige Thätigkeit, eine Zeitlang als Akademiedirektor in Meißen, später 
wieder in Dresden. Außer Deutschland hat er Holland und Italien bereist und 
namentlich durch die großen niederländischen Meister, in erster Linie durch Rembrandt, 
Ostade und van der Neer, dann aber auch durch Jordaens u. a. sich inspirieren 
lassen. Er dringt jedoch selten zu der Erfassung ihres inneren Wesens durch, ist mehr 
ein Anempfinder als Geistverwandter. Unter seinen Radierungen sind die landschaft- 
lichen Blätter die ansprechendsten. Hier hält er sich meistens an die Natur nnd weiß 
sowohl den deutschen Wald als auch die weiten, stimmungsvollen holländischen Triften 
und die Schönheiten der Campagnalandschaft und des Albanergebirges verständuisvoll 
wiederzugeben. Seine früheste Beschäftigung mit der Ätzkunst fällt in das Jahr 1728; 
holländische Motive sind es, die ihn zunächst beschäftigen; sehr viele Blätter stammen 
aus dem Anfange der dreißiger Jahre; das Datum 1743 trägt ein schönes Blatt aus 
Rom; vom Jahre 1769 sind seine leyten Blätter; auch sie zeigen römische Ansichten 
und sind mit vollendeter Meisterschaft in der leichten, freien Manier behandelt, welche 
dem Künstler in seinen besten Arbeiten eigen ist. Von den frühen Blättern seien die 
,,Flache holländische Küstengegend" (L. 118), die ,,Bauernfamilie auf dem Felde" 
(L. 119), der ,,Maler und das- Modell" (L. 59), die ,,Kanalgegeud mit der Wind- 
mühle" (L. 123), die stimmungsvolle ,,Flucht der heiligen Familie" (L. 12), von den 
späteren, künstlerisch wertvolleren die ,,Maultiertreiberherberge" (L. 123), die ,,Musi- 
kauteufamilie" (L. 77), die ,,Wanderndeu Musikanten" (L. 80), diese beiden in unsern 
Abb. 110 und 111 reproduziert, ferner der ,,Marktschrei"er" (L. 83) und die ,,Große 
Landschaft mit der Pyramide" (L. 171) hervorgehoben. Die kleineren vignettenartigeu 
Blätter veranschaulichen wir durch die in Rembrandts Art gehaltene ,,Landfchaft mit 
dem Ziehbrunuen" (L. 129) und die ,,Tierstudien" (L. 174) in unsern Abbildungen 
112 und 113. Aus den von dem Künstler hinterlasseuen Platten stellte Zingg ein 
Werk von 87 Blättern zusammen, welches zu Dresden im Verlage der Witwe erschien. 
Einige der Platten sind von Zingg fertig gemacht. Der Gesamtüberblick der Werke 
V) Auch figürliche Blätter hat Schenau radiert, und zwar, wie es scheint, in Paris zur 
Zeit großer Not. Das Titelblatt einer Folge von Kindergruppen trägt die Aufschrift: ,,Achetez 
m-es petites eaux-fo1-tes." Auf den hübschen landschaftlichen Radierungen nennt er sich ,,Heim- 
lich," wie man annimmt, aus Bescheidenheit. Vergl. Andresen, Deutsch. P.-Gr. V, 359ff. 
 J. F. Linc, Monographie der von C. W. E. Dietrich radierten, gefchabten und in 
Holz geschnittenen malerischen Vorstellungen. Berlin 1846; O. v. Scham, Chr. W. E. Dietrich 
(Aus den Papieren von Ludw. v. Schorn). Deutsches Kunftblatt, 1856, S. 29 ff.
        

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