Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3952209
206 Zweiter Abschnitt. 
6. Der Umschwung in Nürnberg. 
-Kleinmeisterxc. 
Geschmack der Zeit mag diese Dinge hervorgernsen haben; Hans Sebald hat ihm aber auch 
aufs bereitwilligste gehnldigt. Es sind nicht nur mythologische Darstellnugen ans dem 
Kreise der Venus, welche hierher, als in das ihnen znstehende Gebiet, gehören, sondern 
auch Blätter von ganz unverhülltem Natnralisnins, wie die ,,Nacht" (B. 153), auf 
denen das Nackte nur um seiner selbst willen nnd zwar mit der skrnpulösesten Aus- 
führlichkeit geschildert wird. Am Schlusse der Reihe steht die Allegorie auf das 
,,Unmögliche" von 1549 (B. 145): ein bärtiger Mann, der vergeblich sich abmüht, 
einen Baum zu entwurzeln; dabei die erklärendeu Jnschriften in deutscher und 
lateinischer Sprache. In die legten Lebensjahre fallen auch eine Anzahl schöner Stiche 
für didaktische Zwecke, vornehmlich die sauber gezeichneten, zum Teil aus italienischer 
Quelle stammenden dorischen und korinthischen Säulendetails (B. 247-253), welche 
dann unter den Holzschnitten des Nürnberger Vitruv von 1548 wiederkehren. Dazu 
kommen zahlreiche mit zartem Stiche! ausgeführte Wappen, Embleme, Becher 1u1d Qrna- 
mente, als Zengnisse der bis ans Ende fortgesetzten rührigeu Thätigkeit des Künstlers. 
Jm Ornamentstich hatte er sich schon in jungen Jahren versucht und mehrere für das 
Fach in Deutschland mnstergültig gewordene Typen (Qnerleisten nnd aufsteigende Ver- 
ziernugen) geschaffen. Ju den vierziger Jahren kam er auf diese Dinge zurück, jedoch 
auch dabei nicht mehr mit der früheren schöpferischen Kraft. Von Einfluß auf die von 
ihm gestochenen Geräte (Kandelaber, Pokale und dergleichen) erweisen sich namentlich die 
Blätter des oberitalienischen Meisters Zoan Andrea. Wir geben zur Veranschaulich11ng 
der Art des Meisters eine Auswahl aus seinen kleinen Kupfersticheu, welche namentlich 
der legten Zeit seiner Entwickelung angehören (Abb. 78-82). Der Meister wendet die 
nebenstehendeu beiden Formen der Bezeichnung an, und zwar die Namen- BE, W 
schreibung mit B etwa seit dem Jahre 1531, die mit P in der früheren Zeit. 
Hans Sebald hat sich versuchsweise auch mit dem Radieren und Ä8en auf 
Eisenplättchen beschäftigt; doch zeigt er darin, wie Dürer, kein besonderes Glück. Die 
Mehrzahl seiner geähten Blätter fällt in die jungen Jahre, so Joachim und Anna 
(B. 21), der Engel zu Joachim herabschwebend (B. 66), der Sackpfeifer (B. 195), der 
Landsknecht (B. 203) n. a. Aus dem Jahre 1540 ist noch ein später Versuch zu ves- 
zeichnen in dem Blatte ,,Die junge Frau und der Narr" (B. 148). Das beste an den 
Blättern ist die leichte, gefällige Nadelführung; der höhere malerische Reiz geht ihnen ab. 
     
S-Z. Ornan1ent mit Adler und Genicn. Kupfrrßic1) von H. S. Vch-im. 
Der jüngere Bruder, Ba rthel Beham, war das stärkere Talent von den beiden, 
wenn auch eine minder bewegliche Natur. Er beschränkte sich in seiner Thätigkeit für 
die vervielfältigende Kunst auf den Kupferstich und die Zahl der von ihm gestochenen 
Blätter übersteigt nur wenig das Drittel der Grabstichelarbeiten seines älteren Bruders. 
Aber ihr künstlerischer Wert steht viel höher als diese. Sie verraten ein ehrliches Ein-
        

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