Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3951561
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Zweiter Abschnitt. 
4. Andere rheinische Künstler. 
Auch ein Teil der Jllustrationen von Sebastian Münsters Kosmographie rührt von 
Hans Rudolf Manuel her. Die Holzschnitte tragen sein aus den Anfangsbuchstaben 
H. R. M. D. zusammengesehtes Monogramm.-I) 
Hans Leu von Zürich ist neuerdings für eine Anzahl von Holzsc)nitten in 
Anspruch genommen worden, welche das Zeichen H. I-. tragen und zum Teil früher 
dem Dürer zugeschrieben wurden.  Hans Fries von Freiburg und die übrigen tüchtigen 
schweizerischen Maler dieser Epoche sind bisher als Kupferstecher und Holzschnittzeichner 
nicht nachgewiesen; auch über manchem der gleichzeitigen Monogrammisten, z. B. über 
den Meistekn .N .H.I-F und V (B. V11, 547 ff, Woltmann, Gesch. d. deutsch. 
Kunst im Elsaß, S. 272 und Mnther a. a. O. S. 267), liegt noch völliges Dunkel. 
In der Buchillnstration wirken bis gegen die Mitte des Jahrhunderts die Holbeinschen 
Traditionen fort. Seine Holzschnitte werden immer von neuem reproduziert, von namen- 
losen Schülern nachgezeichnet nnd umgebildet. 
b. Der S-traßburger Holzschnitt bis auf Johann Wechtlin. 
Wir haben bereits am Schlusse des ersten Absc)uitts dieser Darstellung der 
Straßburger Buchillustration in Kürze gedacht. Hier muß nun etwas eingehender 
davon gehandelt werden, weil mit dem Beginne des 16. Jahrhunderts auch dort 
künstlerische Persönlichkeiten von selbständiger Kraft in die Entwickelung eingreisen. 
Die Geschichte der deutschen Kunst im Elsaß steht in altem, innigem Verba11de 
mit der schweizerischen und der schwäbischen Schule. Straßburg nnd Basel arbeiteten 
gemeinsam an dem Fortschritte des geistigen Lebens der Nation; der Humanismus 
fand hier wie dort den günstigsten Boden; die jüngeren Vertreter desselben werden 
nach Luthers Auftreten die entschiedensten Anhänger der Reformation. Das alles 
drängt zur Entwickelung des Buchdrucks und fördert zugleich die gedruckte Jllustration. 
Wir lernten Sebastian Braut in seinem Wirken für das illnstrierte Buch in Basel und 
Straßburg kennen. An ihn reiht sich Johann Geiler von Kaisers-berg, der berühmte 
Prediger am Straßburger Münster, der für seine volkstümliche Veredsamkeit in dem 
gedruckten Bilde den wirkungsvollsten Bundesgenossen erkannte und pflegte. Dazu 
kommen die Bahnbrecher der Naturwissenschaften, ein Hans von Gerßdorf und Otto 
Brnnfels, welche für ihre chirurgischen Werke nnd Kränterbücher die Hilfe des Holz- 
schnittes in Anspruch nehmen. Endlich die Satiriker im Stile des ,,Narreuschiffs," 
wie der Franziskaner Johannes Pa11li mit seinen Schwänken (,,Schimpf und Ernst" 
1522), und der pfäffifche Polterer gegen die Reformation, Thomas Murner. 
Die Straßburger Bnchdrucker haben sich dieses regen Treibens mit Erfolg zu 
bemächtigen gewußt. Neben Johann Grüninger, dessen oben (S. 81) kurz 
gedacht wurde, entwickelten besonders Bartholomäus Kistler, Matthias Hupfuff, 
Johann Knoblouch und Johannes Schott ek11e höc)ft rührige Thätigkeit in 
V) Haendtkke a. a. O. S. 115-116. 
 Pasf. P.-Gr. III, 340; Hirth u. Muther, Meister-Holzschnitte, Taf. 112 u.113. Vergl. 
auch des LeZteren Bücher-Jll. S. 225 und Vögelin, Neujahrsbl. d. Stadt-Bibliothek in Zürich, 
1873, 1879-1882.
        

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