Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3951481
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Zweiter Abschnitt. B. Hans Holbein der Jüngere. 
Grabe zu, ihm auf dem Hackbrett die Todesmelodie vorklimpernd; entseHt erhebt sich 
von ihrem Lager die Herzogin, vor sich den Tod erblickend mit seiiiem Genossen, der 
zii ihrem Ende die Geige spielt; als Helfer bei der schweren Arbeit erscheint der 
Knochenmann dem Bauer am Pfluge iind treibt sein Gespann dem fernen Dorfe zu, 
über dem die Abendsonne ihre Strahlen ausbreitet (Abb. 64). Einen versöhnenden 
Klang bringt das vorlehte Bild mit der Darstellung des Erlösers auf der Weltkugel, 
zu welchem die Auferstandenen in seliger Erwartung emporblickei1. Das Finale bildet 
,,Des Todes Zeichen", wie die mittelhochdentschen Dic)ter sagen, das Wappen des 
Todes mit griiisendem Schädel und der Sandnhr als Helmzier, links und rechts 
Mann und Frau in reicher bürgerlicher Tracht, i11 einigen Zügen an Holbein selbst 
iiiid seine Gattin erinnernd. ,,Mem01-are n0vissima" (,,Gedenck das End") lautet 
die Überschrift.  Ein bei altem Ernst echt 
  ;  menschlicher Zug durchdringt das Ganze. Nicht 
 weltferne Transscendenz, nicht wirre Phantastik 
 oder mystischer Tiefsinn gebeii dem Werke sein 
 Gepräge. Ein scharfer, lebens- nnd weltkn1i- 
-X diger Geist waltet darin; Humor uiid Satire 
  gesellen sich dazu.und reißen dem Wahn, der 
  Lüge,. dem trügerischen Schein die Masken ab. 
 Holbe1ns ,,Totentanz" ist keine religiöse Schöpf- 
    ung im strengen oder vollends im kirchlichen 
   Sinne; aber es lebt in ihm eine tief sittliche 
  "  Grundansiihauung, welche mahnend und läuternd 
    auf das Volksgemut wirken mußte. Trat fes 
 is    auch im kathojlicLcl)eQi F?1i;krkeich Zuerst ans Licht 
-  N-  und wendet i er r e er er ranzösis en 
)-N     Vorrede auch mit seiner Widmnng an die Tib- 
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zeitalters ui1d ein klassisches Denkmal deutscher Kunst. 
Den Bibelbildern und dem Totentanz gehen zwei Folgen von Jnitialen zur 
Seite, welche dieselben Gedankenreihen in geistvollen Variationen wiederholen: das 
. Alphabet mit den Bildern des Alten Testaments (Woltmann, Nr. 25) nnd das Todes- 
alphabet (ebendas. Nr. 252). Namentlich die leHteren erheben sich in der Kraft des 
Ausdrucks iind der Lebendigkeit der Schilderung womöglich noch über das Niveau 
der größeren Kompositionen nnd leiste1i in geschickter BenuHung des winzigen Ra1imes 
das Unglanblichste. Sogar die fignrenreiche Darstellung des Weltgerichts fügt sich als 
Zierbild des leHten Bnchstabens im Alphabet scheinbar ganz zwaicglos in die nur 
2!X.z Centimeter im Quadrat niessende Bildsläche ein. Die xylographische Ausführung 
dieser berühmten Jnitialen ist gleichfalls das Werk Hans Liihelburgers. 
Auch einige der schönsten Ei1izelblätter entstammen der nämlichen Zeit und 
Meisterhand. So vor allem die prächtige Titeleinfassiing für Bugenhagens Kommentar 
der Psalmen (v. J. 1524) mit ihren flott nnd breit gezeichneien Schnörkeln (Wo1t- 
mann, Nr. 212). Sodann der Bnchtitel mit der ,,Speisnng der Viertausend", ein
        

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