Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3951280
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Zweiter Abschnitt. 
 Hans Holbein der Jüngere. 
vollendeter typographischer Schönheit vor das Publikum zu bringen. Jnsbesoudere 
Froben opferte diesem Streben seine beste Kraft, selbst mit Außerachtlassung materiellen 
Gewinns. 
Das Erste, was der junge Holbein für den Holzschnitt schuf, sind Büchertitel von 
Frobenschen Verlagswerken. Der früheste davon, den wir nebeustehend reprodnzieren 
(Abb. 59), reicht bis 1515 zurück. Er schmückt das Breve Leo"s X. an Erasmns, 
dessen Vorrede von Beatns Rhenanus das Datum des 31. Dezember jenes Jahres 
trägt, nnd kehrt dann in verschiedenen Büchern ans dem Verlage Frobens wieder 
(Woltmann 11, 193). Die Abbildung überhebt uns der Notwendigkeit, die reizvolle 
Komposition ausführlich zu beschreiben, welche in allen Einzelheiten der mit Feftous 
geschmückten und von übermütigen kleinen Genien 11mspielten Architektur, des Posei- 
donischeu Frieses am Sockel, der schön nnd klar angeordneten Schrift, den reinen Geist 
der Reuaissauce atmet. Und zwar jener jugendfrischen, lebensvolleu Frührenaissance, 
wie sie eben Hans Holbein in der deutschen Kunst eingebürgert nnd für alle Zweige 
des dekorativen Schaffens, von der großen Wand- und Glasmalerei bis zu den Fein- 
arbeiten der Juweliere und der Waffenschmiede, zum herrschenden Stile der Zeit 
erhoben hat. Die ganzen elf Jahre seines ersten Baseler Aufenthalts hindurch ist 
Holbein für den Buchschmnck und Bilddruck beschäftigt gewesen. An die Büchertitel, die 
Raudleisten, Schlußvignetten, Jnitialen nnd Signete reihen sich seine Bilder aus 
dem Volksleben, seine satirischen Flugblätter, dann die Bilder zum Alten nnd zum 
Neuen Testament, endlich als die Krone des Ganzen der Totentanz: das alles als 
die Frucht einer unermüdlich thätigen und inuerliO bewegten Jugendzeit, in welcher 
wir den Künstler sämtliche geistigen Wandlungen jener Epoche mit durchmachen nnd 
in seinen Schöpfungen wiederspiegeln sehen. 
Bevor das Wichtigste derselben uns im einzelnen beschäftigt, ist hier zunächst ein 
Wort über die xylographische Ausführung der Holzschnittwerke Holbeius am PlaH. 
Man bemerkt leicht, daß dieselbe eine sehr ungleichartige ist. Manche Blätter sind 
recht flüchtig und ungeschickt geschnitten. Von der besprochenen ersten Titelverzieruug 
sagt Woltmann mit Recht, daß ihr Schnitt ,,zur Freiheit des Entwurfs in Gegeusah 
steht. Die ausführende Hand vermochte nur mit Mühe der Vorzeichnung zu folgen 
nnd war des Schneidemessers nicht immer Herr." Die Ansicht, daß der Zeichnet" selbst 
den Schnitt ausgeführt habe, welche namentlich C. Fr. v. Rumohr"-) mit Eifer ver- 
trat, darf seht auch für Holbein als beseitigt erachtet werden. Dem Künstler standen 
zunächst nur die verhältnismäßig untergeordneten Kräfte zur Verfügung, welche für die 
Buchausstattung der Baseler Qsfizinen bisher gearbeitet hatten. So tüchtig dieselben 
auch sein mochten, verglichen mit den derben Haudwerksmeistern anderer Städte, den 
hohen geistigen Anforderungen des jungen Holbein vern1ochteu sie nicht gleich voll- 
kommen gerecht zu werden. Erst durch sein Eingreifen erstarkte ihre Kraft, und endlich 
gelang es dem Meister, in Hans LüHelburger einen Holzschneider zu gewinnen, 
der auch den höchsten Ansprüchen seiner Zeichnung nachzukommen verstand. Wir 
werden ihn vom Jahre 1523 an im Verein mit Holbein in Basel thätig finden. 
V) Hans Holbein der Jüngere in feinem Verhältnis zum deutschen Formschnittwesen. 
Leipzig 1836. Die weitere Litteratur f. bei Woltmann I, 189, Note 2.
        

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