Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3950903
118 ZWskkEV Absc)Uikt- 2- Kaiser Maximilian und feine Jlluftratoren. 
in deren geistigen Zusammenhang und in den Organismus der bei ihrer Ausführung 
beteiligt gewesenen Kräfte vollen Einblick verschafft. Der Kaiser hat sich mit der 
Grundidee des Ganzen die legten zwei Decennien seines Lebens hindurch unausgeseHt 
beschäftigt und in allen Stadien der Arbeiten direkten Anteil daran genommen. V) 
Er wählt zuerst die Gelehrten, welche den Stoff zur Ausführung seiner Ideen herbei- 
schaffen, das Jllustrationsprogramm aufstelIen, die Texte schreiben. Nach der Ge- 
nehmigung des Programms durch den Kaiser werden dann von diesem einzelne Künstler 
zur Anfertigung von Miniaturbildern aufgefordert und hiernach das Ganze auf seine 
malerifche Wirkung hin geprüft. Die Gelehrten verhandeln schließlich mit den Malern, 
welche die endgültigen Vorlagen für die Holzschnitte zeichnen. Diese stimmen mit den 
ursprünglichen Skizzen und Miniaturen oft durchaus nicht überein. Man sieht, daß 
die Künstler wohl ftofflich an die Vorschriften des Kaisers und seiner Ratgeber gebunden 
waren, sich aber in Stil und Ausdruck frei bewegen konnten. So entstand die Reihe 
von Meisterwerken der Holzschneidekunst und des Bnchdruckes, welche in ihrem cyklischen 
Zusammenhange den Kaiser und sein Geschlecht zu verherrlichen bestimmt waren, und 
uns jeHt durch die vereinten Kräfte moderner Wissenschaft und Reproduktionskunst in 
verjiingter Gestalt endlich abgeschlossen vorliegen. 
Den historisch-lege11darischen Hintergrund des Ganzen bilden die Genealogie und 
die Heiligen aus der ,,Sipp-, Mag- und Schwägerschaft" des Kaisers Max-imilian, 
leHtere gewöhnlich kurzweg die habsburgischen oder die österreinhischen Heiligen genannt. 
Die Persönlichkeit des Kaisers selbst erscheint sodann zuerst verherrlicht im ,,Freydal." 
Ju der poetischen Umschreibung einer Minnefahrt zur Maria von Burgund werden 
uns hier die verschiedenen ritterlichen Spiele, Turniere und Mummereien geschildert, 
welchen Maximilian beigewohnt hatte. Daran schließt sich ferner im ,,Thenerdank" die 
poetische Beschreibung von ,,Maximilians Hochzeitsfahrt nach Burgund," hierauf im 
,,Weißkunig" des Kaisers Lebens- und Regierungsgeschichte, endlich im ,,Triumph" 
die Verherrlichung seiner Thaten durch die ,,Ehrenpforte," sein und seines Hauses 
Ruhmesdenkmal, und ein allegorischer ,,Triumphzug," dessen Mittelpunkt der ,,Triumph- 
wage11" des Kaisers bilden sollte. 
Eine große Anzahl sränkischer und schwäbischer Meister war mit der Anfertigung 
der BilderfiilIe dieser Werke beschäftigt. Man hatte bis vor kurzem über die Be- 
teiligung derselben an den einzelnen Stücken des Gesamtwerkes nur höchst lückenhafte 
und vielfach irrige Vorstellungen, welche die neueste Forschung wenigstens in den 
Hauptpunkten berichtigt hat. Es lassen sich jeHt von den wichtigsten Werken die Zeichner, 
von vielen auch die Holzschneider mit Sicherheit nachweisen. 
Bd. VI. den Weißkuvig- von Alw. Schuld, Bd. VII die Geueq1ogie, Bd. v11I den T1)euexd.2uk 
von S. LüskhkSEV- Bd. X NTc)kkägS zur Genealogie von Th. Frimmel. Diese großartige 
Publikation des Oberstkämmereramtes St-. kais. und kön. Apostol. Majestät wurde vom Grafen Franz 
Crenneville gegründet und wird gegenwärtig vom Grafen Ferdinand Trauttn1ans-dorff weiter- 
geführt. Die Reduktion der Bde. I-VII1 leitete Q. v. Leitner, von Bd. IX. an H. Zimekmkm, 
Dazu kommt noch der bereits 1880-1882 als besondere Publikation erschienene Freydal, von 
O-. v. Leitner. Das Ganze ist ein Ehrendenkmal der Dynastie und der modernen Wissenschaft. 
V) Thausing, Dürer, 2. Aufl. I, 294 hat es wahrscheinlich gemacht, daß Maximiliqn 
bereits 1500 Jacopo de" Barbari und Anton Kolb vorzugsweise deshalb in seine Dienste nahm, 
um sie mit größeren Holzschnittpublikationen zu betrauen.
        

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