Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes
Person:
Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3950659
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Zweiter Abschnitt. 
1. Allgemeines. 
Die Werke Albrecht Dürers. 
Tonabstufung findet sich keine Spur. Die nicht seltenen trüben, fleckigen Stellen steigern 
noch die Unklarheit der meisten dieser Drucke. Sie bilden den geraden GegensaH zu 
der blanken MetalIwirkung von Düres vollendeten Kupferstichen. 
Als technische Spezialität ist schließlich der sogenannte Degenknopf (B. 23) hier 
anzureihen, ein Rnndbildchen von minutiöser Feinheit mit der Darstellung des Ge- 
kreuzigten zwischen Maria und Johannes, welches Dürer guter Überlieferung zufolge 
für den Kaiser Maximilian in Gold gestochen hatte und das von diesem als Schmuck 
seines Schwertknaufes oder nach einer anderen Überlieferung als Hntzier getragen worden 
sein soll. Da die Inschrift über dem Gekrenzigten auf den außerordentlich seltenen 
Abdrücken des Plättchens umgekehrt erscheint und auch Maria nnd Johannes neben 
dem Kreuze nicht ihre üblichen Plätze einnehmen, so ist es evident, daß die Graviernng 
ursprünglich nicht zum Abdruck bestimmt, sondern als Niello gedacht war, von welchem 
Dürer nur für sich und seine Freunde einige Probeabdrücke genommen haben  
Das nur etwa gnldengroße Plättchen (37 Millimeter im Durchmesser) ist ganz mit 
dem Grabstichel ausgeführt, ein Wunderwerk an Feinheit in allen Details der um 
das Kreuz versammelten Figuren, ihres Kostüms, der Waffen nnd sonstigen Zuthaten. 
Die Entstehung des in seiner Art einzig dastehenden Werkes-V) dürfte in das Jahr 
1518 fallen. 
Der ganze, höchst persönliche Charakter von Dürers Kunst und Technik macht es 
von vornherein sehr wahrscheinlich, daß der Meister häufig den Druck seiner Platten wie 
seiner Holzstöcke selbst besorgt hat. Er wird die Pressen im eigenen Hause aufgestellt, 
die Zurichtung, die Mischung der Farbe, die Ausführung des Druck-S unter seiner 
steten Aufsicht gehabt haben. Ohne dieses unmittelbare Eingreifen des Künstlers 
wäre der hohe Grad von Vollendung unerklärlich, welchen die frühen Drucke der 
Dürerschen Werke trog der Unvollkommenheit der damaligen Druckerpressen zeigen. 
Die vier großen Holzschnittfolgen, deren Druck im Jahre 1511 zum Abschlusse ge- 
langte, die Apokalypse, das Marienleben und die beiden Passionen, tragen sämtlich am 
Schlusse die Bezeichnung: ,,Impress11m N11rnberge per Albertum Dur(-Er pict0rem," 
wie schon die erste Ausgabe der Apokalypse die gleiche Adresse in deutscher Sprache 
geführt hatte. Hinzugefügt si11d Drohungen gegen betrügerische Kopie und Nachdruck 
unter Berufung auf das vom Kaiser Maximilian dem Künstler erteilte Privilegium. 
Dürer hat die drei großen Bücher in chronologischer Folge der Stoffkreise (Marien- 
leben, Passion, Apokalypse) zusammengeheftet ausgegeben. Eines dieser höchst selten 
gewordenen Exetnplare besiHt das königl. Kupserstichkabinett zu Berlin. Auch andere 
Werke, z. B. den ,,Triumphwagen" (B. 139), bezeichnet Dürer selbst als ,,von ihm 
erfunden, gerissen und gedruckt." 
Nach damaliger Sitte war der Künstler jedoch nicht nur sein eigener Drncker, 
sondern besorgte auch zugleich den geschäftlichen Vertrieb der von ihm geschaffenen 
Werke, war mit anderen Worten anä) sein eigener Verleger und Kunsthändler. Er 
V) S. den wichtigen Brief Dürers an den Freund Lnthers, Georg Spalatin, in der öffent- 
lichen Bibliothek zu Basel, mitgeteilt von Ed. His-Heusler, Zeitschrift f. bildende Kunst, I1I, 7 ff., 
und W. Boeheim, Repertor. f. Kunstwisf. III, 276 ff. 
 Über zwei andere, dem Meister ebenfalls zugefchriebene Niellen, den kleinen -Heil. Hiero- 
nymus in der Wüste" (B. 62) und das ,,Parisurteil" (B. 65) f. Thaufing a. a. O. I1, 74, 1.
        

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