Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3948390
Die Landschaften: der Düsseldorfer Schule. 
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kreis seiner Diisseldorfer Jugend zurück: Ritter, Lanzknechte, Räuber brachte er mit Vor- 
liebe an. Der männliche Realismus seiner Landschaftssc;ilderung, der doch nichts mit 
der Vedutenmalerei zu thun hatte, kam auch seinen Historienbildern zu gute. Schon 
seine Kreuzfahrer atmen geschichtliche Stimmung (Karlsruhe, Kunsthalle); und durch 
seine Hußbilder (Hussitenpredigt 1836, Huß vor dem Konzil 1847, Huß auf dem 
Sc-heiter-hausen 1850) hat er die Leistungen der realistischen Geschichtsmalerei Münchens 
sicher übertroffen. Da ist dramatische Spannung, frisch gestaltende Charakteristik, Und 
selbst ein Schein von Leidenschaft. Seine Disputation Luthers mit Eck 1867, sein Hein- 
rich V. vor dem Kloster Prüfening 1844 sind dagegen schon etwas Kostümmaskerade. 
Die Lessingfche Richtung in der Landschaft wirkte heilvoll auf die Düsseldorfer Schule 
zurück. Zunächst wurde Joh. Wilh. Schirmer aus Jülich (1807-1863) von ihm 
angeregt; nur hat dieser auf die Stimmung, die sich auch im Ton der Farbe aus- 
drückt, ein stärkeres Gewicht gelegt. Dann allerdings machte eine Reise nach Italien 
den Künstler der realistischen Richtung abwendig. Seine 26 in Kohle gezeichneten 
Landschaften in der Düsseldorfer KunsthalIe (mit biblischer Stasfierung), seine vier 
Ollandfchaften mit der Geschichte des barmherzigen Samariters in der Kunsthalle in 
Karlsruhe, dann die zwölf Landschaften mit der Geschichte Abrahams in der Berliner 
Nationalgalerie sind die Hauptdenkmäler aus seiner zweiten  stilisierenden  Periode. 
Er wurde der Ausgangspunkt einer glänzenden Landschafterschule in Düsseldors, deren 
gefeiertste Vertreter Andreas Achenbach (geb. 18  5) und Oswald Achenbach (geb. 1827) 
geworden sind. Andreas Achenbach hat die glänzende Technik Schirmers zu ge- 
räuschvolIer Effektmalerei gesteigert, doch vertragen die von ihm gewählten Motive 
 seine Welt sind die nordischen Küsten  diese äußerste Steigerung technischer 
Mittel; Oswald Achenbach hat, im Gegensatz zu den Klassizisten, statt der Formen 
der italienischen Landschaft, deren Licht- und Luftphänomene zum Gegenstand seines 
Studiums und zum Ausgangspunkt seiner lauten Wirkungen gemacht. 
Wenn Lessing durch seine knorrige Mä11nlichkeit die fade Gefühlsromantik und 
kokette Sentimentalität der Schule überwunden hatte, so fehlten namentlich unter 
den jüngeren Vertretern derselben nicht ganz jene, welche sich entweder durch fröhliche 
Laune oder durch tiefere Auffassung des wahrhaft Volkstitmlichen über den Bannkreis 
der Schule erhoben. So ist Adolph Schrödter aus Schwedt (geb. 1805, starb zu 
Karlsruhe 1875) als Satiriker der Sentimentalität und Romantik seiner Genossen zu 
Leibe gegangen (Die tranerndeu Lohgerber verspotten Beudemanus trauernde Juden 
TM Exil) und er hat dann in Bildern wie die Rheinweinprobe (Berliner National- 
galerie) oder in dem von ihm auf Stein gezeichueten Arabeskenfries die fröhlichen 
Wirkungen des Weins mit echtem Humor geschildert. Seine ,,JlIustration" ging die 
gleichen Wege. Der Don Quichotte, die lustigen Weiber von Windsor haben keinen 
besseren Dolmetsch als ihn gefunden. Neben Schrödter ist Joh. Peter Hasenclever 
(1810-1853) zu nennen, dessen erste Bilder an Kortums Jobsiade sich anlehnen. 
Das ernste realistische Sittenbild, in welchem die Stimmung auklingt, die das Jahr 
1848 vorbereiten half, fand in Karl Hühner (t814-1879) einen allerdings von 
ZahInheit und Sentimentalität nicht freien Pfleger. Solche Bilder sind die 
Skhlefifthen Weber (1845) das Jagdrecht, die Auswanderer (1846), die Pfändung(l847). 
Auch das Bauernleben, selbst mit Betonung bestimmter provinzieller Eigenart, fand
        

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