Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3948387
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Deutsche Malerei. 
IX- Neues Leben. 
einflußreiche Rolle spielen sollten. Sein ,,Krieger und sein Kind" (1832, in der Berliner 
Nationalgalerie) eröffnete die große Reihe der Bilder mit ,,des Kriegers Abschied" und 
-,des Kriegers Wiederkehr", in welchen der ,,Künstler" nicht auf den Kennerblick, sondern 
nur auf die Sentimentalität des Philisters spekuliert. Noch größere Popularität genoß 
Karl Sohn (1805-1867), der unter der Flagge großer Dichtungsnamen seine 
süsslich saden Frauentypen in die Welt gehen ließ, so seine beiden Leonoren, seine Julia, 
seine Donna Diana, seine Loreley U. s. w. oder seine individualitätslosen Schönheiten 
auch in ganzer Nacktheit preisgab, wie in der Diana im Bade, im Urteil des Paris, 
im Raub des Hylas (Berliner Nationalgalerie). Christian Köhler (1809-1861) 
hatte seine Frauencharaktere mit Vorliebe der Bibel entlehnt, so z. B. in der Findung 
Mosis,(Museum in Königsberg), Hagar mit Jsmael (Städt. Sammlung in Diifsel- 
dorf), in der Semiramis (Berlin, Nationalgalerie). Heinrich Mücke (geb. 1806) hat 
Biblisches, Romantisches, Klassifches und Hiftorisches gestaltet; sein populärstes Bild war 
St. Katharina von Engeln bestattet (Berlin, Nationalgalerie). Das Gleiche gilt von 
Julius Hühner (18()6-1882), von dem das ,,goldene Zeitalter" als sein technisch 
vollkommenftes Bild hervorgehoben sei (Galerie in Dresden, eine Wiederholung in der 
Be7;iner Nationalgalerie). Den Versuch, geschichtliches Pathos zum Ausdruck zu bringen, 
ma te Eduard Bendemann (geb. zu Berlin 1811), aber auch bei ihm wird 
das Tragische zum Triften; er ist Lyriker, aber kein Dramatiker. Seine bekanntesten 
Bilder: die trauernden Juden im Exil (1832, im Kölner Museum), sein Jeremias auf 
den Trümmern von Jerusalem (1834, im BesiH des deutschen Kaiser-s), die Weg- 
führung der Kinder Jsraels in die babylonifche Gefangenschaft (1872, Berliner Na- 
tionalgalerie), alle drei Variationen eines und desselben Stoffes, beweisen dies. Sinn für 
Formen- und Frauenschönheit  besonders seine Frauen sind von einschmeichelndem Reiz 
 eine hohe Stufe der Vollendung in der Zeichnung und malerischen Technik haben 
neben dem sentimentalen Inhalte den Erfolg dieser Werke begründet. Jn dem Werke, 
welches Bendemann am längsten beschäftigte, in den stereochromifchen Wandgemäldeu 
in zwei Sälen des königl. Schlosses in Dresden, mit gefchichtlichen und mythologischen 
Darstellungen, ist es nur der Kinderfries, der durch Verbindung von Formenschönheit 
mit frischer, reich sprudelnder Erfindungsgabe dauernd zu fesseln vermag. Das männ- 
lichste Talent der Schule war Karl Friedrich Lesfing aus Breslau (geb. 1808, 
starb zu Karlsruhe l880). Es war wohl etwas von seinem Großonkel Gotthelf Ephraim 
Lessing in seinem Talent, das ihn in Gegnerschaft zu dem Schwächlichen, Affektierten, 
Unwahren seiner Schule brachte. Er begann wie seine Genossen mit Jllustrationen 
(Trauerndes Königs-paar, Leonore) und Kloster- und Räuberromantik (Klosterhof im 
Schnee, der Räuber und sein Kind); dann aber führte ihn die Natur aus diesem 
Gestaltenkreis heraus, im ernsten, strengen Studium der Landfchast fand er den Weg 
zUI1x CharaktervolIen und Markigen. Seine Eifellandschaft in der Berliner National- 
gCkeM- Welche Eine Reihe solcher Landschaftsbilder eröffnete, ist das erste Werk dieser 
UeUeU Periode- Scharf und bestimmt aus geologischem Verständnis heraus sind die 
"F:JVMCU des-.,Bodens, der. schroffen Felsenwände wiedergegeben; Felsengen, nieder- 
 desd Bergwaldes fkk)ilderte er mit besonderer Vor- 
    
        

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