Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3941128
56 Deutsche Malerei. III. Unter der Herrschaft lat.-karoling. 1"lberlieferung. 
,,Auch war keine Kunst, die er nicht versuchte, wenn er sie atra) nicht bis zur 
Vollkommenheit sich aneignen konnte. Nicht nur in unserem Münster (Hildesheim), 
sondern an verschiedenen Orten richtete er Schreibstuben ein, so daß er eine reich- 
haltige Biichersammlung, sowohl göttlicher als philosophischer Schriften zusammenbrachte. 
Die Malerei aber und die Skulptur und die Kunst, in Metallen zu arbeiten und 
edle Steine zu fassen nnd alles, was er nur feines in dergleichen Künsten ausdenken 
konnte, ließ er niemals vernachlässigen, so daß er auch an überseeischen und schottischen 
Gefäßen, die der königlichen Majestät als besondere Gabe dargebracht wurden, das, 
was er selten und ausgezeichnet fand, zu nü1z,en wußte. Er führte auch talentvolle, 
vorzüglich begabte Knaben mit sich an den Hof oder auf längere Reisen und trieb 
sie an, sich in allem dem zu üben, was in irgend einer Kunst als das würdigste 
sich darbot. Außerdem beschäftigte er sich mit musivischen Arbeiten zum Schmuck 
der Fußböden und versertigte auch Dachziegel nach eigener Erfindung ohne irgend 
eine Anweisung." 
Die Leistungen der Malerei dieser Periode liegen wie zur Karolingerzeit auf dem 
Gebiete der eigentlichen Wand- und Buchmalerei. Die Tafelmalerei ist wenig und 
nur in roher Art geübt worden, wie sich aus den Andeutungen des früher erwähnten 
Theophilus schließen läßt. Das Mosaik trat als Wandschmuck zurück. Italien, das 
für diesen Zweig der Malerei dem Norden die Lehrer gesandt hatte, sah ja auf 
eigenem Boden diese Technik in solchem Maße in dieser Zeit verfallen, daß es Meister 
aus Bt)zanz herbeirufen mußte, um die alte Technik wieder aufleben zu machen. 
chon die altchristliche Basilika forderte für die Apsis und die 
F Oberwände des Mittelschiffes malerischen Schmuck. Die ro- 
manische Kirche, welche nur eine durch ethnographische und 
Lc " liturgische Einfliisse bedingte Entwickelung der römischen 
Basilika ist, hat wie diese für die breiten Wandflächen der 
C C Z ( Dekoration dringend bedurft. 
N " Kein Wunder, daß wir von zahlreichen großen Bildercyklen 
 F  hören, welche gleichsam eine monumentale Bilderbibel im Jnnern 
 -  der Kirche anfrollen sollten. Leider nur hören! denn elementare 
   Ereignisse nnd der Wandel des Kunstgeschmackes haben gleich- 
 viel dazu beigetragen, die monnmentalen Zeugnisse des ersten 
s) Aufschwunges deutschen Kunstgeistes, persönlichen Ruhmes- 
Aus dem Autiphonc-: dranges und religiösen Feuereifers zu zerstören. Doch ein groß- 
 artiges, Denkmal der Wandmalerei vom Ausgang des zehnten 
g"  Jahrhunderts ist durch die Pietät der Gegenwart für das Thau 
und Sinnen der Vergangenheit wiedergewonnen worden: das sind die Wandgemälde in 
der kleinen GEVVgskiVThC zU ObCtzekl auf der Reichenau."-) Dieser eine Cyklus ist aber 
 Die Wandgemälde in der Georgskirck)e wurden erst vor wenigen Jahren durch den 
PfAVVVt"VWEfeV FeEdEkke UND! der TÜUc)e entdeckt. Eine muftergültige Publikatio11 verdanken wir 
Prof. Krau-Z. Vgl. die Wandgemälde der St. Georgskirche zu Oberzell auf der Reic)enau, auf- 
genommen von F-r. Beer, herausgegeben von Fr. Kraus. Freiburg i.XB., 1884.
        

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