Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3947676
Deutsche Malerei. V1l1. Der Verfall: Virtuosen und Akademiker. 
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deshalb in allen Manieren, je nachdem der Geschmack der Auftraggeber es forderte. 
An Akademien hatten sie schon sorgsame Lehre empfangen, so führten sie ihre Kunst- 
stücke vielfach mit größerer Sicherheit, aber auch zahmer und trockener als die Virtuosen 
aus. Den Zwecken solcher Bilder entsprechend mußte das Geschichtsbild hier zum Ge- 
schichtsbildchen werden, doih die Vorliebe für bestimmte galante Motive der Geschichte 
und Mythologie ließ diese ÜberseHnng in das ,,Geurc" -der Ausdruck Sittenbild wäre 
hier nicht am Plage  leicht zu. Die Neigung für ,,genreartige" Auffassung war in 
dieser Zeit ja überall aufgetreten, aber sie mußte sich doch am stärksten da äußern, wo 
die Bedürfnisse des religiösen Kultus nach eigentlichen And-achtsbildern nicht vorhanden 
waren. So hatte Johann Heinrich TischbeitI d- A. (geboren 1722 zu Hqina, 
gest. zu Kassel 1789), ursprünglich ein Schüler des van Loo, dann aber in Jtalien, 
besonders unter Piazetta gebildet, solche gElkhkEhkkkhe GeUVebilVEV gElThAfikU, so z. B. 
Augustus bei der sterbenden Kleopatra, Antonius zum Tode verwundet bei Kleopatra; 
dann mhtholo-gis(-he wie Jupiter und Kallisto, Acis und Galatea n. s. w. sämtlich in 
der Galcrie in Kessel (Nr. 653X56); doch auch eigentliche ,,Sittenbilder" malte er, 
so zwei kneipende Männer und eine Frau, das Blumen1nädchen  beide im Museum 
in Kassel (Nr. 668 und 670). Von den etwas leeren, wenn auch gut gemalten 
Bildnissen seien des Malers Selbftbildnis im Museum in Kasse! (Nr. 677), das 
Bildnis eines Landgrafen von Hessen in Schleißheim (Nr. 751) und das sitteubildlich 
angeordnete Porträt einer vornehmen Frau im Museum zu Weimar genannt (Nr. 52). 
Gewandter aber noch als Tischbein, flinker in der Arbeit, dabei freilich von noch 
geringerer Jndividualität sind SeekatH und Dietrich. Johann Konrad SeekaH, 
ein Pfälzer (geboren zu Griinstadt 1719), arbeitete als Hofmaler zu Darmftadt, wo 
er auch 1768 starb. Am öftEfteU al)mte er die Niederländer nach, besonders in seinen 
eigentlichen Sittenbildern; in seinen biblischen Darstellungen ist manchmal der ita- 
kjeuiskh.e Einfluß deutlich erkennbar. Auf den ersten Blick haben seine Bildchen etwas 
Gefälliges, Ansprechendes, dann merkt man freilich, daß der Maler in der Nach- 
ahmung über Änßerlichkeiten nicht hinauskatn, daß er besonders den Niederländern 
gegenüber in der Charakteristik leer, in der Farbe roh ist. Von biblischen Bildern, 
die meist als Beleuchtungsstiicke behandelt sind, seien erwähnt der Olberg in der 
Darmstädter Galerie (Nr. 49), die Verleugnung Petri im Wein1arer Museum (Nr. 50); 
in Bildern wie Christus vor Pilatus, Bose liom0, Kreuzigung (Darmsiadt Nr. 50 
bis 52) zeigt sich deutlich der Einfluß italienischer Vorbilder, von religiöser Empfindung 
mangelt darin natürlich jede Spur, besser von der Hand gehen ihm bil1lisii)e Motive 
von der Art, Joseph und Potiphar (Museum in Mainz Nr. 228). Verhältnismäßig 
am besten sind seine eigentlichen Genrestücke, so das Dreikönigspiel, die Eierausnahme, 
Kinder am Brunnen, der Geiger, ein Baechanal, sämtlich im Museum in Darmftadt 
(Nr.   und die Beleuchtungsstücke  das Mädchen mit brennender Kerze, 
der Knabe mit dem Hund (bei Spanbeleuchtung), im Städelschen Jnftitut in Frankfurt 
(Nr. 373, 374). Chr. Wilh. Ernst Dietrich wurde in Weimar 1712 
geboren; er starb als sächsischer Hofmaler in Dresden 1774. Seit 1735 nannte er 
sich Dietricy. Seine Bilder sind außerordentlich zahlreich, das Schweriner Museum 
allein besitzt von ihm achtundfünfzig Bilder, die k. Galerie in Dresden dreiundfiinfzig. 
Und da hört man es in allen Zungen singen, wie man denn auch diesen Tausend-
        

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