Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3947440
Adam El-8heimers Leben; die Werke seiner Frühzeit. 
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besiHers Löb bei Hamm, endlich das Bildnis einer vornehm gekleideten Frau mit 
derben Gesichtszügen in der Sammlung Weber in Hamburg. Der jüngste Bruder 
Heribert hat in der Werkstatt Hermanns gearbeitet; selbständige Werke seiner Hand 
sind nicht bekannt. Ein Sohn Hermanns, Nikolaus to Ring, hat in handwerks- 
mäßiger Weise und in einem Stil, der wie der Spätstil seines Vaters zwischen 
Naturalismus und Romanismus richtungslos schwankte, die Thätigkeit seines Vaters  
und Großvaters in das 17. Jahrhundert hinein fortgeseHt."-) 
Die Spätzeit des 16. Jahrhunderts und die erste Zeit des 17. haben aus- 
schließlich dem italienischen Einfluß sich untergeordet; im 17. Jahrhundert muß sich 
dieser mit dem niederländischen in der Herrschaft teilen. Doch bevor die Thätigkeit 
der Virtuosen kurz charakterisiert wird, ist der einzige echte Künstler zu würdigen, 
welchen die Geschichte der deutschen Malerei dieses Zeitraums aufweist. Das ist 
Adam Elsheimer. Auch er entwickelte sich unter fremden Einflüssen, aber seine 
künstlerische Begabung war genug stark und reich, um jene Einflüsse zu meistern und 
Werke zu schaffen, welche durch ihren persönlichen Charakter geschichtlich bedeutsam 
wurden und durch ihre künstlerischen Vorzüge eine unbedingte, von der Zeit unabhängige 
Geltung gewannen. Adam Elsheimer wurde als der Sohn eines wohlhabenden 
Schneiders zu Frankfurt a. M. im März 1578 geboren. Sein erster Lehrer in der 
Malerei war Philipp Uffenbach. Ufsenbach (1566-1639) war kein hervorragender 
Künstler, doch ein Mann von umfassender Bildung, nicht ohne gelehrte Neigungen, 
und, was seine künstlerische Art betrifft, in der deutschen Vergangenheit wurzelnd. 
Hans Grimmer, der Schüler Grünewalds, war sein Lehrer gewesen; dazu schloß er 
sich mit großer Pietät an Dürer an. Seine Begabung war nicht sehr stark. Große 
Kompositionen, wie die Himmelfahrt Christi im Städtisihen Museum in Frankfurt, 
fallen etwas leer aus; aber auch aus seinen kleinen Bildchen gewinnt man die Über- 
zeugung, daß er sein Bestes erst unter dem zurückwirkenden Einfluß seines höher be- 
gabten Schülers geleistet hat. Der Vergleich seiner Verkündigung in der k. k. Galerie 
in Wien (Nr. 1729) mit der später (1619) entstandenen Anbetung der Könige im 
Prehnschen Kabinett des städtischen Museums in Frankfurt beweist dies. In der 
feinen Farbenstimmung, in der sorgfältigen Durchführung schließt sich das leHtere 
Bildchen unmittelbar an Werke Elsheimers dieser Art an. Nicht lange nach bestandener 
Lehrzeit trat Elsheimer die Wanderschast nac) Italien an. Sicher befand er sich 
bereits 1600 in Rom und dem römischen Aufenthalt scheint ein wenn auch nur kurzer 
Aufenthalt in Venedig vorausgegangen zu sein.") In Rom verheiratete sich der 
 Über die Familie To Ring vgl. Jan sen in der Zeitschrift für bildende Kunst XII. (1877) 
S. 255 ff. und viel eingehender J. B. Nordh off in Prüfers Archiv für kirchliche Kunst IX. 
(1885) S. 81 ff. und X. (1886) S. 2 ff. Über andere westfälis(he Maler und Gemälde aus der 
Spätzeit des 16. und dem 17. Jahrhundert vergl. J. B. Not-dhoff a. O. X. S. 19 ff. 
M) Kaum dürfte Adam Elsheimer eine selbständige Werkstatt in Frankfurt eingerichtet haben. 
Juvenel soll allerdings 1597 zu ihm in die Lehre getreten sein; aber der Nürt1berger Paul 
J11venel war mit Elsheimer gleichalterig (geboren 1578) und so konnte er höchstens als Gehilfe, 
nicht aber als Lehrling in seiner Werkstatt gearbeitet haben. Doch diese Nachricht ist auch schlecht 
verbürgt  weder Lipowski a. O. S. 137 noch Gwinner a. O. S. 94 geben ihre Quelle an  
und ebenso weist kein Zug in Juvenel-Z Arbeiten (es sind meist große Allegorien, so das Deckendild 
im Ratssaal in Nürnberg mit dem Kaiser, umgeben von den Personifikationen der Regententugenden; 
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