Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3947216
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VII. Das Zeitalter Dürers und Holbeins. 
Deutsche Malerei. 
HauptdarstelIung. Einen großen Altar mit der Anbetung der Könige besitzt von dem 
Meister das Museum in Antwerpen. 
Jn Westfalen tritt im Vergleiche zu Köln der niederländische Einfluß stark 
zurück; daß er nicht ganz fehlt, ist selbstverständlich, da ja auch hier die realistische 
Richtung des 15. Jahrhunderts gleich im Anfang einen innigen Anschluß an die 
niederländische Kunstweise gezeigt hatte. Jmmerhin bleibt man bis zu einem bestimmten 
Grade selbständig, wobei freilich auch eine Reihe provinzieller Züge bewahrt wurden. 
Die Charakteristik hat etwas Breitspuriges, Derbes, die Färbung ist kräftig, aber 
bunt, der Auftrag besonders für Schmuck und Zierrat pastos. Meister ersten Ranges 
fehlen and) jeHt in Westfalen, und vielfarl) mußten die "kÜUfkkEVkfT1)EII Bedürfnisse von 
auswärts aus befriedigt werden. Ja den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts 
war Dortmund in den Vordergrund getreten; es scheint damals an Stelle Münsters 
der Mittelpunkt der naturalistischen Richtung gewesen ZU fein- Hier UäMIkc) Makel! 
die Brüder Heinrich und Viktor Dünwegge 1521 das große Triptychon für 
die Dominikanerkirche (jeht katholische Pfarrkirche), nicht das beste, aber doch tem- 
peramentvollste Werk, welches in jener Zeit in Westfalen entstand. Auf dem Mittelbild 
ist die Kreuziguug dargestellt, auf den inneren Seiten der Flügel die heil. Sippe 
und die Anbetung der Könige, auf deren Außenseiten acht Dominikanerheilige, vor 
einem Teppich stehend, hinter welchem eine spätgotische Bogenhalle den Durchblick 
in die Landschaft des Hintergrundes freiläßt. Die Künstler zeigen deutlich, daß sie 
unmittelbar aus der Richtung, wie sie ungefähr Koerbecke im 15. Jahrhundert vertrat, 
emporgewachsen waren. Die Komposition ist überladen, die Gruppierung ohne Klarheit, 
die Charakteristik derb, bei den Frauen erscheint oft ein Typus, der dem auf Bildern 
Wolgemuths sehr ähnlich ist: das Gesicht nämlich zeigt ein nach unten zugespilz,tes 
Oval mit hoher Stirne, Augenbrauen, die seitwärts etwas herabgezogen sind, kleiner, 
aber mit etwas geblähten Nüftern verfehener Nase; der Mund mit vorgewölbter 
Unterlippe ist leicht geöffnet, was dem Gesichte einen Zug anmutiger Sinnlichkeit giebt, 
das kräftige Kinn zeigt ein großes flaches Grübchen. Hände und Beine sind mager, die 
Bewegungen ungelenk. Die Färbung ist kräftig; ein tiefes Blau, ein kräftiges Grün, 
ein gedän1pftes Rot machen sich besonders bemerkbar; in der Gewandung wiegen 
buntgemusterte Stoffe vor. Derbe Kraft ist das eigentliche Kennzeichen des ganzen 
Werkes. Der ausgeprägte persönliche Charakter des Dortmunder Altars läßt den 
beiden Künstlern noch mehrere andere Werke mit voller Sicherheit zuweisen. So 
zunächst ein Kreuzigungsbild in der Sammlung des Kunstvereins in Münster in W. 
(Nr. 101), und an gleicher Stelle die aus Rheinsberg (südlich von Calcar) stammenden 
Tafeln der Geburt Christi und K-reuzigung (Nr. 140, 141), dann die sehr figuren- 
reiche Kreuzigung in der Münchener Pinakothek (Nr. 63), welche in der Komposition 
die gleichen Schwächen wie die auf dem Dortmunder Altar aufweist; eine Beweinung 
Christi und Christus vor Pilatus im Germanischen Museum (Nr. 38 und 136), ein 
aus der Nikolaikirche zu Calcar stammender Altar in der Galerie zu Antwerpen, eine 
Predella mit den Halbfiguren von Christus und sechs Heiligen in der Nikolaikirche 
zu Calcar und das Gerichtsbild des Rathause-s von Wesel zeigen gleichfalls in der 
Formengebung und in der Färbung die Handzüge der beiden Meister. Die Thätigkeit der 
Dünwegge hat sich weit über ihre Heimat hinaus, bis an den Rhein und über den Rhein
        

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