Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3946978
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Deutsche Malerei. VIl. Das Zeitalter Dürers und Holbeins. 
(z. B. im Sippenbilde), ist dieser mit großer Zartheit und Genauigkeit ausgeführt; 
der Himmel ist nicht mehr in Gold, sondern im Naturton angegeben. V) 
In künstlerischem Zusammenhang mit dem Meister der heiligen Sippe sind 
der Meister des Bartholomäusaltars, doch wird dieser nicht aus einem 
Lehrverhältnis zu erklären sein, da ja beide Künstler ungefähr gleichaltrig waren. 
Der Meister des Bartholomäusaltars hat sich nicht bloß aus der kölnischen Rich- 
tung heraus entwickelt, sondern außerdem auch oberrheinischen Einfluß, wohl sicher 
nur durch die Stiche Schongauers vermittelt, auf sich wirken lassen. Kein Zweifel, 
daß er hochbegabt war, er befindet sich auch im Besihe völliger Herrschaft über die 
Technik, aber sein Geschmack ist merkwürdig verbildet, in feinen Heiligengestalten ist 
die religiöse Hingenommenheit, die mystische Verzückung, die keusche Grazie der alt- 
kölnischen Schule zum koketten und auch wieder hysterisch erregten Frommthun vor- 
nehmer Betbrüder und Betschwestern geworden. Wie nnangenehm ist gleich sein 
Frauentypus! Der Schädel ist sehr stark entwickelt, dementsprechend die leicht- 
gewölbte Stirne überhoch und breit, die Augenlider schwer, die Nase gerade und 
schmalrückig, der Mund zierlich, die Oberlippe voll, und noch wie von einem Lächeln 
leicht gekräuselt; bezeichnend für den Meister ist der übergroße Zwischenraum zwischen 
Mund nnd Nase, das Kinn hat ein flaches Grübchen. Die Hände find schlank, die 
Finger sehr lang, an der Spihe klobig verbreitert. Das leise Lächeln der Frauen 
auf altkölnischen Bildern, hier in der That das Erglänzen einer in himmlische Träume 
verlorenen Seele, ist bei den Frauen des Meisters des Bartholomäusaltars ein geziert 
verschämtes Lächeln geworden und diese Geziertheit unreifer, aber ganz weltlicher 
Naturen ist auch den Bewegungen eigen. Die Männer find eingehender charakterisiert, 
doch fehlt auch ihnen der Ausdruck gesammelter innerer Kraft, und in ihrer befangenen 
Art, ihrer koketten Sentimentalität erinnern sie vielfach an Peruginos verweichlichte 
und dabei oft recht leere Männergestalten. Die Formen seiner Figuren sind schlank, 
bei den Frauen etwas schwächlich. Die Frauen sind durchaus in die elegantesten 
Kostüme vom Beginn des 16. Jahrhunderts gekleidet. Die Gewandbehandlung ist 
bei ihm etwas besser als beim Meister der heiligen Sippe; die Falten sind nicht so 
gehäuft wie dort, von rundem, doch etwas scharfem Bug, wie es der Struktur der 
schweren Woll- und Damaststoffe entspricht. Die landschaftlichen Hintergründe sind 
in Anbetracht der Zeit auffallend gut entwickelt, und selbst der Lustperspektive wurde 
von dem Künstler Rechnung getragen. Vollendet ist die Technik des Künstlers. Die 
Farben sind emailartig verschmolzen und wirken auch noch heute mit ungeschmälerter 
Kraft: Gold, Rosa, Grün, Blau vereinigen sich, bei im ganzen kühler Stimmung, 
zu einem heiteren Akkord. Das Fleisch ist in einem matt-gelblichen Ton mit grauen 
Schatten und hellen Lichtern modelliert, wozu noc) zarte Lasuren treten. Diese sorg- 
fältige virtuose Behandlung des Fleisches läßt ihn jene Weichheit -erzielen, welche die 
Jtaliener ,,morbidezza" nennen. Die Thätigkeit des Künstlers fällt in den Anfang 
des 16. Jahrhunderts; zahlreich sind die vorhandenen Werke nicht, da nun aber die 
persönliche Art des Meisters sehr leicht zu erkennen ist, so darf man voraussehen, 
daß ein früher Tod sein Tagewerk beschränkte. 
-k)Fbildung des Altars der heiligen Sippe bei Förster, Denkmale XI1.  Über den 
Meister der heiligen Sippe Scheibler im Repertorium für K. W. VII, S. 57-ö8.
        

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