Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3946540
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Deutsc)e Malerei. VII. Das 8eitalter Dürers nnd Holbeins. 
sorgsam er das Schlachtbild in Bezug auf stossliche Treue vorbereitete, so bekommt 
man Achtung vor seiner G:-ündlichkeit, aber man vermutet auch, daß ihm die eigent- 
lich schöpferische Kraft und der Schwung der Phantasie mangelte. Das bestätigen 
auch die Bildnisse, auf welche das Urteil über den Künstler heute ausschließlich ge- 
wiesen ist. V) Am bekanntesten wurde sein Bild Zwinglis, das er allerdings erst nach 
dem Tode des Reformators malte (Zürich, Stadtbibliothek); aus dem Jahre 1549 
stammt das Bild der Tochter Zwinglis, der Regula Gwalter mit ihrem fiebenjährigen 
Töchterchen (ebenda); aus dem Jahre 1538 besiht das Künstlergütli in Zürich die 
Bildnisse des Herrn Esther, des Landvogts Holzhalb und der Frau des Holzhalb, 
die Hund und Katze auf dem Schoß hält. Dem Jahre 1549 EUt5k0U1U1t das lebens- 
große Bild des Feldhauptmanns Fröhlich und dann dessen Brustbild als Gegenftijck 
zu dem seiner Frau (in Solothurn); aus dem Jahre 1560 rührt das Bildnis des 
Peter Martyr Vermigli her, der seit 1556 Professor der Theologie in Zürich war 
(South Kenfington Museum, Nat. Porträt Gallery). Von nicht bezeichneten Bildnissen, 
die mit mehr oder minderem Recht Asper zugewiesen werden, sei hier abgesehen. 
Die Auffassung des Hans Asper erinnert trog der vorgeschrittenen Zeit an die Bild- 
nismaler des 15. Jahrhunderts. Er zeichnet bestimmt und sorgfältig, aber seine Um- 
risse sind hart und bei eingehender Modellierung fehlt seinen Formen doch die Run- 
dung. Mehr Nutzen hat er von dem malerischen Fortschritt des 16. Jahrhunderts 
gezogen; öftere Anwendung von Lasuren giebt seinem Kolorit, das im ganzen einen 
lichten Ton zeigt, etwas Transparentes, Lenchtendes. Seine beiden Söhne Hans und 
Rudolph waren gleichfalls als Bildnismaler thätig, und manches Werk, das die Über- 
lieferung mit dem Namen des Vaters verband, mag diesen angehören. W) 
Wie die Schweiz haben auch die österreichischen Alpenländer keine Meister im 
sechzehnten Jahrhundert hervorgebracht, welche kräftige Spuren in der Entwicklungs- 
geschichte der deutschen Malerei hinterlassen hätten. Tirol ging auch jeHt wieder 
voran, aber ein Meister von der Gewalt des Michael Pacher fehlte dem sechzehnten 
Jahrhundert. Im übrigen blieb die künstlerische Richtung  besonders bei der 
Pusterthaler Schule  in Kraft, welche von Pacher ihren Ausgang genommen hatte: 
F) Ein großes Altarbild mit der Anbetung der Könige im Münster in Konstanz wurde 
vor kurzem auf Grund des Monogramms für Hans Afper in Anspruch genommen (Kunstchronik 
xx1II, 1888, Sp. 673). W 
Die Komposition ist sehr gedrängt, die Verhältnisse der Figuren sind eher gedrungen als schlank. 
Die Männer sind breitnackig, kurzhalsig; auch Maria ist von sehr kräftigen vollen Formen. 
Die breiten Köpfe sind sehr fein modelliert. Den Hintergrnnd bildet Trümmerwerk, aus welchem 
eine Baumkro11e emporragt. Oben Engelsglorie. Das Kolorit ist sehr vorgeschritten, im ganzen 
von tiefer Haltung; das kräftige Helldunkel ist nur nicht klar genug für die Deutlichkeit der 
Formen. Die Fleischfarbe ist braun mit violetten Schatten. Ein künstlerischer Zusammenhang 
zwischen diesem Bilde und den Bildniffen Aspers ist nicht vorhanden. Wenn der Maler des 
Konstanzer Bildes dem Hans Asper an Feinheit des Formensinns nicht voraus war, so war er 
ihm doch weit in der weichen Model1ierung, in der malerischen Behandlung voraus; man 
möchte eher auch hier an einen Augsburger oder an einen Künstler der Bodenfeeschule denken. 
H) Über Hans Asper vgl. WoltInanns und Vögelins Artikel in Mehers Künstlerlexikon 
I1, S. 331 ff.
        

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