Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3945740
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Deutsche Malerei. 
VII. Das Zeitalter Dürers und Holbeins. 
Hintergrund; die Charakteristik ist aber derber, der Ausdruck der Empfindung nn- 
gezügelter, als dies auf echten Altdorferfchen Bildern der Fall ist. V) 
Das künstlerische Bild Altdorfers wird auch durch feine Stiche, Holzschnitte und 
Handzeichnnugen ergänzt, ohne daß freilich erheblich neue Züge gewonnen würden, 
Nur der Reichtum seiner Stoffwelt wird deutlicher: die Bibel nnd die antike Mytho- 
logie, die Geschichte und das Leben der Straße regten ihn in gleicher Weise an; nnd 
bezeichnend ist es, daß er auch eine zehnblätter1"ge Folge reiner Landschaften radiert hat. 
Das Gewaltige, Großartige fehlt aber auch in seinen Stichen nnd Holzschnitten, 
und das Phantastische weicht bei ihm einer gewissen liebenswürdigen Romantik. Seiner 
Neigung für kräftige Lichtwirkung trug er auch in Stichen und Holzschnitten Rechnung, 
am stärksten aber in seinen ausgeführten Handzeichnnngen: die Blätter sind dunkel- 
farbig grundiert, und darauf ist dann die Zeichnung hell mit spihem Pinsel aufgetragen 
nnd mit kräftigen weißen Lichtern versehen. Von solchen Blättern seien erwähnt: 
eine Anbetung der Könige, ein Herkules mit dem Löwen, Ritter und Dame zu Pferd, 
ein Olberg  sämtlich im königl. Knpferstichkabiuet in Berlin. 
Ein unmittelbarer Nachfolger Altdorfers war Michael Osteudorfer. Wahr- 
scheinlich war er Schwabe von Geburt, doch schon 1519 ist er als Meister in Regens- 
barg nachgewiesen; hier starb er auch 1559. Zeitlebens kämpfte er mit der Not; 
seine Lebensführung trug daran viel schuld, doch auch seine Begabung war nicht 
angethan, ihm glänzende Aussichten zu erschließeu. Er hat nur Äußerlichkeiten, Licht- 
und Farbeneffekte, Altdorfer abgesehen; im übrigen aber hinderte ihn Phautasielosigkeit 
nnd Mangel an künstlerischer Abklärung, sich Altdorfer mehr zu nähern. Sein Haupt- 
werk ist der Altar, den er von 1553-1555 für die Pfarrkirche in Regensburg malte 
(jeHt in der Sammlung des historischen Vereins in Regensburg) mit der Anssendung 
der Apostel auf dem Mittelbilde, dann der Geschichte der Sakramente der Taufe und des 
Abendmahls (Beschneidung, Taufe Christi, Taufe als liturgische Handlung  Passahfest, 
Abendmahl und Ausspendung des Sakraments in doppelter Gestalt) auf den inneren 
Seiten, der Verkündigung, Geburt Christi, Kreuzigung und Grableguug auf den äußeren 
Seiten der Flügel. Verworrene Komposition, rohe Charakteristik, aufdringliche Nach- 
ahmung von Lichtwirkungen im Sinne Altdorfers lassen es nicht zu, dieses Werk höher 
als provinzielle Durchschnittsarbeit zu fchähen. So verlohnt es sich nicht, die nicht 
seltenen Bilder Ostendorfers in Regens-burg, München, Schleißheim herzuzählen; 
höchstens sei bemerkt, daß einzelne Bildnisse von ihm trotz, derber Mache durch die 
lebensvolle Auffassung ein gewisses Interesse beanspruchen, so das Bildnis eines 
Mannes von 1533 mit der Devise: ,,Wer wais was geschieht- in der Sammlung des 
V) Das stofslich interessante Bild ,,Der Sieg des Kreuzes über den alten Vnnd" (oder symbo- 
lisc)e Darstellung des ll1. und IV. Kapitels der Ap0ftEkgEic)kc)te, wie der Katalog es bezeichnet) in 
der k. k. Galerie in Wien (Nr. 1426), das der neue Katalog als Altdorfer einführt, erinnert 
nur in feinen phantastischen Bauten an Altdorfer. Im übrigen aber weist seine ganze Mache, 
die ungewöhnlich freie, aber auch derbe Art der ModelIierung (derb ausgefeHte blaue, braune 
Schatten, weiße Lichter im Fleische), die kühne, nachlässige Art der Zeichnung von Altdorser 
ganz weg. An Grünewald freilich kann auch nicht gedacht werden, schon die Zeit der Ent- 
stehung weist über diesen hinaus, dann aber auch malerische Zahmheiten, wie z. B. die stumpfe 
Glorie Gott Vaters. Eher wird man an einen Nürnberger Künstler aus der Gefolgschaft Dürers 
denken dürfen.
        

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