Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3945511
Hans Baldungs Leben und Lehrgang. 
399 
Mächtiger als in Aschaffenburg, wo des Künstlers Wohnort war, zeigte sich fein 
Einfluß am Oberrhein wirksam, vermittelt wahrscheinlich durch sein Meisterwerk in 
Jsenheim. Hier aber tritt dies wiederum bei keinem Künstler deutlicher hervor, als 
bei Hans Baldung, genannt Grün. Die Familie Valdung stammte aus 
Schwäbisc) Gmünd, er selbst wurde zu Weyerstein am Turm bei Straßburg geboren. 
Sein Vater ist wahrscheinlich jener Johann Baldung, der im legten Jahrzehnt des 
fünfzehnten Jahrhunderts ,,Causarun ecc1esiasticar11m Arg-ent. jin-at-. procm-ator", 
also fürstlicher Rechtsbeiftand und Sachwalter war. Sein Bruder Kaspar war seit 1502 
Lehrer an der Artisten-, später Juriftensakultät der Universität Freiburg und ebenso 
bekleideten andere Verwandte hervorragende öffentliche Stellungen. Es wird also nur 
das energische Talent des Knaben gewesen sein, das den Vater bestimmte, ihn der 
Malerei zu widmen. Das Geburtsdatnm Hans Baldnngs liegt zwischen 1475 und 
1480. Es ist vorauszusehen, daß er seine Lehrjahre in der Werkstatt eines Straß- 
hat einen Pseudo-Grünewald in die Litteratur eingeführt. Tüchtige Kenner haben in neuer 
Zeit die hervorragendsten der Werke dieses Pseudo-Grünewald als Jugendwerke des Lukas Crauach 
in Anspruch genommen. (So Woermann in der Geschichte der Malerei II., S. 419 sf., Scheibler 
und andere). Der Verfasser hat trotz eingehender wiederholt vorgenomme11er stilkritifcher Prüfung 
sich dieser Annahme nicht anschließen können. Schon äußere Gründe sprechen dagegen. Die 
ganze Gruppe dieser im Kreise Albrechts 1I. entstandenen und hier nachgewiesenen Werke 
fällt nicht in die Jugendzeit Cranachs, sondern in die Jahre 1520-1530. Die ganze 
Reihe der in diesem Jahrzehnt entstandenen Werke Cranachs, die durch sein Monogramm 
als solche gesichert sind, trägt nun aber einen ganz verschiedenen Charakter. Jhr künst- 
lerischer Wert steht erheblich unter dem jener Gruppe. Dann fragt man aber auch, warum 
soll Cranach gerade seine Meisterwerke nnbezeichnet gelassen haben, während er die 
große Mehrzahl sowohl seiner eigenhändigen, als auch die Werkstattarbeiten, in wessen 
Auftrag immer sie entstanden, mit seinem Zeichen versah. Wenn der Hallische Altar schon 
im 17. Jahrhundert als Werk Cranachs angeführt ward (Zeilerus, Itiner. Ge1-1naniae 1632, 
S. 114. Vgl. G. Schönermark, Bau- und Kunstdenk1näler der Provinz Sachsen N. F. I. Stadt 
Halle und der Saalkreis 1886, S. 81 ff. Schönermark nimmt das Hallefche Altarwerk für 
Grünewald selbst in Anspruch, wovon keine Rede sein kann), so hat dies nichts zu bedeuten, 
da der Name Cranach für Sachsen der klangvollste und eine Art KolIektivbegrisf geworden war. 
Wer wird-im 17. Jahrhundert stilkritische oder kunstgefchichtliche Kenntnisse in Deutschland suchen! 
 Sandrart hat das Bild der Bamberger Sammlung als Cranach bezeichnet  ohne irgend 
einen zureichenden Grund anzuführen. Das sächsifche Wappen mochte ihn dazu verführen, aber 
das sächsische Wappen kommt auch aus dem Wappenfchilde Albrechts und auf für ihn h(-rgeftellten 
Arbeiten vor. (Man vgl. das Hallische Heilthumbuch, ed. Hirth Nr. 27). Eingehender wird 
darüber im Abschnitt über Cranach zu handeln sein. Anführen möchte ich nur schon hier, daß 
Schuchardt, der ein ganzes Menschenalter dem Studium Eranachs widmete, weder den Hallischen 
Altar noch das Bamberger Bild als Werke Cranachs gelten ließ. Die AuseinanderseHung 
zwischen Cranach und der Aschaffenburger Schule ist noch lange nicht abgeschlossen; ernster als 
bisher, wird dem von Albrecht beschäftigten Künstlerkreise nachzuforschen sein. Daß infolge der 
Doppelstellung des Albrecht als Erzbisc)of von Magdeburg und Halberstadt ein lebendiger Verkehr 
der unter Cranach blühenden Wittenberger Schule mit den von Albrecht vom Ober- und 
Mittelrhein herangezogenen Künstlern stattfand, ist einleuchtend. So zeigt die Staffel des 
Altars in der Marktkirche zu Halle mit den vierzehn Nothelfern die charakteristischen Züge 
der künstlerischen Handschrift der Schule Cranachs. Cranach selbst wurde ja von Albrecht 
wiederholt mit Aufträgen bedacht, aber Afchaffenbnrger Künstler haben doch im Vordergrund 
gestanden. Solches gegenseitige Nehmen und Geben macht dann natürlich die Abrechnung 
besonders bei Künstlern biegsamerer Individualität sehr schwer.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.