Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3944976
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V1I. Das Zeitalter Dürers und Holbeins. 
Deutsche Malerei. 
Leidenschaft, wie sie der Katastrophe dieser Tragödie römischer Frauentugend ent- 
spräche, fehlt gänzlich.-T-) 
Entwürfe für Bilder, die häuslichen Andachtszwecken dienen sollten, fehlen nicht; 
erwähnt seien nur die köstliche leicht aquarellierte Federzeichnung einer Maria selbdritt 
von 1514 bei Mitchel in London, und die weiß gehöhte und getufchte Federzeichnung 
einer heiligen Familie von ca. 1516 im königl. Kupferstichkabinett in Berlin. Hier 
und dort mischt sich ein unschuldiger sinnlicher Reiz der Form mit ebenso zarter wie 
tiefer Empfindung. Eine schöne Modellftudie zu einem Marienkopf auf dünner Lein- 
wand befiht die Nationalbibliothek in Paris. 
Von Bildnissen dieser Periode ist das bedeutendste das Wolgemuts von 1516 
(München, Pinakothek Nr. 243). Es ist ein geistvoll aufgefaßtes, sorgfältig gemaltes 
Bild, das Dürers selbst ganz würdig ist. Einen noch höheren Genuß gewährt freilich 
die Kreidezeichnung dazu in der Albertina; einige feine individuelle Züge, welche der 
Kreidezeichnung die ganze Wärme des Lebens geben, so der nicht angestrengte, leichter 
vor sich hin sinnende Blick der Augen, der freundliche Zug um den Mund fehlen 
dem Bilde; hier ist der Blick strenger geworden, der Mund hat etwas Geknisfenes, 
wie es dem zahnlosen Munde der Greise eigen, erhalten. Doch welcher Künstler ver- 
möchte die ganze Wärme und Reinheit der Naturempfindung, die dem Entwurfe eigen, 
dem in langwieriger Arbeitsführung entstehenden Werke zu erhalten? Und gerade am 
Bildnis vermag man am genauesten jede Minderung an Lebensenergie und Lebens- 
wahrheit nachzurechnen. Gleichfalls aus dem Jahre 1516 rührt das Bildnis eines 
Mannes in mittleren Jahren in der Galerie Czernin in Wien her und ungefähr in 
die gleiche Zeit fällt das sehr ruinierte Brustbild eines Mannes in der Pefther 
Landesgalerie (Nr.162). Im Jahre 1519 entstand dann das Bildnis des Kaisers 
Maximilian in der kaiserlichen Galerie in Wien (Nr. 1529); damals war der Kaiser 
schon tot, aber die Kohlezeichnung, welche dem Bilde als Vorlage diente, hatte Dürer 
in Augsburg während des4Reichstages am 28. Juni 1518 nach dem Leben gemalt: 
,,Das -ist Kaiser Maximilian, den hab ich Albrecht Dürer zu Augsburg hoch oben aufs 
der Pfaltz, in einem kleinen Stüble kunterfeyt, da man Hält 1518 am Mondag nach 
Johannis Täuffer," schrieb Dürer zu der Zeichnung (sie befindet sich in der Albertina), 
die troH der Eile, mit der sie entstand, eine der größten Meisterleistungen Dürers 
auf dem Gebiete der Porträtierkunft ist. Auf dem Bilde erscheint der Kaiser in 
purpurroter Schaube mit Zobelbefatzz,. An breiter Kette hängt das Goldene Vließ 
an der Brust herab. Der Kopf ist mit einem schwarzen Barett bedeckt, unter welchem 
das ergraute Haupthaar hervordringt und zu beiden Seiten voll her-abfällt. Das 
gleiche Verhältnis herrscht hier zwischen Entwurf und Durchführung, wie bei -dem 
Bilde Wolgemuts: feine individuelle Züge des Entwurfs werden im Bilde zu derben 
physiognomifchen Eigenheiten. So tritt viel stärker als im Entwurfe auf dem 
Bilde die Unterlippe hervor, wodurch ein Zug hochfahrenden Stolzes in den Aus- 
druck kommt, der dem Kaiser nicht eigen war und den auch Abgesehen von der 
Kohlezeichnung der Holzschnitt nicht zeigt. Von BildUifsEU dieser Zeit- die nur 
 Studien für den ganzen Körper und den Arm mit dem Dolth III der AkbEkU11lI- Eil! 
besonderes Studium für den Kopf im British Museum.
        

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