Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3940770
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Deutsche Malerei. 
II. Jm karolingifchen Zeitalter. 
Großen fallen, so seien auch diese zunächst erwähnt. Den Anspruch, auf Aleuin 
selbst zurückzngehen, machten früher vier Bibeln: Die in der Vallicelliana in Rom, 
eine im British Museum (Add. Ms. 10546), die Vnlgata in der Bamberger Stadt- 
bibliothek (A. I. 5) nnd die in der Kantonalbibliothek in Ziirich. Die Londoner 
Bibel ist zwar ein Werk der Srhreibstube von Tours, aber erst zur Zeit Karls des 
Kohlen entstanden, auch der Glaube an den aleninischen Ursprung der Bibel der 
Vallicelliana ist nicht mehr unerschüttert; und da die Aleuinbibel der Züricher 
Kantonalbibliothek nur orna1nentalen Schmuck besitzt, so bleiben nur die Darstellungen 
der Bamberger Bibel zu besprechen übrig. Sie erläutern Szenen aus der Geschichte 
des ersten Elternpaares, nnd sind auf einem Blatte nnd zwar in vier Abteilungen, 
welche durch Bänder mit Goldsihrift voneinander gesondert sind, vereinigt. Es ist nicht 
unwahrscheinlich, daß diese Art von Anordnung ans jetzt nicht mehr nachzuweisende 
altdhristliche biblische Bilderchroniken oder Bildertaseln znrtickgeht, die wieder von den 
antiken Bilderchroniken oder Bildertafeln, deren Existenz gesichert ist, znrückgingen.-I-) 
Der erste Streifen zeigt die Erschafsung Adams nnd der Tiere  was letztere betrifft, 
so werden das Schwein, der Elefant, das Ka1nel, der Hirsch, der Storch, der 
Kranich kenntlich charakterisiert. Der zweite Streif führt die Schöpfung Evas vor, 
dann den Siindenfall und die Scham des ersten Elternpaares. Im dritten Streifen 
erscheint Gott als Mahner, dem dann die Vertreibung aus dem Paradiese folgt. 
Jm vierten Streif endlich sehen wir die Folgen der Sünde. Adam bearbeitet den 
Boden, Eva wartet den nachgeborencn Seth, und zwischen beiden Hergängen erscheint 
die Darstellung des Brudermords. Die Figürchen haben eine Höhe von ca. 3 Zenti- 
meter, sämtlich sind sie rot vorgezeichnet und dann wechselnd in Gold und Silber 
ausgeführt  nur einmal haben Bäume eine grüne Farbe erhalten. Die Zeichnung 
ist im ganzen geskhickt, nur im Detail nicht sicher. Neben diesen biblischen Dar- 
stellnngen finden sich noch in gleicher Technik Medaillons, darunter das Alcnins, 
welche in der Wirkung an die Darstellungen der Goldgläser erinnern. Die Orna1nentik 
ist reich und steckt voll von antiken Motiven. So erscheinen in Blattnnirahmnngen 
nicht bloß Flechtwerk nnd Rankenwerk, sondern nach Art der Füllungen antiker 
Pilaster Vögel, Lampen, Leuchter u. s. w. Auch die Füllungen der Bogen der 
bereits reicher ausgestatteten Kanonestafeln gehen auf den antiken FormenschaH 
zurück. Der Jnitialenschmu(k ist im ganzen einfach  meist Band- und Ranken- 
ornament, doch einmal erscheint bereits ein gebilderter Jnitial, ein O, in dessen Reif 
auf silberne1n Stuhle die ,,s0phia sEa" sitzt (fol. ll37) und später (fol. 399  ein 
P, das den letzten Läuterungsprozes3 der n1erowingischen Tierornamentik vor Augen 
führt: der Bogen des P endet in einen Tierkopf, der einen Blumenstrauß hält, auf 
welchem ein Vogel siyt. 
Das sind die Denkmale der Buchmalerei aus Karls des Großen Zeit  unter 
seinem unmittelbaren Einfluß oder für ihn entstanden. Man wird die große Ent- 
haltfa1nkeit in der Darstellung von .Hergängen, welche dem Leben nnd der Lehre 
-I) Diese Vermutung ist von Springer in seiner Abl1andlung über ,,Die Genesisbilder in 
der Kunst des früheren MkktEIAkkEks" (LSipzig, Hirzel, 1884) zuerst ausgesprochen worden  
und zwar in Beziehung auf die Illustration des Ashburnham-Pentateuch. Es scheint mir, daß 
sie auch durch die karolingisihe Buchmalerei Bestätigung erhält.
        

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