Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3944361
304 Deutsche Malerei. VI. Neue Wege zu alten Zielen. 
oberrheinischen Schule Fühlung hatte, so tritt der oberrheinische Einfluß ganz deutlich 
zu Tage in dem Votivbilde, das Jörg Rottal Freiherr zu Talberg (bei Graz) 1505 
malen ließ (Graz, landschastl. Gemäldegalerie). Es stellt Maria mit dem Kinde, um- 
geben von der heiligen Katharina nnd der heiligen Barbara, dann zwei anderen Frauen, 
die wohl de: S:iftekfemikie angehören- dar. Die eckigen, mageren Formen (besonders 
des Eheistuskindes), die scharfen Umrisse, der gehönfte knittrige Faltenwurf weisen aus 
einen Künstler, dem die Art Schongauers nicht fremd geblieben war. Nur die Färbung, 
heskmdeks das k,1asse Jnkarnat mit den grauen Schatten, entspricht dem Charakter der 
Dnrchschnittsleistungen der Salzburger und der Wiener Schule. 
In Steiermark reicht der Deukmälervorrat nicht ans, um auf Lokalschulen von 
bestimmt ausgeprägten Eigentümlichkeiten schließen zu dürfen; dagegen ist dies in 
Tirol in hohem Maße der Fall, wie schon früher angedeutet wurde. Es ist ja richtig, 
die Lage Tirols zwischen dem Süden Deutschlands und dem Norden Italiens erleich- 
terte die Zuführung vieler fortschrittlicher Elemente von hier und dort. Aber die Art 
der Verarbeitnng solcher Einflüsse, die Thatsache, daß bei aller genauen Abrechunng 
immer noch ein bedeuteuder Rest von Eigenem blieb, der bedeutend genug war, um 
auf die künstlerische Entwickelung blühender süddeutscher Schulen wieder zurückzuwirken, 
bezeugt, daß hier nicht bloß rauhe Kraft fremde Einflüsse überwand, sondern daß auch 
von Haus aus das Auge seine bestimmte Stellung zur Natur gewonnen hatte. Manches- 
Werk ist zu Grunde gegangen oder doch verschollen, wie z. B. die Altäre, welche 
Ulrich Feist von Laudsberg (am Lech) für das Kirchlein St. Maria unter der Linde 
auf dem Georgenberge bei Schwaz (1476) und für die Pfarrkirche von Schwaz (1502) 
gearbeitet hatte, immerhin reicht die Zahl der noch vorhandenen Werke aus, das Bild 
glänzender Entwickelung zu zeichneu."-) Wenn einmal der Denkmälervorrat gründlicher 
gesichtet sein wird, als es bis jeHt der Fall ist, werden sich schon für das fünfzehnte 
Jahrhundert zwei geschlossene Künstlergruppen sondern lassen: die Jnnthaler und die 
Pusterthaler. Soviel aber darf man jetzt schon als erwiesen betrachten, daß im fünf- 
zehnten Jahrhundert die Pusterthaler Schule mit Bozen als Mittelpunkt der Jnnthaler 
mit Jnnsbruck an Wert und Zahl der Leistungen bedeutend vorausging. Aus der 
Jnnthaler Gruppe ragt in dieser Zeit nur jener Hans Mueltscher aus Jnnsbruck 
hervor, der den Hauptaltar der Pfarrkirche zu Sterzing malte und 1458 aufstellte. 
Die Bilder der Flügel  der Schrein enthielt SchniHwerk  die jeht im Rathaus 
von Sterzing aufgestellt sind, führen Ereignisse aus dem Leben der heiligen Jung- 
frau und Passionsfzenen vor. Die Darstel1ungeu aus dem Leben Mariens, die als 
Eigengut des Meisters selbst angesprochen werden können, ziehen durch Schlichtheit 
und Reinheit der Empfindung an; daß er aber auch erschütternder Kraft fähig war, 
beweist der Tod Mariens. Die Reinheit der Zeichnung, die Einfachheit, der Adel 
des Faltenwurfs legen nahe, daß der Künstler mit Ausläufern der Schule Giottos  
denen er aber an Natursinu voraus ist  viel mehr Fühlung hatte, als mit den 
Leistungen oberdeutscher Sihnlen. Derber ist die Ausführung der Passionsszenen, 
welche die Außenseite der Flügel bedeckteu; einzelne Züge von echter Großheit fehlen 
auch hier nicht, doch ist die Charakteristik hier anfdringlicher, die Komposition infolge 
V) Chronik des Benediktinerftiftes St. Georgenberg-Fieci)t. Jnnsbruck 1874 S. 145.
        

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