Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3944280
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Deutsche Malerei. V1. Neue Wege zu alten Zielen. 
er zweifellos mit Augsburg nnd namentlich mit der von Padua augeregten Pusterthaler 
Schule in Berührung getreten. Die Derbheit der Charakteristik der Münchener Ge- 
nossen besaß er, aber er verband damit einen monumentalen Zug; bezeichnend in 
letzterer Beziehung sind die Alniosenspendung und Petrus in Kathedra in der Petri- 
kirche, in ersterer aber die Büttel in der Stänpung (National-Museum) und die Wächter 
in der Befreiung Petri (Petrikirche). Mit seinen Landsleuten teilte er auch die rück- 
haltlose Natürlichkeit der Empfindung. In der Stäupung Pauli z. B. zeigt der Heilige 
weder ergebungsvolle Ruhe noch Ekstase, sondern man sieht gleichsam das Zucker! des 
x-Utek1-getroffe1ien Körpers und hört die Sch1nerzensschreie des Mundes. Er erzählt 
lebendig, nicht ohne starkes dramatisches Pathos, doch -wird dabei seine Komposition 
nicht verworren. Anffällig ist die Freude des Künstlers an perspektivisch schwierigen 
Aufgaben; die äußerst gelungene Verkürzung des niederstürzenden Simon Magus 
(Natioual-Museum), die des sich herunterbeugenden Ephesiers, der den Korb mit dem 
heil. Paulus vom Dache niederläßt, weisen aus die Leistungen der von Padua beein- 
flußten Tiroler; auf südliche Anregungen dürfte auch die mit geradlinigem Architrav 
versehene Säulenhalle in der Kraukenheilnng (National-Museum) zurückgehen. Prächtig 
sind die Stadtperspektiveu in der Krankeuheiluug, der Predigt des heil. Paulus und 
der Kreuzigung Petri (Petrikirche); von kühner Phantastik die Laudschaft in der Dar- 
stellung von Christi Gang auf dem Meere nnd im Gebet auf dem Olberg (beide im 
National-Musenn1). Die Farbe ist von einem tiefbrauneu Gesamtton, der an den der 
Basilikabilder des älteren Holbein erinnert, meist kräftig und leuchtend, seltener etwas 
stumpf. Die Ausführung ist nicht ganz gleichmäßig; möglich, daß an einzelnen Dar- 
stellungen Gehilfenhände größeren Anteil hatten, doch in jedem Falle ist die Komposition 
des ganzen Cyklns Eigentum eines Künstlers. 
Auch Landshut besaß eine Malerschule; vorhandene an Ort und Stelle 
befindliche Werke weisen ebenso darauf hin, wie der urkundlich genannte Nikolaus 
Alexander Mair, der wahrscheinlich mit dem tüchtigen Stecher Mair von Landshut 
identisch ist. Von seinen Gemälden scheint dann freilich keines mehr erhalten zu 
sein; er dürfte darin sich kaum anders als in den Stichen gezeigt haben, also 
als ein Meister, der den Einfluß Schongauers aus sich wirken ließ, doch 
seine derbe lands1nännische Art dabei nicht abstreiste, der deshalb auch in der 
Schilderung von Vorgängen aus dem Weltleben das Beste und Anziehendste leistete. 
Anonyme Werke der Tafelmalerei, die in Landshut in der zweiten Hälfte des fünf- 
zehnten Jahrhunderts entstanden, verleugnen in nichts den Charakter von Arbeiten 
gewöhnlichen Knnsthandlangertums, so z. V. ein Altar von ca. 1450 im bayrischen 
National-Museum aus der TrausniHkapelIe in Landshut (der Christusleichnam im 
Schoße Mariens mit dem Stifter Heinrich dem Reichen, und vier Heiligen), die 
Flügelbilder des Altars in Gelbersdors von 1482 mit Szenen aus dem Leben 
Marias, zwei Altäre in der Trausnihkapelle u. s. w. 
Regensburg sollte eine hervorragende Stelle in der Ges(hichte der deutschen 
Malerei erst wieder im sechzehnten Jahrhundert gewinnen; im fünfzehnten Jahrhundert 
gebührt unter den malenden Genossen höchstens dem Buchmaler Berthold Furt- 
mehr der Name eines Künstlers. Er ist vom Jahre 1476 bis 1501 urkundlich 
nachgewiesen. Von seinen Werken si11d zwei erhalten: das eine ist ein zweibändiges
        

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