Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3943950
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Deutsche Malerei. VI. Neue Wege zu alten Zielen. 
die Darstellungen der Basiliken sollten zugleich die wichtigsten Ereignisse der Legende 
des Titelheiligen vorsühren. In Holbeins Santa Maria Maggiore sieht man im 
Mittelfeld das Innere einer Kirche, auf den Seitenfeldern die Verehrung des Christus- 
kindes durch Maria und, zum Andenken an die Stifterin Dorothea Rölinger, das 
Martyrium der heil. Dorothea; im oberen Bogenfelde dann die Krönung Marias und, 
den Seitendarstellungen entsprechend, mnsizierende Engel. Die Krönung Mariens zeigt 
die altertiimliche Anordnung, wonach die Dreifaltigkeit durch drei gleichgestaltete neben- 
einander sit3,ende Personen dargestellt wird; in der Anbetnng des Kindes dagegen und in 
dem Martyrium der heil. Dorothea hat die Komposition einen freiere!-i Zug. Im 
wesentlichen gilt dies schon vom Entwurf, nur hat der Künstler im Bilde des Martyriums 
der heil. Dorothea die Engel, welche im Entwnrfe (siehe Hiß, XLV)t-) innerhalb 
des Hanptbogens sich befanden, von da hinaus in die Zwickeln verwiesen, wodurch der 
Aufbau an Lustigkeit gewann. Für den Schö11heitsfinn des Künstlers zeugen hier 
wieder Maria und besonders Dorothea, in deren Gestalten magdliche Anmut nnd ein 
gewisser sinnlicher Reiz zu lebensvoller Wirkung sich verbinden. Die großen Mandel- 
förmigen Augen Dorotheas mit den aufgezogenen Lidern sprechen von der Begeisterung 
der Märtyrerin, die Nase ist edel, die Oberlippe von sanftem Schwung. Die Hände, 
welche die Heilige betend faltet, sind zart, doch nicht mager. Auch das Chriftuskind, 
das mit einem Schleiergewand bekleidet ist, zeigt gut gerundete Formen. Die Gewandung 
ist von breitem Wurf, nicht so streng angeordnet wie bei Zeitblom, aber frei von klein- 
lichem Gefältel. Die Farbe ist um etwas tiefer als in den Flügelbildern aus Wein- 
garten, doch nur eine weitere Stufe der Entwickelung jener koloristischen Grundsätze, 
welche dort maßgebend waren. H) Der Hintergrnnd ist dnnkelblau, über und über 
mit Sternen besäet. Die Thätigkeit für das Kloster wurde zunächst durch einige 
andere Arbeiten unterbrochen. Es sind dies zwei große datierte Passionsfolgen, denen 
aus stilistischen Gründen noch eine dritte in unmittelbare Nähe gestellt werden kann. 
Die erste wurde dem Künstler von den Dominikanern in Frankfurt 1501 in Auftrag 
gegeben.-MS) Die zweite entstand im Jahre 15(j2; damals gab Georg.Kastner, Abt von 
Kaisheim bei Donauwörth, das Altarwerk in Austrag, welches im Junern des Schreins 
die Kreuzigung in SchniHwerk zeigte, während Holbein die Jnnenseiten der Flügel mit 
acht Szenen aus dem Marienleben, die Auße11seiten aber mit acht Szenen aus der 
Passion (Miinchen, Pinakothek Nr. 193-200) schmückte. Die dritte undatierte, doch 
dem Stil nach hierhergehörige Passion befindet sich in Donaueschingen (Fürstl. Galerie 
Nr. 43-54); es sind zwölf Darstellungen, die einmal gleichfalls die Flügel eines 
 Vgl. Hiß: Die Handzeichnungen Holbeins in Liehtdruck. Nürnberg, Soldan, 1886. 
 Das Monogramm des Künstlers befindet sich unten am Bilde, außerdem noch sein 
Name auf einer Glocke der Kirche. 
 Erhalten davon sind: das Mittelbild der Predella mit dem Abendmahl in der Leonhakds- 
kirche in Frankfurt a. M.; vier Flügelbilder der Staffel: Einzug Christi, Vertreibnng der 
Wechfler, Fußwaschung, Olberg, im städtischen Museum in Frankfurt a. M. (ebenda auch die 
Bilder der Rückseite des Schreins mit dem Stammbaum Christi und dem Stammbaum der 
Dominikaner); endlich sieben von den acht Flügelbildern im Städelschen Jnstitut (Nr. 64-70). 
Im Bafeler Museum sind die Handzeichnungen für die Passions-bildet der Flügel; es fehlt nur 
die für die Dornenkrönung, dagegen ist wiederum die für die als Bild fehlende Auferstehung 
erhalten.
        

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