Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3943622
Nachfolger des Meisters von Liesborn.  241 
die Hoheit seiner künstlerischen Gesinnung teilte aber doch keiner mit ihm. Am 
nächsten noch steht der Natur und Kunstanschauung des Liesborner Meisters der Altar 
der Kirche zu Lünen a. d. Lippe; er ist ein feines, liebenswürdiges Werk, das möglicher- 
weise noch der Jugend des Meisters selbst angehört. Eine zu diesem Altar gehörige 
Ver-i Ic0n befindet sich im Museum zu Münster (NV- 90)- Dem Meister selbst noch 
seht iiahestehend ist euch eine Kteuzigu"ng in Lippborg (zwischen Lippstcidt und Hamm). 
Ein Altar zu SjjninghaUsen mit dem gekreuzigten Christus in der Mitte und der 
Geißelung, Kreuzschleppung, Grablegung, Noli me tangere, an den inneren Seiten 
der Flügel, von ca. 1470 zeigt den EiUsIUsZ des LiesbVVUeV Metsteks sChDU sc)Wäc)ek, 
umso mehr die Kreuzung älterer einheimischer Einflüsse mit niederländischen. Die Körper 
sind etwas kurz mit oft schwerlastenden Köpfen, Zehen und Finger dagegen überlang, 
die Bewegungen zwar nicht heftig, doch auch wenig ausdrucksvoll (z. B. in der 
Grablegung) oder geziert (No1i me ex-ing.ere)2 die Jnnigkeit der Empfindung erinnert 
an den 53ies-berstet Meister; auch die Charakteristik hält noch Maß, die Letidsehaft ist 
in der Kreuzigung nnd in der GrablegU"g Von seht liebevolIer Ausführung. Auf 
den Goldgrund verzichtete der KüUstkets Eine große Kreuzigung in der Höhenkirehe 
zu Soest zeigt gleichfalls schon ziemlich derbe Formen- doch ist der Künstler derselben 
dem Meister von Liesborn in der Weichheit und Milde der Empfindung verwandt 
und ihm in dramatischer Lebendigkeit und freiem Ausdruck derselben überlegen. Seine 
Färbung ist von mittelhellem Ton, does) Von guter Leuchtkraft. Die Land.schaft ist 
ziemlich fein ausgebildet, die Lust ist golden. Der gleichen Richtung gehört die 
Dgppekkasek mit Geschikhten des heil. Kreuzes in der Sammlung von Zur Mühlen 
in Münster an, dann eine Auferstehung im Germanischen Museum (Nr. 34) und 
vier Tafeln  die Heiligen Franciscus und Clara und die Verlobung der heil. 
Katharina  im Museum in Köln (Nr. 247, 248, 265, 266), welche wahrschein- 
lich die Frager zur AuferstehUtIgstafel bitdeteu. Ebenso ers noch in yet Em- 
pfindungsweise des Liesborner Meisters wurzelnd, können dann angeführt werden 
die treffliche Darstellung von Christus als Gärtner (Noli me tangere) im Museum 
von Münster (Nr. 75), wozu als Rückseiten gehörten die Marter der Zehntausend 
und die Marter des heil. Erasmus (ebenda 76 und 77) von 1489 aus der Wiesen- 
kirche zu Soest, dann eine große Geburt Christi und vier legendarische Szenen im 
gleichen MUseUM (NT- 134-138), welche die Meisterbezeiehnung N. Suelnmeigr 
tragen. Die Formenidealität des Meisters von Liesborn tritt in den lehtgenannten 
Werken allerdings sehr zurück; hatte doch die re:-1istisehe Richtung seht-U zu je:iet Zeit 
ihre entschiedenen ParteigäUgeV besessen, als der Meister von Liesborn noch selbst 
thätig war. Vom Beifall der Zeit begleitet, drängte nun auch hier, wie es in Köln 
geschehen war, der Realismus die idealisttsTk)e Kunstweise immer mehr in den Hinter- 
grnnd, bis daß ersterem die (1UsskhkteßItc)e Herrschaft verblieb. Aus Soest, das neben 
Münster Und Du-tmUud ein Hauptort der Kunstthätigkeit auch in diesem Zeitraum blieb, 
stammt ein großer Flügelaltar, dessen Mittelbild mit der Kreuzigung sich jeht in der 
Berliner Galerie befindet (Nr. 1222), während die Flügel mit Darstellungen aus dem 
Leben Christi im PkgyiUzial-Museum in Münster ausgestellt sind. Die Komposition des 
Hauptbildes ist sehr figurenreich: zu beiden Seiten des Kreuzes zwei Reitergrnppen, 
an der SpiHe der einen Longinus-, WeI(he17 die Lanze in die Seite Christi sticht, km 
Janitschek,Malerei. is
        

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