Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3943439
Jugendwerke Locheners. 
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Geburtsjahr über 1410 nicht weit hinausgeriickt werden kann. Nach ihrem Aussehen 
auf dem Bilde zu schließen, müßte das Bild Mitte der dreißiger Jahre gemalt 
worden sein. Die schlanken Verhältnisse Mariens weisen auf den Formenkanon der 
alten Schule; nur das Oval des Gesichtes ist ein wenig voller geworden, aber die 
Lider sind gesenkt, die Nase fein, der Mund klein, der Hals zart, die Schultern 
abfallend  die Hände dagegen sind etwas kräftiger gebildet. Auch das Kind ist 
Eigentum der Schule Meister Wilhelms, die Formen sind viel weniger durchbildet, 
als auf dem Dombilde. Das Rot des mit Hermelin gefütterten Mantels der Maria 
giebt dem Bilde einen warmen Ton, der aber an Kraft und Tiefe mit dem Rat- 
hausaltar nicht wetteisern kann. Die Farbe trägt alle Kennzeichen eigentlicher Tempera 
an fich."") Viel entschiedener schon charakterisiert den Übergang von der alten Schule 
zur Art des Rathaus-altars der gekreuzigte Christus mit Maria, Johannes, Magdalena, 
Barbara und Christophorus im Germanischen Museum (Nr. 13) und die Madonna 
im Rosenhag im Kölner Museum (Nr. 118). In der Stimmung schließt sich das 
lehtere noch ganz an die idyllischen Bilder der Schule Meister Wilhelms an, auch 
die musizier-enden Engelknaben haben dort ihr Heimatsrecht, aber die Maria und der 
Christusknabe in ihrer kräftigeren Bildung, eingehendereu Modellierung zeigen schon 
eine nahe Verwandtschaft mit der Madonna und dem Kinde auf dem Rathausaltar.") 
Wie so die Fäden nicht fehlen, welche die Verbindung zwischen dem Clarenaltar nnd 
dem Rathausaltar herstellen, so fehlt auch nicht die Verbindung zwischen dem 
Rathausaltar und einer Gruppe von Bildern entschiedenerer realistischer Art, ohne daß 
uns noch ein Werk begegnete, in welchem der Künstler sich so voll und lauter aus- 
lebte, wie dort. Immerhin aber darf man sie Lochener zuweiseu  ist doch nicht 
zu vergessen, daß der Betrieb der Malerei ein ganz handwerklicher war, daß ver- 
schiedenartig begabte Gesellen an ein und demselben Bilde zu arbeiten pflegten, die 
dann zwar den Grundcharakter desselben nicht ändern, wohl aber manches Fremde 
in Auffassung und Ausführung des Einzelnen bringen, einen niedrigeren Grad der 
Durchbildung verschulden konnten. Dies festgehalten, ist Lochener zunächst das große 
Altarwerk zuzuweisen, welches, nach dem Wappen zu schließen, von der Familie 
Muschel-Metternich in die Psarrkirihe des heiligen Laurentius in Köln gestiftet wurde. 
Das Mittelstück (Köln, Museum Nr. 121) giebt eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. 
Die Verdammten und Seligen zeigen die gedrungenen Formen Locheners, die GefiThkek 
der Seligen auch ein volles Oval mit der Vorliebe für etwas kurze abgeftU1nPfkS 
Näschen, in der Schar der Verdammten macht sich dagegen ein überaus dEVbEk 
Realismus breit, der aber zweifellos das Ergebnis fleißigen Natnrstudiums ist. Man 
merkt auch, daß nur männliche Modelle dem Künstler zur Verfügung standen; die 
weiblichen Körper sind ganz schematisch behandelt. In der Gruppe des richtenden 
Christus, der Maria und des Johannes fällt der Künstler wieder mehr in die ältere 
Formensprache zurück. Doch stimmt diese jedenfalls besser zu der n1ittelalterlichen 
Phantastik, welcher die Schilderung der Teufeks9efk0kkEU entsprang, als der moderne 
V) Das Dombild und die Madonna mit dem Veilchen wurden in Farbendruck von der 
Arundel Society veröffentliä)t. 
 Eine freie etwas vereinfachte Wiederholung dieses VEkdEs in der Münchener Pina- 
kothek (Nr. 5) ist doch wohl nur Werkstattarbeit.
        

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