Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3942658
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Deutsche Male7rei. 
V. Herrschaft u. Blüte d. nationalen Stils. 
der Minnesänger, dann folgen dem gesellschaftlichen Range nach geordnet die übrigen 
Sänger bis zu den Meistern herab. NiCk)k Als bloßes Bildnis, sondern als Mittel- 
punkt einer Handlung wird in der Regel der Dichter vorgeführt. So wird das 
ritterliche Leben in Krieg und Frieden geschildert  ohne Tiefe, aber doch mit Anmut. 
Turnier und ernster Kampf, Szenen der Belagerung, Jagd nnd Spiel, zierliche Zwie- 
sprache, Tanz und Musik und Minnewerben werden vorgeführt, oder wir sehen den 
Dichter als solchen, schreibend, diktierend, Lieder überreichend oder durch andere Hand 
iiberfendend. König Konradin läßt fröhlich den Falken steigen, König Wenzel nimmt 
die Huldigung der Spielleute entgegen, Markgraf Otto von Brandenburg siHt mit 
seinem Gespons am Schachbrett, während unten die Spielleute blasen und den Cymbal 
schlagen, Graf Rudolf von Stubenburg siHt sinnierend und skandierend in einer 
Rosenlaube eingesponnen, Friedrich von Hausen ist zu Schiff und läßt sein Schrift- 
band auf den Wellen schankeln, Wolfram von Eschenbach steht streitgerüstet neben 
seinem gesattelten Pferd, und Walther von der Vogelweide erläutert seine eigenen 
Worte (wie in der Weingartner Handschrift): 
Ich saS j1f a.inem staine 
do (1ahte ich bain mit bajne., 
Konrad von Altftetten hält trauliche Waldesrast mit seiner Geliebten, und Jakob von 
Wart erscheint sogar im Bade unter der Linde von schönen Mägdlein bedient. 
Die Anordnung der vorgeführten Szenen ist viel freier, bewegter als in den 
Darstellungen der Weingartner Handschrift, die vorgeführten Personen in der Be- 
wegung lebhafter, ungezwungener. Der Formenkanon ist im wesentlichen hier und 
dort derselbe, aber die Köpfe, obwohl von gleicher Jugendlichkeit und weichlicher 
Anmut, doch schon individueller, die Charakteristik der Bauern in der Dar- 
stellung zu Neidhart sogar von natnralistischen Zügen nicht frei. Die Gewandung 
durchgearbeiteter in ihren Motiven. Eingehendes Naturftudium zeigt sich zwar 
nirgends, doch sind die Körperverhältnisse im allgemeinen richtig. Am sorg- 
samften ist die Wiedergabe äußeren Beiwerks, der Geräte, Waffen, Rüstungen, 
Banner und Fahnen. Äußerlicher synibolischer Behelfe, den Abstand der Stände 
durch den Unterschied körperlicher Größe zu bezeichnen, bediente sich auch hier 
der Künstler. Ein schmeichelnder Liebreiz ist den Formen, Glanz und Kraft den 
Farben eigen, aber ein leidenfchaftlicher Puls-scl)lag der Empfindung ist nirgends 
wahrzunehmen. V) 
Schon weiter vorgeschritten ist die maleris(he Behandlung in den Bildern einer 
Abschrift des Wilhelm von Oranfe, welche Landgraf Heinrich von Hefsen 1334 an- 
fertigen ließ. Die Handschrift enthält 35 vollendete und 25 unvvlIe11d8ts Bilder. 
Die Zeichnungen dazu rührten sämtlich von einer Hand her, in der malerifchen Aus- 
führung trat ein Wechsel der Hand ein und sie blieb später überhaupt weg. In 
solchem Zustande gewährt gerade diese Handschrift einen tieferen Einblick in die 
-is) Ak,k,jkdUngen bei von der Hagen-Mathieu: Minnesänger aus der Zeit der Hohenstaufen, 
Paris 1850; dann im Atlas zu v. d. Hagens Bildersaal altdeutscher Dichter, ferner einzelnes 
in den Mitteil. d. autiquar. GeseIIsc.11Ifk M ZÜViTk); Bd- VI- ÜUV Vd- XIH- ZU T- Abt. Eine 
vollständige Publikation steht bevor.
        

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