Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3940594
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Deutsche Malerei. 
I. Germanische Anfänge- 
den Evangelistendarstellungen bringt dann das Sakramentarium von Gellone noch eine 
Maria  eine Frau ganz in der Tracht der Zeit, mit eigentümlicher Haartour, doch 
durch die Umschrift als Sancta Maria bezeichnet  und einen gekreuzigten Christus. 
Der massige Kopf mit den gloHenden Augen und dem in scharfer SpiHe auslaufenden 
Bart, der breite Oberkörper, die dünnen aus-gebogenen Beine, die viel zu kurzen 
dünnen Arme mit den überlangen Händen zeigen, daß hier der künstlerischen Absicht 
keine Spur von F0VMEUkEUUk1Iis Oder gar Formenverftändnis entgegenkommt und daß 
die Hand, welche in der Darstellung von Tiergestalten eine oft Überraschende Sicherheit 
zeigt, dem menschlichen Körper gegenüber, trotz chriftlich-lateinischer Vorbilder völlig 
haltlos bleibt; dort unterstüHte eben die voraus-gegangene Entwickelung, hier mangelte 
jede Vorbildung und Lehre. Dagegen trafen eine gelehrigere Hand und ein größeres 
Verständnis- Formenelemente, welche von anderer Seite her in die merowingische Buch- 
malerei drangen. Jhre Träger waren irisihe Missionäre; mit diesen wurden sie dann 
auch jenseits des Rheins heimisch, und gerade hier haben sie sich eine Herrschaft ex- 
worben, deren Spuren erst in jahrhnndertelanger Entwickelung getilgt werden konnten. 
   dem von Kelten bewohnten Jrland hatte das Christen- 
7.  tum noch vor Mitte des fünften Jahrhunderts E1I1gtIUg- 
  und was mehr, den günstigsten Boden für eine unan- 
   gefochtene Entwickelung gefunden. WidersttI11dkVs Mc) die 
   keltische Religion der neuen Lehre und gerade aus dem 
   Druidenorden gingen ihre eifrigsten Jünger hervor. So 
 :   kam es, daß kaum ein Jahrhundert später die Kirche hier 
 R? so erstarkt war, daß eine großartige Mifsionsthätigkeit 
  entfaltet werden konnte. Der Begründer derselben war 
 Columban der Ältere; unter der Führung Columbans 
   des Jüngeren zog eine Schar bereits über den Kanal 
 nach dem Frankenlande, wo es zwar nicht Heiden zu 
 bEkEh1"en gab, wo aber die Verwilderung der christlichen 
    Kirche bereits so groß war, das; sie der Bekehrer nicht 
 weniger dringend bedurfte. Bis 610 dauerte hier Colum- 
 bans erfolgreiche Thätigkeit, dann wurde er von den 
 fränkischen Königen aus dem Lande gewiesen. Nun ging 
 seit! Weg durch Gallien und die Schweiz zu den Lango- 
Aus einem irisihen Evangeliar der bc1kdc11 USE) Nvkdit(IIsc1l. Aber Mich das innere Deutsch- 
BivI. is1S:.Ga1Ien. 8.Jah:h. land war von Columban bis Bonifacius ein Zielpunkt 
frischer Missionsthätigkeit. Schwaben, Bayern, die Lahn- 
gegend, ein Teil Thüringens und Frieslands wurden von ihr christianisiert. Mit 
dem Evangelium zugleich brachten die irischen Missionäre irische Bildung und irische 
Kunstübung mit. Bereits Hieronymus hatte das Abschreiben von Büchern den Mönchen 
als nützliche Beschäftigung empfohlen (ep. 125 ad Rustjcum m0nachum), Cassiodor 
hatte die gelehrten Studien in die Klöster grundsätzlich eingeführt; wenn in bereits 
völlig christianisierten nnd kulturgesättigten Ländern über die pädagogische NüYlichkeit 
solcher Studien und Beschäftigungen gestritten werden konnte, so WUVdeU diese "kU
        

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