Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3940585
Evangelisten-Darstellungen. 
aus dem altchristlichen BilderschaH, aber die Gestaltung wurzelt ganz in der eigenen 
AuschauUugs- und Siunesweise. So bringt das Titelblatt des Orosius ein griechisches 
Kreuz innerhalb eines breiten, mit Tiergestalten ausgefüllten Rahmens. Jn der 
Durchkreuzung der Balken ist das Lamm Gottes abgebildet, die Enden der Balken 
runden sich zu Medaillons aus, in welchen sich die Brustbilder der Evangelisten 
finden. Jst uns in der Darstellung derselben eine erste, wenn auch nicht erquick- 
liche Spur bildsä)öpferischer Thätigkeit germani-  
scher Phantasie erhalten? Bereits das zweite " 
christliche Jahrhundert hatte die gehei1nnisvollen : 
Tiere bei Ezechiel (l. 45  und in der Apo- 
kalypse (4, 6  mit den Evangelisten in Be- S G 
ziehung gebracht, und zwar den Adler mit  . 
Johannes, den Löwen mit Markus, den Ochs mit Ä 
Lukas und den Menschen (später meist als Engel  
abgebildet) mit Matthäus. Vom Ende des vierten 
Jahrhunderts an sind auch künstlerische ZeUgUifse -I -H) 
für ihre Verbindung vorhanden. Die Symbole 
werden bald neben den Evangelistet1 M ik)VeV 
menschlichen Gestalt dargestellt, bald allein. Das 
Wagnis, das Symbol mit dem Träger desfekoeU 
in organische Verbindung zu bringen- indem man Med0illOs1 des Johannes. Aus dem Okos1us. 
den menschlichen Gestalten der EvangekkfkeU die 
Köpfe der symbolischen Tiere aufseZt, hat entweder die syrische oder, woraus die Prio- 
rität der De11kmäler weist, die germanische Phantasie durchgeführt. Das älteste erhaltene 
Zeugnis dieser Art der Darstellung sind nämlich die Evangelisten-MedaiII9ns auf dem 
Titelbild des Orosius; wähkeUd aber Hier die Evangelisten nur im Brustbilde erscheinen, 
geht das Sakramentarium von Gellone noch Weiter, indem hier die C-vangelisten in 
voller Gestalt, ungeflügelt gebildet sind, wodurch das Bizzk;ke des; Wj,;kUng noch erhöht 
wird. Der durch das Christentum aus ihrer Naturreligion aufgeschrecktengermanischen 
Rasse stünden solche Schöpfungen allerdings nahe oder doch näher als der altchristlich 
lateinischen Kunst, wo die Traditionen antiken Geschmacks noch f9kt1ehten,-s) Außer 
1) Als älteste Darstellung der Evangelisten in dieser Form werden gewöhnlich die unter- 
gegangenen Evangeliftenbilder in der MUVie11kiVkk)e in Aquileja citiert, von welchen uns Johannes 
und Lukas in einer Abbildung bei Bertoli (I-e Antiquitk"i ä7Aqui1eja, Vene2i-r 1739, 
S. 404 u. 5) erhalten lind- Eis! Urteil nach einem flüchtigen Stich ist schwer. Die historische 
WaHkseheinkikhkeit spricht dafür, daß sie erst nach dem Umbau der Kathedrale von Aquileja (durch 
del! PAtViAkc) PoPotIe 1031), in den die Marienkirche hineingezogen wurde, entstanden sind. 
Entscheidet man sich aber für ein äkkeVes UVspkUt1gsdatum, so kommt man auf die Langobarden- 
zeit. Der germanische Ursprung dieser Vorstellung wäre damit nur wahrscheinlicher gemacht. 
Costadoni, der zuerst Auf die EVUUgekifkeUoUVftellungen in Aquileja aufmerksam machte (0sse1-var. 
in Grase. pervetust. ic0ne1n 1igni Sancta(-) orucjs in Gk01-is Symbol-re litter. Fl0rent. 1749, 
p. 40) weist aus eine zweite Da?-"fkeIIUI1g dieser Motive hin, die er in einem Missale fand. Seine 
Beschreibung macht es ÜbeVze1lgeUo- daß das Missale weit späteren Ursprungs als die im Text 
besprock)enen Darstellungen waren. Die Figuren erscheinen als Jnitialfüllungen. Die von Cahier 
        
p. 108) sind sämtlich aus späterer Zeit. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.