Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3942028
Vorgeschrittenere Werke der Dei-kmalerei. 135 
Johannes nur mit Adlersl1"igeln versehen), ein feierliches Widmungsbild  Abt Waltherus 
ist der Spendek, vielleicht auch Schreiber und Maler des Buches  und eine Ver- 
kündigung (f01. 566) wieder mit dem die Hände flehend emporstreckenden Schreiber 
enthält.-E) Die biblischen Darstellungen des Evangeliars i1n Benediktinerstift Seiten- 
stetten (Cod. XV.) in Niederösterreich, das im Beginn des dreizehnten Jahrhunderts 
von einem Pkesbykek Heinkieh geschrieben wurde, haften in Auffassung nnd Formen 
noch ganz am Alten, wogegen die kecken Vorwürfe der Bilderinitialen, die naturalistifche 
Behandlung der Tier- und Pflanzenformen der künstlerischen Neigung der Zeit vollauf 
entspkeek,en,-VI) Ornamental reich ausgestattet ist ein Legendariun1 in Sigmaringen (fürstl. 
Bibl. Nr. 9), das ein Bruder Rufillus im Kloster Weißenau schrieb. Die neunundaihtzig 
großen und kleineren Jnitialen ersthöPfeU den ganzen F1)tmenschatz, über welchen die 
Oknamentik der Spijtzeit des zwölften Jahrhunderts versügte. Figürliche DarstelIungen, 
phantastische Tierbildungen wechseln mit reichem Pslanzenwerk und Vandverschlingungen. 
Schon hinaus über den künstleriseheU Wert solcher Durchschnittsleistungen führt 
der makekjsehe Schmuck eines Evangelistariums aus der Kollegiatkirihe St. Nikolaus 
in Passau (jejzk München, Kgl. Bibl. Cod. lat. 16002). Eine gwße Zahl gek,jkdeetee 
Jnitialen zeigt eine gUUz UUbetÜMMet"te UND freie, oft abenteuerliche, aber in Bezug 
auf Komposition glückliche Verwertung deV Menschlichen Figur für die Füllung oder 
auch den Bau des JUstk0ts- So z- V- im J! ein Jüngling steht an den untern Teil 
des Stammes gelehnt Und schaut empor zu einem zweiten, der den oberen Teil des 
Stammes hinaufklimmt. Ein A führt den Traum Josephs vor: unterhalb des Quer- 
balkens siHt Joseph, oberhalb desselben findet die Erscheinung des Engels statt. Ein P: 
in dem Rankenwerk, welches den Stab umschlingt, klettert ein Jüngling empor zu 
dem Paradiesvogel, der innerhalb der Kurve siHt. Die Vy11hjIdek führen Szenen aus 
dem Leben Christi und Mariens  doch ohne bestimmte Reihenfolge  vor, dann das 
Martyrium der Apostelfürsten. Die hervorragendste Darstellung aber ist die der Ekklesia 
(Kirche), f01. 39. Als mächtige Frauengestalt ist sie gebildet. Ein weißes Untergewand, 
ein rotes Oberkleid mit goldenem Besatz. und von goldenem Gürtel gehalten, ein 
Weiter grünet Mantel fällt ZU strengem FUkteUWUTf von der Thronenden nieder. Das 
HAat ist Von einem NO z"samme"9esaßt- das HUUPt von einer Art Städtekrone 
bedeckt. In der einen Hand hält sie die Siegesfahne, in der andern ein Gefäß, 
aus dem Flammen emPVtZ"ÜU9etU- Das Gesicht zeigt matronale Reife und Ernst, die 
ganze Darstellung ist charaktervoll und würdig, ja gk9ßa-eng, Das Fkejseh ist von 
bräunlichem GTUUdtVU Und btaUtic)eU Schatten, Wangen und Lippen blaßrot an- 
 .Jhesu! vita- s81Us7 VII- p8-X- IUX- g10kkA- vix-tus! mente tibi tot-L quae de-stinat 
excipe vota, Abbas Walthekus, heißt es auf dem Widmungsbild. Waltherus stand dem Kloster 
von 1161-1190 vor. Es ist derselbe Abt- der Mk) Eine zweibäUdige, reich i1Iustxiekte Biber dem 
KkIskeV zUM Geschenk machte- Der Erste Teil, das Alte Testament, befand sich noch in unserem 
Jahrhundert an Ort und Stelle. Die JUfc)Vift lautete: 
      
F(-Zeit in his 1ib1-is emptis per dem. tal- Jena' 
Vgl. M. Ficz, Gesch. des saIzb- Benediktinerstifts Mic)aeIbeuem (Sa1zk-. 1830) 1I. S. 304 ff. 
H) Abbildungsproben daraus giebt Nestleh11er: Das Seitenftettener Evangeliarium des 
XII.  Jahrhunderts. Berlin, Verlag von Prüfer, 1882.
        

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