Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Malerei
Person:
Janitschek, Hubert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975647
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3941581
Im Norden Deutschlands. 
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Und die VekkkkjkUiig Christi, Die Zeichnung der Figuren ist äußerst roh, die antiken 
Gewandmotive sind ohne Verständnis zum Ausdruck gebracht, die Darstellung leiden- 
fchaftlicher Bewegung, wie sie der Künstler in der Transfiguration versuchte, glückt ihm 
nicht besser als dem Maler des Berliner Evangeliars Heinrichs IV. Die Lichter werden 
dick auf alle vorspringe11den Stellen ausgeseBk- so daß dCV Schein einer aufdringlichen 
M-zde1IietUiig erzielt wird, Wangen, Lippen 2c. werden durch ein grelles Rot hervor- 
gehoben. Edel ist nur die Architektur der Kanonesbogen, und die Jnitialen sind durch 
reiches Blumen- und Rankenwerk ausgEzEkc)UCk-  
Es me im Not-den nicht besser; nur an Schnellfertigkeit stand man hier hinter 
dem Süden zurück, wie die bedeutend geringere Anzahl der Denkmäler zu beweisen 
scheint. Ein Evangeliar, das Hidda, die Abtissin des westfälischen Frauenstiftes 
Meschede, schreiben und ausschmücken ließ (Darmstadt, Großherz. Bibliothek, Nr.  
ist von Verschn,endekjskhee Pracht des Materials, aber die künstlerische und technische 
Dur-chfiihi:ung der Gemälde steht auf keiner höheren Stufe als die süddeutschen 
Dur(hschnittsleistungen. Gleich das Wid1nungsbild: Hidda überreicht der heil. Walpurga 
das Buch, zeigt überschlanke Gestalten, die äußerst schlecht auf den Füßen stehen, 
schwülstige Architektur und schreiende Farbengebuug von dickstem Auftrag. Die zahl- 
reichen biblischen Bilder aus der Jngendgeschichte und der Wunder- und Lehrthätigkeit 
Christi  von der Passion ist nur die Kreuzigung dargestellt  sind nicht besser. 
Selbst die Kanonesverzierung ist roh; nur die Jnitialornamentik hält sich noch von 
der Verwilderung frei- 
Wie groß der Mangel an geftaltender und erfindender Kraft war, bezeugt auch 
ein Psalterium der Leipziger Universitätsbibliothek (Hdschr. 774)A") Von den sechs Vo1I- 
bildern, die es enthält, führen die beiden ersten zwei legendarische Szenen vor, Ereig- 
nisse aus der Bekehrung eines Weltmannes zum Klosterleben. Es folgt der segnende 
Christus, umgeben von den Evangelisten-Symbolen, die Kreuzigung mit Maria und 
Johannes, endlich die Darstellung des thronenden David und die seiner Chorführer. 
Der segnende Christus wiederholt treulich die in karolingischer und ottonifcher Zeit 
übliche Komposition der It-la-,jestas d01nini; die Kreuzigung und die beiden davidischen 
Darstellungen gehen ebenso gewiß auf Vorbilder der ottonischen Periode zurück.  
Aber diese Vorbilder sind in die geistlose stotternde Formensprache der Zeit über- 
tragen. Das Bild der drei Chorführer Davids z. B. läßt noch den Reiz, die frische 
Lebendigkeit des ursprünglichen Motivs ahnen, aber die hölzerne Zeichnung dei- 
Extremitäten, die unsicheren Schreiberzüge, welche das Gesicht charakterisieren, die 
perückenartige Behandlung des Haars zeugen für die Spätzeit des elsten Jahrhunderts. 
V) Das Psalterium stammt aus dem 1543 säkularisierten, später zerstörten Kloster Alten- 
zelle. Es ist jedoch nicht in dem Kloster gefc)rieben worden, das erst 1175 von Cisterziensern 
aus Pforte! besiedelt ward. Nach der Bezeichnung I-jber ver(-Iris Geile san(:te Maria dürfte 
es Ende des vierzehnten oder Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts dahin gekommen sein, da 
früher das Kloster schlechtweg Geile oder Oel!-it Sancta Mai-je hieß. Doch entstammt es aller 
Wahrscheinlichkeit nach einem säck)fkiOY)e11 Kloster- IN E. Vehers Schilderung der Bibliothek des 
Klosters und der Aufzählung der daraus entftc1mtnenden Handschriften in der Leipziger Universitäts- 
bibliothek findet sich das Pfalterium nicht erwähnt (Tas Cisterzienfer-Stift und Kloster Alt-Zelle. 
Dresden, l8:)5. S. -109  Jkk) VeVdAUkC Herrn Dr. H. Brockhaus die genauere Kunde über 
diese seit ganz kurzer Zeit aus ihrer Versrhollenheit wieder hervorgesuchte Handschrift.
        

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