Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3938401
Einzelformen. 313 
gemischt mit vegetabilen Zuthaten den Schein physiologischer Existenzmöglichkeit zu 
wahren. Seine Grotesken werden organische Wesen, welche sich mit individuellen 
Empfindungen, mit Leid oder Freude ihrer jedesmaligen Aufgabe hingeben. 
Gleichzeitig mit der Groteske, vielleicht noch früher als sie, findet die rein natura- 
liftische Fru 0htschnur, wie sie aus den Loggien Rafsael-S am bekanntesten geworden, ihren 
Weg nach Deutschland. Schon der alte Holbein liebt sie. In der Architektur freilich 
dürfte sie vor den vierziger Jahren nicht nachweisbar sein; die auf norditalienischen 
Vorbildern beruhende Frühperiode liebt sie noch nicht. Wohl aber finden sich in 
dieser gelegentlich die auf antiken Vorbildern beruhenden Trophäen, Embleme 
und Scl)ilder ähnlicher Art; so in einem der ältesten Beispiele deutscher Renaifsance 
überhaupt, dem Portal der Salvatorkapelle in Wien um 1515, dessen Säulentrommel11 
ganz mit derartigem Ornament bedeckt sind. Hier auch findet sich bereits ein leichtes 
Rollwerk an den Wappen am Tympanon. Ihre Höhe erreicht die Verwendung der- 
artiger unmittelbar aus Italien ftammender Motive freilich erst mit der Mitte des 
Jahrhunderts: Ein glückliches Stück der Art ist das Ornament des unteren Teiles 
der Brouzesäule im Hof des Stallgebäudes zu Dresden, das zugleich in seiner mehr 
massigen Komposition und etwas"groben Zeichnung den Unterschied zwischen der 
italienischen und der nordischen Behandlung desselben Motivs in lehr-reicher Weise 
illustriert (Fig. 261).  
Die Entwicklung des Grundrif s es der Schloß- und WohnhausanlagC reift 
in der Renaiffance nur sehr allmälig aus der mittelalterlichen Willkür zu klarer 
Disposition; auch am Ende der Periode ist noch kein fester Kanon gesunden, wie ihn
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.