Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3934672
O-uedlinburg, Essen. 
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im Jahre 874 gegründete Kloster zerstörte vor 947 bereits wieder ein Brand; 
der Bauperiode, welche dieser Katastrophe folgte, entstammt der schon oben als 
Kopie von Aachen erwähnte 2).2onnenchor."-) An einen hohen, das Mittelschisf 
schließeuden Bogen lehnt sich ein Chorschluß aus drei Seiten des Zehneckes im 
Aachener System. Von dorther ist auch die Außenbildung dieser Teile mit dem 
höher hinaussteigenden Mittelkörper, und den beiden kleineren unten rechtwinkligen, 
oben runden Trcppentürmen, sind ebenso (in Abschwächung der Aachener Strebepfeiler) 
die Pilaster als Wandgliederung der Obermauer 
übertragen. Wichtiger aber als durch diese H: 
Anlehnung an das ältere Vorbild ist der Bau     
durch die Fortschritte im Detail. Neben der  X    
Beibehaltung der antikisierenden Formgebung    
treten hier zum erstenmal neue Bildungen ;s I  WF41Hi(-Apis-Z  
es W     i ttWliiZEiH- 
artige mittelalterliche Erfindung. Da sie un-   
zweifelhaft ohne Übertragung von anderswo  
her an verschiedenen Orten selbständig gemacht   
worden, hat man sie aus dem älteren    
Holzbau herleiten zu dürfen geglaubt. Mit Hm-M  
Unvreaht! Die Einfügung eines KapitelIklotz,es  
zwischen Siinle und Balken wäre dem Holzbau   ; 
völlig konstruktionswidrig; etwaige Kopfver-    E 
zierungen müßten hier gerade mit der Säule   
aus einem Stück gearbeitet werden. Die  
Holzarchitektur aber kennt überhaupt kein  
Kapitell; sie erseht es durch den Unterzugs- Fig. M WWmzu Ew- 
balken. Das Würfelkapitell des Mittelalters 
ist nichts als die naturgemäße Überführung    
von der runden Säule zur Wölbung; es   
erklärt sich zwanglos aus der Konstruktion. l-IllIlIII 
 Ferner begegnen wir in Essen zum ersten-  - V   - 
mal, vielleicht nach ravennatischen Vorbildern,   
jener Fensterform, welche in einen großen  
Rundbogen zwei kleinere, durch eine Mittel- E--I D  DR.  
säule gestützte einfügt; auch dies bekannt- ;-.-lQIIsIII   
lich eine für das ganze Mittelalter charak-    
tekifkischc BiIdUUg- die hier WHAT schon Fig.20. Grundriß vom Erdgesehoß und Empore 
in das Feld zwischen dem großen und im Westcyokzu Essen. 
V) Jst der Mitte des elsten Jahrhunderts wurde dann, wohl als Umbau älterer Anlage, 
bei diesem Werke ein Säulenvorhos errichtet, der das Münster mit der axial zu ihm 
liegenden Taufkapelle St. Johann in Verbindung brachte. Die ursprüngliche Form der leHteren 
ist durch einen spätgotiscl)en Neubau verdrängt worden.  Es ist dies das einzige in Deutschland 
erhaltene Beispiel jener in alte-hristlicher Zeit bekanntlich weit verbreiteten Gruppierung der 
KAkk)EdMkm1luge. Eine ähnliche Disposition wie hier ist auch für Aachen vorauszusehen.
        

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