Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3937791
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Deutsche Baukunst. Die Gotik. 
namentlich das reichgeschmiickte Portal der Siidfront das erste Zeugnis einer jetzt allmälig 
aufkommenden malerisch dekorativen Richtung, deren Blüte die beiden Kirchen St. Marien 
zu Königsberg und St. Katharinen zu Brandenburg bieten, beides ziemlich gleichzeitig 
begonnene Werke, St. Marien 1407 im Chor geweiht, St. Katharinen im wesentlichen 
1381 bis 1411 errichtet, beides dreischiffige Hallenkirchen mit um das Altarhaus herum- 
laufendem Seitenschiff und nach innen gezogenen Strebepfeilern, zwischen denen heut in 
St. Marien unten Kapellen, darüber Emporen angebracht sind. Aber nicht das Jnnere 
bedingt das bangeschichtliche Interesse, welches diese Kirchen bieten, sondern der eigen- 
artige Schmuck ihres Äußern. An beiden Orten bauen sich die außen nur flach markierten 
Strebepfeiler etagenförmig in reicher Gruppierung aus: in St. Katharinen gliedern sie 
geputzte, mit durcl)brochenen Wimpergen gedeckte Nischen für Statuen, in St. Marien 
maßwerkartige Bildungen. Beide Male zieht sich unter dem Dache ein breiter 
Gitterfries hin; darüber, in St. Katharinen an einzelnen Stellen nur erhalten, eine 
durchbrochene Maßwerkgalerie auf dem Dach. Prächtiger aber als dies alles ist die 
Frontentwickelung je einer Kapelle an der Nord- und Südseite der Brandenburger 
Kirche mit ihrer glänzend reichen, hoch aufsteigenden, zum Teil ganz durchbrochenen 
Verkleidung des dahinter liegenden Giebels. Der malerische Wechsel dunkel glasierter 
Steine mit dem natürlichen Rot der Ziegel und dem weißen Puh der Wand kommt 
hinzu, dieser Art von Dekoration ein eigenartiges Gepräge zu verleihen, welches 
in solchem Reichtum allein Bauten der Mark eignet. 
Gegenüber der Mannigfaltigkeit des 
Z äußeren Aufbaues bietet die Grundriß- 
,   bildung der märkischen Kirchen weniger 
  E  Jnteressantes. Die in der Marienkirche 
  .  X V  F zu Prenzlau versuchte Lösung ist mehr 
   X (-XI  originell als glücklich; eine rohe Jmi- 
  -   tation des baltisch-französischen Kapelleu- 
  J        kranzes bietet die Pfarrkirche St. Niko- 
  XI-         laus zu Osterburg bei Stendal in Ver- 
 "  J     X  bindung mit derHallenform; die schlanken 
F1g.226. Grundr1ßdekPtamonftratenserk1rchezuGramzow. Rainer! der Prämom,tratenserkirche zu 
Gramzow bei Angermünde zeigen an ihrer Westseite, über der der Turm aufstieg, 
die ganz eigenartige Anordnung, welche Figur 226 giebt. Originell ist auch die heut 
zum großen Teil zerstörte Anordnung eines rings um den Chor gehenden, die Strebe- 
pfeiler durchbrechenden Laufganges an der Wallfahrtskirche zu Wilsnack, offenbar eine 
Anlage, welche die Abhaltung von Prozessionen ohne Rücksicht auf die Witterung 
gestatten sollte und an analoge Bildung in der ursprünglichen Anlage von St. Michael 
zu Hildesheim gen1ahnt. Auch sonst gehört die der Zeit um 1450 entstammende Wils- 
nacker Kirche zu den imposantesten Bauten des Landes.  Gleichzeitig mit ihr etwa sind 
die beiden großen Hauptkirchen von Stendal, das Domherrnstift St. Nikolaus, im wesent- 
lichen 1423-1450 erbaut, Und die PfUVVkirche St. Marien aus derselben Zeit (die 
Gewölbe vom Jahre 1447). Wie ihre Konstruktion, so sind auch die Formen beider 
Kirchen übereinstimmend; derselbe Geist, zum Teil dieselben Details hier und dort: 
sreiräumigeHallenbauten mit etwas überhöhtem Mittelschiff und kleinen Kapellen zwischen
        

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