Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3937593
244 DeutscheBaukunst. DieGotik. 
fünfzehnten Jahrhundert, ein eigenartiger Provinzialismus. Unter dem Einfluß der 
niederländischen Architektur entstehen hier eine Anzahl von Kirchen, bei denen der 
Backsteinrohbau an den glatten Mauern auftritt, während die profilierten Glieder 
Hausteiu zeigen. Es find Hallenbauten und Basiliken, bunt gemischt, zumeift in 
Rundpfeilern mit Dienstvorlagen, im ganzen, dem Material entsprechend, strenge Werke 
von ruhiger Großartigkeit, bei denen sich allerdings gelegentlich der Zeitgeschmack in 
Virtuosen Scherzen geltend macht, wie das schon erwähnte doppelte Rippenwerk der 
Seitenschiffe in St. Willibrord zu Wesel dies zeigt. Der Dekor ist auf ein Minimum 
beschränkt; am Äußeren geben Giebelbildungen über den Seitenschifsen, die nieder- 
sächsische Weise aufnehmend, wenigstens einige malerische Belebung. St. Willibrord 
zu Wesel, eine fünfschiffige krenzförmige Vasilikenanlage, scheint das Hauptwerk des 
ganzen, noch wenig durchsorfchten und mir leider unbekannt gebliebenen Distriktes 
zu sein; ihm nahe steht der dreischiffige Hallenbau von St. Nikolaus zu Kalkar, 
beide aus dem fünfzehnten Jahrhundert, während die Kapitelskirche zu Kleve, eine 
Basilika, bereits im Jahre 1334 begonnen wurde und St. Aldegund in Emmerich 
aus der Spätzeit des fünfzehnten Jahrhunderts der jüngste größere Bau der Gruppe 
sein dürfte. Ferner sind zu nennen: die HalIenkirche in Sonsbeck bei Xanten, die 
Basilika in Goch und die beide Formen miteinander vereinigende Kapelle bei Sonsbeck. 
Es erübrigt, den Gang der Entwickelung in den relativ spät allgemeiner Gesittung 
teilhaftig werdenden Ostmarken des Reiches kennen zu lernen. Zunächst in Ostreich. 
Erst am Ende des dreizehnten Jahrhunderts tritt die Gotik dort auf; und zwar lassen 
auch hier die ältesten Werke durch die Reinheit und Eleganz ihrer Formen einen un- 
mittelbaren Jmport von Frankreich her vermuten: so zunächst der wahrscheinlich älteste 
gotische Bau dieser Gegenden, die Nordwestseite des Kreuzganges von Kloster Neuburg, 
welche zwischen 1270 und 1294 errichtet wurde. Der gleichen Richtung gehört 
aber auch der herrliche Chor an (1343 bis wahrscheinlich 1383), den man dem 
älteren Langhaus der Cisterzienferkirche von Zwetl in Niederösterreich anfügte. 
Leiter des Werkes war Magister Johannes, wahrscheinlich ein Laie, der freilich in der 
Reduktion der dekorativen Ausftattnng bei voller Wahrung des Strebeapparates sich 
durchaus der Ordenssitte anschließt nnd für seinen in diesen Gegenden völlig neu- 
artigen Grundriß gar das Motiv von Pontigny, einem der vier ältesten Tochter- 
klöster von Citeaux, übernimmt: ein aus fünf Seiten des Achtecks geschlofsenes Altar- 
hans mit Umgang und neun Kapellen, die jedoch nicht einzeln vorfpringen, sondern 
durch eine gemeinsame Polygonmauer umschlossen werden;  eine ähnliche Anlage 
also, wie sie der Grundriß von Notredame zeigt. Die Details und Verhältnisse sind 
gleichmäßig vollendet, die Pfeiler den Kölnern ähnlich, aber tiefer eingeshnitten, 
die Laubwerkkapitelle wohlgebildet, das Maßwerk auffallend reich für Cifterzienser- 
bauten, wenn es auch nicht mehr die Frische der besten Zeit zeigt. So französisch 
aber im Grunde dies alles gedacht ist, der Ausbau zeigt doch die Hallenanlage. 
Sie ist eben den österreichischen Ländern seit dem zweiten Viertel des vierzehnten 
Jahrhunderts die durchaus sympathische Form und kehrt deshalb auch bei einer
        

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