Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3937461
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dreischiffig mit Pfeilern, die bei achteckiger Grundform jene zierlich reiche Gliederung 
mit kleinen Diensten und tief eingeschnittenen Hohlkehlen zeigen, wie sie für jene Periode 
gerade charakteristisch ist. Die Obermauern schlicht mit relativ kleinen Fenstern unter 
den Gewölben; letztere selbst noch einfache Kreuzgewölbe auf jenen schweren Rippen, 
wie sie in Nürnberg überhaupt üblich. Das Ganze ein ernstes, aber höchst wohl- 
gegliedertes Werk, schmuck in seinen zierlichen Details trotz, des Fehlens alles vegetabilen 
Ornaments.  Jn der Westfront kreuzen sich verschiedene Einflüsse: in Würselgeschossen 
steigen die mit nur schwachen Strebepfeilern versehenen Türme nach sächsischer Art 
auf, das reiche Mittelteil zeigt unten ein mächtiges, glänzend skulptiertes Portal, 
darüber eine große Rose, die wie der lebhaft gegliederte Giebel in dem Straßbnrger 
System der Doppelfassade behandelt ist, nur pedantischer und weniger graziös als 
dort  immerhin aber ein Zeichen des dauernden Eindrucks, den Erwins Werk auf 
die süddentsche Architektenwelt gemacht. 
Erst in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, also nach Vollendung des 
Langhauses von St. Lorenz, gelangt die Nürnberger Architektur zu reicherer Ent- 
wickelung. Eingeleitet wird diese Periode durch Karls IV. Bau der Marienkapelle an 
der Stelle der St)nagoge, als nach A11streibung der Judenschaft das Quartier derselben 
niedergelegt und zu einem neuen Marktplah eingerichtet wurde, dessen architektonischen 
Abschluß ,,unsrer lieben Frauen Saal-- (1355-61) bilden sollte. Dem entsprechend 
ist denn auch das Innere der kleinen nach Art der Burgkapellen aus neun ziemlich 
quadraten Gewölbejochen gebildeten dreischiffigen Halle mit aus-gerückten! Chor im 
ganzen einfach gehalten, einfach auch die Ost- nnd Seitenfronten; allein die dem 
Markt zugekehrte Fassade ist in reichem malerifchen Schmuck dekoriert, mit einem Treppen- 
giebel, den Blenden, Fialen und ein Dachreiter schmücken. Vor dem Hauptportal 
eine aus das reichste mit figürlichem Schmuck bedeckte, nach drei Seiten geösfnete. 
Vorhalle, von deren Altan die Kaiserwahlen in Nürnberg verkündigt zu werden pflegten. 
Aller Reichtum aber vermag nicht für eine gewisse Schwerfälligkeit des Ganzen zu 
entschädigen, die heut durch einen späteren Aufbau auf den Altan der Vorhalle noch 
vermehrt wird. Und doch war es wohl der Giebel dieses Kirchleins, der den Anstoß 
für die entsprechende Partie der Regensburger Front gab; nur wußten die RoriHer 
den Gedanken in künstlerisch reiferer Weise zu lösen. 
Die Anwendung der Hallenform bei diesem Gebäude war in der Natur der Sache 
gegeben, denn auch die verwandten romanischen Burgkapellen weisen drei gleich hohe Schiffe 
auf. Aber selbst bei den beiden großen Pfarrkirchen Nürnberg-Z macht sich im Verlauf 
der Jahre das veränderte ästhetische Empfinden der Zeit geltend. Ohne sie abzutragen, 
will man ihnen doch wenigstens teilweis die Vorzüge. welche der Hallenbqu für innere 
Raumentwickelu11g bietet, sichern. Zuerst bei der älteren Anlage von St. Sebald. Dort 
wird 1361-1377 ein Chorban von reiser Dnrchbildung der Formen in bedeutenden 
Maßen errichtet, der bei seiner gesicherten Bauzeit ein wichtiges Kriterium für die 
Entwickelung des Details im dritten Viertel des Jahrhunderts bietet: Die Pfeiler vier- 
eckig mit ausgekehlten Ecken und halbrnnden Dienstvorlagen (also wieder frei von 
der französischen Tradition), sehr schlank und bereits ohne Kapitell, die Rippen mit 
freischwebenden Zacken an den Schlnszsteinen der Gewölbe; das Maßwerk vielfach will- 
kürlich, hier und da bereits mit Fischblasen. Am Äußern reicher dekorativer AnfpuH
        

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