Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3937267
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Deutsche Baukunst. 
Die Gotik. 
Jahrhunderts schon einen Nenbau im Übergangsstil erfuhr. Von diesem stammt noch 
das heutige Qnerschiff mit seinen beiden Türmen neben dem Altarhause. Um  
begann dann der Langhausbau in einer noch stark mit romauisierendeu Formen durch- 
sehten Gotik. Der damalige Meister snndamentierte das ganze Langhaus und führte 
die noch mit Eckblättern versehenen Pseilerbasen auf. Er also trägt die Schuld an 
der absonderlich unschönen Pseilet-form, welche im Grunde nur eine ungeschickte Um- 
bildung der älteren Vieri1ngspfeiler ist. Auch seine Basen, das Blattwerk seiner 
Kapitelle, sein fast rohes Maßwerk der Fenster, die Detailbildungen überhaupt zeigen 
ihn als Mann von gröberem Geschmacke. Um 126() etwa findet dieser ältere Meister 
von Freiburg einen Nachfolger, nnd zwar einen solchen von hoher 
  Begabung. Jm Langhause schließt letzterer sich mit Veränderung 
 der Details doch,den vom Vorgänger gegebenen Grundzügen an; 
 dadurch behält dieser Teil, im Hinblick aus Straßburg, ein alter- 
 tümlicheres Gepräge: das Fehlen der Triforien über den Arkaden 
 und die Anbringung einer reichen Brüstung unter jedem der nicht 
 großen Oberfenster sind Symptome der noch nicht gewonnenen 
f  Abklärung. Dagegen zeigt das Straßbnrger Langhaus trotz, der 
is: verschiedenen auch hier thätigen Hände mit seinen wohlgegliederten 
 Triforien und den großen Maßwerksenstern im unmittelbaren An- 
 schluß darüber bereits eine klassisihe Lösung der Aufgabe, z1i der 
 das Vorbild im Schiff von St. Denis zu suchen ist.  Vor 
 Vollendung des Langhauses, noch vor dem Jahre 127(), beginnt 
 dieser zweite Freiburger Meister den Westturrn, und hat ihn 
 1301 bereits mindestens bis über den Glockenstnhl hinausgeführt. 
 Diesem energischen Baubetrieb ist es zu danken, daß der Turm 
    nach dem ursprünglichen Entwurf ohne jede spätere Änderung 
 durchgeführt ist. Es ist der erste gotis ehe Turn1bau mit 
 durchbrochener Steinpyramide, von keinem späteren 
F-i-g-1W übertroffen an Klarheit der Disposition u11d edler Schönheit der 
 Formen. Scharf gliedern sich die drei Hauptteile voneinander: 
der reihteckige Unterbau mit seiner herrlichen Portalvorhalle, 
das achteckige Glockenhaus und die abschließende Pyramide; und doch sind die Über- 
gänge glücklich vermittelt. 
Die Frage nach dem Meister eines solchen Werkes mußte die Forschung schon 
früh beschäftigen. Man fand, daß Einzelheiten des Freiburger Münsters in Straßburg 
wiederkehren, beispielsweise Gliederungen von Maß1oerksenstern und die eigentümliche 
Bildung eines Rosenfensters in qnadrater,Umrahinung. Die gesamte Formgebung 
beider Bauten ferner beruht auf dem Studium französischer Werke Und beide zeigen 
die gleiche charakteristische Hinneigung zu reichem Skulptnrenschn1uck. So lebte denn 
 wenn nicht bereits früher  schon im Jahre 1727 die Tradition, der Straß- 
bnrger Meister Erwin, dessen Name durch die Jahrhunderte uuvergessen geblieben 
war, habe auch das Münster zu Freiburg errichtet. Die Vermutung lag nahe, wo 
es sich um zwei benachbarte Bauten aus gleicher Zeit und der gleichen Höhe der Ent- 
wickelung, u11d noch dazu aus demselben charakteristischen Material handelte; nnd die
        

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