Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3936702
Die Wölbung. 
185 
Dekoration dienenden Form. Bald überschneiden sie sich beim Herauswachsen aus Wand 
und Pfeiler mannigfach; bald laufen sie gar eine Strecke frei unter dem Gewölbe her, 
u1n sich ihm erst allmälig anzuschließen; dies vornehmlich in der sächsisch-1neißenschen 
Schule vom Ende des- fünfzehnten und Anfang des sechzehnten Jahrhunderts, aber auch 
sonst mannigfach im fünfzehnten Jahrhundert. Eine andere Variante der RippenansäHe, 
die auch sonst vielfach wiederkehrt, bietet der Kreuzgang von St. Stephan in Mainz: 
wie eine KaminstiiHe ist der Rippenanfang unter die vom Gewölbe und der Wand 
gebildete Ecke freitragend gestellt. Der letzte Triumph dekorativer Verwendung der 
Rippen ist es dann, wenn zwei Rippensysteme so untereinander angebracht werden, 
daß das untere wie ein kristallisiertes Netz frei unter der eigentlichen Decke schwebt. 
Beispiele der Art bieten die Schloßkirche zu Meißenheim im Reg.-Bez. Koblenz, 
St. WilIibrord zu Wesel, St. Leonhard zu Frankfurt (Ostkapelle des nördlichen Seiten- 
schiffs) und, vielleicht der barockste Exzeß der Gotik, fünf Kapellen in der oberen 
Pfarrkirche zu Jngolstadt. Hier zieht sich unter dem eigentlichen Rippenwerk ein 
künstlich verschlungcnes durchaus naturaliftiscl) gebildetes Pflanzengcwinde, mit tief 
herabhängenden freien Zapfen in krausefter Linienführung ziemlich freischwebend hin. 
Dieselbe Spätzeit aber, welche derartiges hervorbringt, greift in fpielende1n Übermute 
auch zum Gegenteile. Sie wirft die nur Dekoration gewordenen Rippen wieder ab, 
macht die Net;3gewölbe wieder gratig. Und um leHtere doch in neuer Weise zu beleben, 
ersetzt man die sphärisc-hen Segmente der einzelnen Kappen durch tiefe dreiseitige 
Kloster-(Zellen) gewölbe. Charakteristische Beispiele dieser ftalaktiteuartigen Wölbungen 
bietet das Schloß zu Meißen in vielen seiner Raume, ferner die Kirche St. Johann 
zu Brandenburg, St. Marien zu Danzig, die Stadtkirche zu Marienburg u. v. a. 
Boten schon diese äußerst komplizierten Wölbungen dem spätgotifchen Steinmet;en 
ein reiihes Feld zur Darlegung seiner konstruktiven Geschicklichkeit, so wußte das sich 
entwikkelnde Virtuosentum diese Aufgabe noch in anderer Weise zu steigern. Die 
Gewölbe sollen nicht nur im einzelnen dem Steinschnitt allerlei Probleme bieten, 
sondern der Sieg über das Material soll ferner dadurch gesteigert werden, daß Viele 
phantaftifchen Deckenbilduugen nun auch noch zum Teil frei in der Luft schweben. So 
entstehen Portalvorhallen, deren gewölbte Decken zur Hälfte ihres G17U11dVisses frei
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.