Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3934541
Deutsche Baukunst. Die Frühzeit. 
Verwandte Anlage der Seitenschiffsdecken zeigt aber beispielsweise noch heut der alte 
nicht fest datierbare Dom von Brescia, und, sicher jünger als Aachen, die Kirche 
Sau Fedele in Como in ihren ursprünglichen Teilen. 
Jedenfalls offenbart sich hier noch eine Kenntnis des Gewölbebaues, welche den 
folgenden Geschlechtern in erneuten schweren Kampfzeiten abhanden kommt. So zeigt 
sich in der Übertragung des Gewölbeschubes von den Mittelfchisfsmauern auf die 
Außenwände hier bereits die nicht ersolglose Beschäftigung mit Problemen, die erst 
durch das Eintreten des Strebebogens ihre volle Lösung finden. Das Detail 
bewahrt die entartete antike Gliederung, aber es ist spärlich angewendet und 
bescheiden in seinen Profilen; ebenso geht die Einfügung der doppelten Säulen- 
stellung in die großen Bogen auf ältere römische Vorbilder. Wahrscheinlich boten 
die Thermen vielfach derartiges; auch in der Sophien- 
kirche begegnen wir dem gleichen Motiv. Die Säulen 
-  F selbst, so wie ihre Kapitelle sind antiken Gebäuden 
     H entnommen, die bronzenen Brüftnngen dagegen, welche 
   A zwischen die Säulen eingeschoben, stammen aus karn- 
    lingischer Zeit. Nicht diese aber erst hat das Fehlen 
     feinerer künstlerischer Durchbildung der Profile und 
   die willkürliche Hinzufügung des alles überdeckenden 
XI    " Marmor- und Mosaiksch1nuckes verschuldet; darin 
J-    offenbart sich vielmehr die Geschmacksrichtung der 
  - altchristlichen Zeit überhaupt; es ist dies nur eine 
  III-c-L? Reproduktion dessen, was die gefeiertsten Kirchen- 
  bauten des Abend- und Morgenlandes boten. Be- 
 sondere Aufmerksamkeit verdient die Fasfade der Vor- 
Fig-4- MüI1ststzU As1(bM- hallet ihr Mittelbau wird schon ursprünglich über 
die Seitentürme hinausgestiegen sein. Zwar ist heut, 
wo die alte Vorhalle von Sau Vitale verschwunden, der Beweis nicht zu führen, 
daß der Aachener Meister auf sie zurückgegriffen, wahrscheinlich ist dies jedoch in 
hohem Maße. Auch die dreiteilige Loggia über dem Eingang finden wir in 
Ravenna, und zwar am Palaste des Theodorich.  Über die Baugeschichte der 
Kirche sind wir ziemlich gut unterrichtet. Errichtet wurde sie in den Jahren 
796-804; als Architekt wird (freilich erst in späterer Zeit) ein Magister Odo 
genannt; der Abt Ansegis von St. Wandrille steht den verschiedenen Künstlerwerk- 
stätten vor, Einhart war der Oberleiter des Ganzen.  
Was bewog Karl zur Wahl des Zentralbaues, während doch die Hauptkirchen 
der Christenheit in Rom sämtlich Langhausbauten sind? Sollte die Anlage von 
Sau Vitale Karls besonderes Interesse geweckt haben? oder sollte ein beabsichtigter 
Anschluß an die Hagia Sophia, die große Hofkirche des oströmischen Kaisertums, vor- 
liegen? sollten etwa die zahlreich erhaltenen römischen Grabbauten, namentlich die 
des Augustus und Hadrian, aus neuerer Zeit der des Theodorich ihn veranlaßt 
haben, für die eigene Grabeskirche ebenfalls die Rundform zu wählen?  Vielleicht 
wirkte alles zusammen! Seine Völker aber sahen mit staunender Bewunderung auf 
das im Norden unerhörte Prachtwerk. Nichts reiferes und herrlicheres hätte die
        

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