Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Baukunst
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967995
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3935654
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Deutsche Baukunst. Blütezeit des romanifchen Stiles. 
Rundpfeilern als Stützen der (Kreuz-) Gewölbe. Hier ist das Baumaterial Granit. 
Trotz ihrer sehr bescheidenen künstlerischen Durchbildung sind diese Werke für die 
allgemeine Betrachtung wichtig, weil sie den Beweis liefern, daß Zentralanlagen im 
nordöftlichen Gebiet, wenn auch nicht so häufig wie in den österreichischen Ländern, 
doch überhaupt hier und da vorkommen. Sie erklären somit in etwas die in der 
sonstigen Entwickelung so befremdliche Erscheinung jener großen im Jahre 1722 leider 
abgetragenen Zentralkirche auf dem Harlunger Berge bei Brandenburg. Vier stark 
abgetreppte Pfeiler gliederten hier ein Rechteck von r. 31 zu 26,5 Meteru so, daß zwei 
sich durchkreuzende Haupträume entstanden, die jedesmal auf beiden Seiten in halbrunder 
Apsis endeten. Es war eins der ältesten Bauwerke des Brandenburger Sprengels, 
von dem die Knnstgeschichte nähere Kunde besitzt: Pribislav, der letzte Wendensürst 
in Brandenburg, hatte es auf der altheiligen Kultstätte des Triglav errichtet. 1165 
schon wird der Kirche als fertig gedacht; aber in der ersten Hälfte des dreizehnten 
Jahrhunderts erfuhr sie eine Erneuerung, bei der die alten Teile, wenn nicht ganz 
verschwanden, so doch in Formen inkrustiert wurden, die denen des ziemlich gleich- 
zeitigen Umbaues der Liebfrauenkirche zu Magdeburg nahe gestanden haben müssen, 
wie die erhaltenen Zeit-hnungen und ein Modell beweisen. Die Gesamtkomposition 
nun, welche offenbar im Umbau die alten Grundzüge festhielt, ist ebenso originell 
im Jnnern mit der ringsumlaufenden Empore, als für das Äußere mit den vier 
sich neben dem kreuzförmigen Kirchendach erhebenden Ecktürmen. Bei dem Unter- 
gang des Monu1nentes aber wird der Versuch, bestimmte Vorbilder für dasselbe 
nachzuweisen, aufzugeben sein. Kurfürft Friedrich II., welcher die alte Wallfahrts- 
stätte in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts zur Mutterkirche des von ihm 
geftifteten Schwanenordens erhob, fügte einen gotischen Anbau im Westen hinzu. Der 
Verfall der Kirche begann schon im dreißigjährigen Kriege, denn der damals durch 
einen Brand verlorene Dachstuhl wurde nicht wieder erseht. Wohl widerstanden die 
Gewölbe den Einflüssen der Witterung noch Jahrzehnte, als im Jahre 1722 jedoch 
die Erhaltung des Bauwerkes einen größeren Kostenaufwand verlangte, ließ Friedrich 
Wilhelm I. dasselbe abbrechen, um die Steine beim Bau des Militärwaisenhauses in 
Potsdam zu verwerten.  
Die Betrachtung der Bauten des Backsteingebietes hat uns bereits über die Grenze 
des uns beschästigenden Zeitabschnittes hinausgeführt. Nur an wenigen dieser Werke hat 
der Rundbogen ausschließlich Herrschaft, zuweist tritt der SpiHbogen bereits an ihnen 
hervor. Sein Eintreten in die deutsche Baukunst bezeichnet den folgenschwersten Ent- 
wickeluugsn1oment derselben während des ganzen Mittelalters. Ehe wir aber den ursäch- 
lichen Zusammenhängen dieser Erscheinung näher treten, haben wir einen flüchtigen Blick 
auf die Profcmarchitektur der romantischen Zeit zu werfen, soweit dieselbe über arihäologische 
Interessen hinaus eine Stellung im Entwickelungsgange der Kunstgeschichte beansprucht. 
 Weniger als die kirchlichen Denkmäler, die noch heut in überwiegender Mehr- 
zahl ihrem ursprünglichen Zweck dienen, genießt die Profanarchitektur der vergangenen 
Zeiten den Schutz der Nachwelt. Sehr gering nur ist deshalb die Zahl de: durch
        

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