Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerfarben, Mal- und Bindemittel und ihre Verwendung in der Maltechnik
Person:
Linke, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967954
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3886088
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haben sich eine Neihe und gerade die schlechtesten unter die Malerfarben ein- 
geschlichen; man findet sie in den Verzeichnissen der Malerfarbenfabriken auf- 
geführt und leider selbst von tüchtigen Künstlern verwendet. So das Anilin- 
violett (Mauve), das Magenta-Not, Anilingelb, auch Persisch- 
gelb genannt, Solferino-Nosa und eine Anzahl violetter und roter 
Lacke unter Phantasienamen wie Geranium-, Cäsar-Lack 2e. sc. Auch 
das Saflorrot  Rose Carthame  ist hier anzureihen. 
Es sind dies für Malerzwecke gänzlich verwerfliche, ganz lichtunechte 
Farben. 
Besser, ja für Färbereizwecke die meisten früher verwendeten pflanz- 
lichen und tierischen Farbstoffe sogar bedeutend überragend, sind die so- 
genannten Azofarbstoff e, unter denen namentlich brillante Not (Schar- 
lach- und Vordeaux-) hervorragen. 
Aber auch diese sind für die Malerei noch nicht beständig genug. Die 
lichtechtesten, künstlichen Teerfarbstoffe, die auch die besten Farblacke liefern, 
sind die Anthrazenfarben, namentlich die vom Alizarin, einer aus dem 
Anthrazen herstellbaren Verbindung entstammenden Alizarinlacke, die 
künstlichen Krapplacke, die in Färberei und Malerei die natürlichen 
Krapplacke so gut wie Verdrängt haben (s. S. 55). 
In neuester Zeit wird auch der Jndigo synthetisch, künstlich aus Teer- 
produkten hergestellt. 
Die meisten pflanzlichen und tierischen Pigmente werden erst zu Maler- 
farben tauglich, wenn sie zu Farblacken präpariert, an pulverige Stoffe (meist 
Metallhydroxyde) gebunden werden (s. S. 23). Sie werden dadurch meist 
erst zu schönfärbigen, in Wasser unlöslichen Farbkörpern. Auch die Teer- 
farben müssen für die Verwendung zu Maler- und Anstreicherfarben (im 
allgemeinen gesagt zu Körpe,rfarben) in die Form von Farblacken gebracht 
werden. Den meisten Teerfarbenlacken geht aber nebst der Lichtechtheit ge- 
rade die für die Malerei wichtige Eigenschaft, ,,waschecht" zu sein, ab. 
Die meisten aus Teerfarben hergestellten Lackfarben geben an Wasser 
etwas von ihrem Farbstoffe ab. Es ist dies eine für den Nachweis 
derselben äußerst günstige Eigenschaft. Namentlich da die farbkräftigen und 
leuchtend schönen Teerfarben auch zur Auffärbung, ,,Schönung", also Ver- 
fälschung von Malerfarben leider vielfach verwendet werden. Auch Alkohol 
(Spiritus) zieht meist oder doch häufig aus denselben etwas Farbstoff aus, 
so daß sich die Teerfarblacke fast durchgehends durch die ,,Waschunecht- 
heit" gegen Alkohol oder Wasser verraten. 
Auch konzentrierte Schwefelsäure kann zur Erkennung von Teerfarben 
in Misd)ungen dienen. Viele Teerfarben  namentlich Azofarbstoffe  
lösen sich in konzentrierter Schwefelsäure mit charakteristischer Färbung. So 
geben viele rote und gelbe Teerfarben in Schwefelsäure grüne  und violette 
(l) Lösungen.
        

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