Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerfarben, Mal- und Bindemittel und ihre Verwendung in der Maltechnik
Person:
Linke, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967954
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3886183
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Von Schaden End aber die großen Mengen Von freien Oxyfettsäuren, 
Glyzerin- und Dlröstprodukten darin. Crfahrungsgemäß machen solche Sik- 
kative die Dlfarben zum Nachdunkeln, Neißen und Verwittern geneigt. 
Ein ähnliches SikkatiV ist das Gold sjze. 
Neuerer Zeit erscheinen im Handel auch sogenannte kalt bereitete 
Firnis s e: 
Durch Kochen von Leinöl mit Natronlauge wird eine Lösung von 
Leinölseife (Natriumoleate) hergestellt (s. S. 80). 
Gießt man diese Natriumseife in eine Lösung eines Mangansalzes, 
so fällt durch Llmsetzung entstandenes fettsaures Mangan (Mangan- 
linoleat) als Niederschlag heraus, der gewaschen und getrocknet eine bräun- 
liche zähe Masse bildet und jetzt Handelsprodukt ist. 
Ebenso wird durch Lösen von Harz (Kolophonium) in Lange und 
Zersetzung dieser Harzseife (des harzsauren Natriums) mit Mangansalz- 
lösung als Niederschlag harzsaures Mangan gewonnen. 
Mit diesen beiden Manganpräparaten (ölsaurem oder harzsaurem 
Mangan) lassen Ich die ,,Firnisse auf kaltem Wege" herstellen. 
Die Manganseifen werden in wenig Terpentinöl oder Leinöl in der 
Wärme gelöst und diese Lösung der ganzen zu Firnis zu verarbeitenden 
Menge Leinöl zugesetzt, dann am besten auf 150-1800c erwärmt und 
zugleich Luft durchgeblasen, die Oxydation eingeleitet. 
Also auch hier kommt vorteilhaft Wärme in Anwendung, nur wird 
nicht so hoch und nicht lange erhitzt. Es geschieht die Crwärmung 
und das Luftdurchleiten zur Zerstörung der ,,Schleimsubstanzen". 
Ob diese neuen Firnisse den alten gekochten an Qualität nicht nach- 
stehen oder sie sogar, wie auch behauptet wird, übertreffen, ist noch nicht 
sicher entschieden. 
Auch auf ganz kaltem Wege lassen sich J-"irnisse, allerdings nicht so 
schnell trocknende, darstellen. So mit Hilfe von Bleizucker (essigsaurem Blei, 
s.S. 28),welcher,dem Leinölzugesetzt,ohne weiteres dessen Trockenkraft erhöht. 
Man hat für Malerzwecke durch Verreiben von entwässertem Blei- 
zucker mit wenig Leinöl eine Art Salbe hergestellt, die man mit dem 
Namen Malbutter belegt hat. 
Den L3lfarben zugeset3t beschleunigt sie das Eintrocknen allerdings 
einerseits auf Kosten der Klarheit der Farbe, wenn irgend erhebliche Mengen 
davon in Verwendung kommen, andererseits sind aus der Praxis auch üble 
Erfahrungen über den Bleizucker als Sikkativ bekannt geworden. Die 
Fügersche Malbutter soll auch eine solche Salbe aus Bleizucker, L")l und 
etwas Wasser gewesen sein. 
Durch Digerieren von Leinöl mit fein verteiltem metallischem Blei 
(Bleischwamm) läß sich nach Livache ein ganz farbloser Firnis gewinnen,
        

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