Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Biedermeier
Person:
Boehn, Max von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967931
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3847460
brachte, welches durch die höchste Eleganz bewirkt werden soll und bei den größten 
Mitteln doch so oft verfehlt wird." Wilhelm von .Kügelgen entsann sich der 
Wohnung seiner Eltern in Dresden als heller lustiger Räume mit einfarbigen 
Wänden, an Schmuck enthielten sie nur wenige gute Bilder, aber nichts, was 
des bloßen Putzes wegen dagewesen wäre. Dieser Stil der älteren Generation 
blieb noch lange in Geltung. Lewalds in Königsberg hatten sich ihren Saal von 
Professor .s)uhn für 80 Taler ausmalen lassen, die Wände glatt kornblumenblau, 
oben herum eine Borte von Vögeln, auf der weiße Fasanen aus Bron;ekörben 
Früchte as;en, am Plafond eine Göttin in gelb, welche Strahlen über die ganze 
Decke entsandte. Ebertys gute Stube war hellgrün gestrichen, auf die Wände 
hatte Wilhelm Schadow grau in grau die 4 Jahreszeiten gemalt; in der Bernstorff- 
schen Ministerwohnung, schreibt Gräsin Elise, nahmen sich die Farben der Zimmer, 
wenn sie alle geöffnet waren, wie die Farben des Regenbogens gar hübsch aus: 
gelb, blau und grün. Blau war auch Fontanes Saal in Swinemünde mit nn)tho- 
logischen Szenen an der Decke, während in kleinen Städte-n, wie bei Gustav Frey- 
tags Eltern in K!-eu;burg, eine kleine gemalte Rosette in der guten Stube schon 
etwas besonderes war. Der Fußboden war die einfache hölzerne Diele, die wie 
bei Stahrs und Ruges vielfach noch mit Sand bestreut, an Sonntagen aber mit 
.Kalmus belegt wurde, während Wachholdersiräußchen um Tische und Stühle lagen. 
Immer wieder wird Wert darauf gelegt, daß an Mobiliar und "2lusftattung 
nur das Notwendige vorhanden sein dürfe, .Kügelgen spricht einmal im Gegensatz 
zu der Einfachheit im .t)ause seiner Eltern von den ,,unnüizen Nichtswürdigkeiten" 
in der Einrichtung des Amthauses. Da begegnete sich denn die Mode sehr glück- 
lich mit der Not, aus der man wohl oder übel eine Tugend machte, wie die 
Griis1"n Marie Brühl, als sie den .s2auptmann von Clausewitzz heiratete, entzückt 
darüber war, ein Sofa und l) Stühlc, alles mit Kattun überzogen, zur Aus- 
ftattung zu erhalten. Mit Befremden sah die junge (sjc-ncmti-.m, wie-  
im Poncetschen Hause oder Bogumil Goltz bei seiner 90jährigen Urgros;tante 
Vennewitz in Riesenburg auf das kostbare Mobiliar der alten Zeit, die Eichen- 
und Nußbaumschränke mit blanken Messingbeschlägen und Grifsen, die mächtig 
gebauchten .Kommoden, alle die Marqueterie und Sschnitzerei, mit der ein wohl- 
habenden-s Geschlecht sich in seinem Heini umgeben. Jetzt mußte alles geradlinig 
und eckig sein und wenn der Empircstil noch Bronzebeschläge und Vergoldungen 
s-U f("kMU Möb-Un tU"VUIVkk WITH- so verzichtet die Biedermeie1-Zeit nun auch auf 
diese. Unter dem Einfluß der englischen MöbelFunst, die seit der Mitte des 
t8. Jahrhunderts dem prunkvollen französischen Möbelüil eine Richtung auf das 
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