Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Biedermeier
Person:
Boehn, Max von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967931
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3846109
von Athen, Ei-dmann über Weinen und Lachen, Marchand über Alchen1ie usw. 
Die Einrichtung fand in den Kreisen, auf welche sie berechnet war, das lebhafteste 
Interesse, und wenn in der Gesellschaft das ganze auch etwas spöttisch das 
Pfennigmagazin hieß, so wollte doch jeder dabei sein. Die langjährige Dauer 
dieser Einrichtung machte die Prophezeiungen des grämlichen Varnhagen zu nichte, 
der gemeint hatte, für Berlin sei dergleichen nichts, da weder ein Bedürfnis, noch 
Fähigkeiten dafür vorhanden seien. Es war doch eben keine bloße Modesache, wie 
eine Dame glaubte, die kein B,illett mehr erhalten konnte, und sich an Professor 
Lichtenstein wandte. ,,Jetzt ist es nicht mehr möglich," sagte er, ,,aber im Februar 
hoffe ich, Ihnen eines besorgen zu können." ,,Dann nützt es mir nichts mehr," 
antwortete sie, ,,dann ist die Sache ja längst Aus der Mode". - 
Es lag wirklich ein allgemeines starkes Bedürfnis des Publikums nach 
geistiger Nahrung vor, denn in den gleichen Jahren wurden, wie in der Berliner 
Singakademie, allerorten derartige Vorträge gehalten. In Breslau las Gustav 
Freytag 1843 in der Börse über neue Literatur, in Königsberg Ludwig Walesrode 
über Angelegenheiten der.inneren Politik, in Grünberg sprach ;Rudolf .s2aym im 
BildungsVerein, in Bonn Gottfried Kinkel über Shakespeare, in Stuttgart Lud- 
wig Bauer über Literatur und Geschichte, in Leipzig und Dresden Karl Biedermann 
ül:-Er soziale Fragen. Es war ein allgemeines Drängen nach Wissen, nach Bildung, 
nach Aufklärung, das sich der Deutschen bemächtigt hatte und sich in einem 
förmlichen Hunger nach den Wissenschaften geltend machte. Den Machthabern 
war es zwar gelungen, den politischen Aufschwung des Volkes, der sich nach den 
Freiheitskriegen geltend machte, zu hemmen und zurückzudrängen, aber das Gefühl 
eines gemeinsamen Deutschtums, das in eben jenen Jahren erwacht war, nachdem 
es so lange völlig erstorben gewesen, konnten sie ja doch nicht ausrotten, wie 
wenig auch die Metternich und Konsorten von einem Deutschland als solchem 
mochten wissen wollen. "S"o waren die Deutschen, wenn sie sich in jenen Jahren 
einer heillosen politischen Knechtung auf das besannen, was ihnen allen gemein- 
sam war, auf die geistige Kultur ihres Volkes hingewiesen. J-n dem Andenken 
an die großen Männer ihrer Vergangenheit fanden Nord- und Süddeutsche die 
Be-rührungspunkte des Gefühls der Einigkeit, das sie zu beseelen begann, in dem 
Wirken ihrer Gelehrten den Mittelpunkt, nach dem die dioergierenden Kräfte zu- 
sammensirebten. Der Jahr-estag der Schlacht bei Leipzig durfte nicht mehr feier- 
lich begangen werden, warme patriotische Teilnahme an höheren Interessen schien 
den Regierenden gefährlich, so wurde der Todestag Albrecht Dür"ers, der sich 1827 
zum dreih"underts?en Male jährte, ein Festtag, der die Deutschen daran erinnerte,
        

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