Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Biedermeier
Person:
Boehn, Max von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967931
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3843873
Das allgemeine Unbehagen machte sich in Berlin zuerst in schlechten Wissen 
und einem Regen von Karikaturen Luft. Eines Tages erzählte man sich, es 
fpuke in Sanssouci (wo der König wohnte), es sei ganz gewiß, Friedrich 1I. gehe 
dort ohne Kopf umher, und kurz darauf hieß es: es sei doch nicht wahr, der 
Minister von Rochow habe die Sache wegen des Gefpens?es streng untersuchen 
lassen, und dabei habe sich ergeben, es sei durchaus kein Geist in Sanssouci zu 
finden, am wenigsten der Friedrichs des Großen. Als am Berliner Lustgarten 
Steine abgeladen wurden, antwortete der EckensIeher Name auf die Frage wozu: 
Der König will nach Jerusalem Trottoir legen lassen. Als der König mit großem 
Gepriinge nach England reiste, um bei dem Prinzen von Wales, dem nachmaligen 
König Eduard VIl., Pate zu stehen, hieß es, er will ja nur sehen, ob Sonntags 
auch die Laden geschlossen find. Das verfehlte Attentat des Bürgermeisters 
Tfchech, der bei der Abreise des Köttigspaares nach Schlesien am 26. Juli i844 
aus unmittelbarer Nähe auf den König mehrere Schüsfe abgab, begeifterte die 
Berliner nur zu dem frivolen Gassenhauer: 
Niemals war ein Mensch so frech 
    
Denn er schoß der Landesmutter 
Durch den Rock ins Untetfutter, 
Und er traf bei einem Haar, 
Dieses teure Königspaar 
usw. 
Eine Karikatur stellte Friedrich Wilhelm IV. dar, wie er den Dichter mit 
einer Hand  mit der anderen Hand ,,weg" winkt; eine andere: ,,wie Einer 
immer daneben tritt", der König, mit einer Sektflasche hinter Friedrich dem 
Großen immer neben dessen Fußtapfen tretend; eine dritte: den König, in der 
einen Hand die Ordre, in der anderen die Konterordre, auf der Stirn aber: 
D6sordre tragend. Er bot ja dadurch, daß er der Mitwelt beständig zumute-te, 
Reden für Taten zu nehmen, der Karikatur nur zu viel Stoff. Die unaufhör- 
lichen Entzückungs- und Nührungsauftritte, die der Monareh, wie Bat-nhagen sikh 
ausdrückt, herbeizuführen liebte, erreichten ihren Höhepunkt bei seiner Rheinreisc 
zur G:-undsteinlegung des Kölner Doms. Er hatte sieh schon als Kronprinz für 
die Nes?auration und den Ausbau desselben interessiert und begann dieselbe Ums? 
der lebhaftesien Anteilnahme von ganz Deutschland. Die Feier vom 4. Sep- 
tember i842 erhielt durch die Anwesenheit vieler deutscher Fürsten, unter ihnen 
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